Wunsch und Machbarkeit

 

Verbraucherakzeptanz. »SocialLab« – ein Verbundprojekt von acht Forschungseinrichtungen – bezeichnet Julia Klöckner als »eines der spannendsten Projekte, das wir unterstützen«. Die sehr groß angelegte Studie untersucht, wie Verbraucher die Tierhaltung wahrnehmen.

Es steht zu befürchten, dass das Landwirtschaftsministerium mit den Ergebnissen der Studie noch einiges vorhat. Ziel ist es, eine stärkere Akzeptanz der Nutztierhaltung in der Bevölkerung zu erreichen. SocialLab ist allerdings sicher nicht nur der Ausgangspunkt für eine bessere Kommunikationsstrategie. Es steht wohl immer noch die Idee von einer Art »Gesellschaftsvertrag « im Raum: Die Verbraucher sagen, wie sie sich die Nutztierhaltung wünschen. Die Tierhalter erklären, was sie umsetzen können und dann ergibt sich eine Schnittmenge – die gesellschaftlich akzeptierte Nutztierhaltung der Zukunft.

Das wäre ja in der Theorie auch tatsächlich ganz wunderbar. Aber was passiert, wenn es überhaupt keine Schnittmenge gibt? Wenn all die Sachzwänge wie Genehmigungshürden, Flächenknappheit, begrenzte Mittel (öffentliche und bei den Landwirten), offene Märkte, Kostenbewusstsein der Verbraucher und, und, und … bei den Befragten überhaupt keine Rolle spielen? Oder, wenn mögliche Kompromisse nicht lange halten? Und darauf deuten ja einige Ergebnisse der Studie hin:

• »Kenntnisse über das komplexe System Tierhaltung bestehen nicht oder nur in Ansätzen. Es werden Ziele wie artgerechte und naturnahe Haltung formuliert, es bestehen aber kaum Einblicke über Möglichkeiten der Umsetzung und damit verbundene Zielkonflikte«.

• »Die Wahrnehmung und Beurteilung der Tierhaltung wird maßgeblich durch Ängste und Wunschvorstellungen beeinflusst«.

• »Die Änderungen von Tierhaltungsverfahren ist keine hinreichende Voraussetzung für eine bessere Akzeptanz, wenn den Bürgern die Kenntnis über entsprechende Anpassungen fehlt …«.

Deshalb können die Ergebnisse bitte kein Anhaltspunkt für politische Entscheidungen sein. Bei einem so großen Thema wie der Nutztierhaltung lässt sich kein Interessensausgleich am »runden Tisch« finden, zu dem alle eingeladen sind.

Sicher, es muss geklärt werden, welche Tierhaltung es bei uns künftig geben soll, selbstverständlich auch mit Kritikern des heutigen Systems. Aber als Fachleute müssen sie dann auch die Konsequenzen z. B. mit Blick auf Tiergesundheit, Umweltschutz und Kosten überblicken. Und am Ende muss man damit leben, dass der mögliche Kompromiss nicht von allen gutgeheißen wird.

 

 

Lisa Langbehn