»Verkaufen« wir Greening als gute Geschichte

 

Die praktische Umsetzung der Greeningauflagen zieht sich derzeit durch die Winterveranstaltungen. Mit welchen Faktoren welche Leistungen bewertet werden, was Sie dürfen und nicht dürfen oder wie sich das (je nach Bundesland unterschiedlich) mit den Agrarumweltmaßnahmen verträgt: Vieles ist kompliziert, und an einigen Stellen dürfte auch der beste Berater keine endgültige Antwort haben. Landwirte empfinden das Greening gern als Schikane, auch wenn sie sich wohl oder übel damit einrichten (müssen).

Man könnte aber ganz anders an die Sache herangehen: Wenn wir das Greening schon haben, dann machen wir wenigstens das Beste daraus!

Voraussetzung dafür ist ein Mindestmaß an Fairness gegenüber der Politik. Bei aller verständlichen Unsicherheit und allem Ärger vieler Landwirte: Die heutigen Regeln eines »produktiven Greening« sind immer noch besser als der ursprüngliche Ansatz der EU-Kommission, der im Wesentlichen auf eine Flächenstilllegung herausgelaufen wäre. Sicherlich haben die Direktzahlungen – um den unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden – einen Grad von Kompliziertheit erreicht, der kaum noch zu steigern ist. Wer aber heute noch grundsätzlich über das Greening meckert, muss sich nach realistischen Alternativen fragen lassen. Hätten es die Landwirte lustiger gefunden, den »Greeninganteil« der Direktzahlungen komplett in die Agrarumweltprogramme zu schieben? Das empfehlen nicht nur viele Wissenschaftler, sondern das fordert auch der bayerische Europaabgeordnete Albert Deß. Eine solche massive Umverteilung ist aber erst ab 2020 denkbar.

Natürlich möchte jeder Landwirt die Greeningauflagen mit möglichst wenig Aufwand erfüllen. Frappierend und unbedingt positiv zu bewerten ist allerdings, was sie in unseren Köpfen »anrichten«. So intensiv über Zwischenfrüchte haben wir jahrelang nicht mehr diskutiert. Körnerleguminosen werden nicht mehr nur als »ineffiziente Museumsfrüchte« wahrgenommen, Gewässerrandstreifen werden eine Option. Einige Landwirte verraten sogar, dass sie Sommerweizen in der Sämaschine haben ... Gerade in den intensiven Ackerbaugebieten liegt das alles übrigens auch im Interesse der Landwirte: Die Grenzen eines allein an kurzfristiger Ökonomie ausgerichteten Ackerbaus werden immer deutlicher.

Somit ist das Greening auch eine nachdrückliche Einladung zum Nachdenken und Ausprobieren. Vielleicht machen ein paar Schwalben noch keinen Sommer, aber eine lebendige Kulturlandschaft ist doch mehr als ein statischer Prozentsatz ökologischer Vorrangflächen. Nun haben wir auch flächendeckend Beispiele, dies zu zeigen. Erzählen wir also aller Welt, was wir mit dem Greening Gutes tun für den Boden, für die Gewässer und nicht zuletzt für uns selbst.

 

Thomas Preuße