Lisa Langbehn
Editorial
Auf EU-Ebene ist die ursprünglich politisch geforderte massive Reduktion chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel ja vom Tisch. Aber das Thema bleibt auf vielen anderen Ebenen aktuell: Einige Bundesländer verfolgen deutliche Reduktionsziele, denn der gesellschaftliche Anspruch an eine möglichst „chemiearme“ Pflanzenproduktion besteht nach wie vor. Zudem setzen der immer krassere Wirkstoffwegfall und zunehmende Resistenzen gegen die noch verfügbaren Wirkstoffe neue Überlegungen in den Pflanzenschutzstrategien in Gang. Im folgenden Dossier erfahren Sie wichtige Hintergründe zum großen Thema Pflanzenschutz – angefangen mit neuen Problemunkräutern, Wirkstoffen und Resistenzen über Bekämpfungsstrategien bis hin zu Applikationstechniken.
Pflanzenschutz
Integrierter Pflanzenschutz. Leichter gesagt als getan
Pflanzenschutzmittel sollen gespart werden, Wirkstoffe fallen weg, Resistenzen nehmen zu – die Forderung nach mehr ackerbaulichen Maßnahmen ist mittlerweile ein Klassiker. Dass manche Bausteine des Integrierten Pflanzenschutzes aber gar nicht so einfach umzusetzen sind, zeigen Anke Kühl und Michael Roßberger.
Unsere Podcasts zum Thema
Ernährungssouveränität und Wirkstoffverluste
Wie sicher ist unsere Lebensmittelversorgung wirklich? In dieser Podcast-Episode sprechen wir über den Verlust zentraler Pflanzenschutzwirkstoffe – und seine Konsequenzen für Erträge, Betriebe und Selbstversorgungsgrade. Auf Basis aktueller Studien diskutieren wir, warum Klimawandel langfristig wirkt, Regulierung aber kurzfristig massive Effekte entfalten kann: Ertragseinbußen von 10 bis 25 %, wachsende Importabhängigkeit und steigende ökonomische Risiken, insbesondere für Sonderkulturen wie Obst, Gemüse oder Kartoffeln.
Nacherntemanagement als Basis der Herbizidstrategie
Das Potenzial von Ungrassamen im Boden ist für das gesamte Herbizidmanagement von entscheidender Bedeutung. Ein wichtiger Baustein der Pflanzenschutzstrategie im Herbst ist ein an die Biologie der Ungräser angepasstes Nacherntemanagement. Die Engländer bezeichnen die standardmäßige Stoppelbearbeitung bei hohem Ungrasdruck nicht umsonst als „waste of time“ (= Zeitverschwendung). In dieser Episode geht es um die richtige Strategie in puncto Ackerfuchsschwanz und Weidelgras, die Notwendigkeit, das Nacherntemanagement als eigenständige Disziplin zu betrachten, und den Wegfall von Flufenacet.
Zwischenfrüchte neu gedacht
Die positiven Wirkungen des Zwischenfruchtanbaus auf den Boden sind allseits bekannt. Viele Betriebe möchten sich tiefergehend mit der Thematik beschäftigen und neue Verfahren ausprobieren. Insbesondere aus dem Bereich der regenerativen Landwirtschaft gibt es zurzeit mögliche Lösungsansätze, den Zwischenfruchtanbau weiter zu verfeinern. In dieser Episode geht es um die Möglichkeiten aber auch Hemmnisse und Grenzen der Intensivierung des Zwischenfruchtanbaus.
Rapserdfloh
Der Rapserdfloh ist in vielen Regionen zu einer der größten Herausforderungen im Rapsanbau geworden. Entscheidend ist, den Raps möglichst sicher zu etablieren und ihn bis zum Vierblattstadium zu bringen. Doch welche Rolle spielen Bodenbearbeitung, Saattermin, Saatbett, Pflanzenzahl und Saatverfahren? Und wie können ackerbauliche Maßnahmen, Ackerhygiene und Pflanzenschutz sinnvoll zusammenspielen, wenn die Wirkung der Pyrethroide nachlässt?
Immer nach guter fachlicher Praxis
Der chemische Pflanzenschutz bleibt eine große Herausforderung für die Landwirte und Landwirtinnen. Der Wegfall von Wirkstoffen, Resistenzen vor allem bei Ackerfuchsschwanz und Weidelgras und der anhaltende Druck der Öffentlichkeit grenzen den Handlungsspielraum immer weiter ein. Verbesserungen schaffen aber die technischen Möglichkeiten: Mit Spot Spraying, Teilflächen- und sogar Einzelpflanzenerkennung- und Applikation lassen sich mit weniger Mitteleinsatz der gleiche oder manchmal sogar höhere Erträge erzielen. Allerdings gibt es oft noch Hürden in der Anwendung, die eine Investition in entsprechende Geräte verhindern. Auch hier spielt das Stichwort "Digitalisierung" eine tragende Rolle.