Die Hand an der Wiege

 

Indoktrination. Olaf Scholz, heute Hamburgs Regierender Bürgermeister, wollte 2002 als SPD-Generalsekretär »die Lufthoheit über den Kinderbetten« erobern. Damals belächelt, ist das heute Realität: Die Erziehung unserer Kinder wird zunehmend aus der Vielfalt der Familien herausgelöst und in eine staatliche Obhut überführt. Doch was hat das bitte mit Landwirtschaft zu tun? Eine ganze Menge! Neulich fuhr ich mit meinem Neffen (9 Jahre alt) in einen Wochenendurlaub. In diesen beiden Tagen staunte ich nicht schlecht, was dieser über Regenwaldabholzung, Umweltverschmutzung durch Ölbohrungen oder das Wohlbefinden der Tiere alles weiß oder glaubt zu wissen. Das geht bis hin zur Gleichsetzung der Rechte von Mensch und Tier. Das klingt erst mal nach einem ethisch-religiösen Thema,ist es aber nicht. Es berührt vielmehr den Kern unseres Umgangs mit Tierhaltung. Denn wenn Mensch und Schwein gleich viel wert sind, warum darf dann der eine das andere einsperren und essen? Von seinen Eltern hat mein Neffe dieses Gedankengut ganz bestimmt nicht. Aber, so frage ich mich, haben Eltern (und nicht nur die meines Neffen) noch die »Hand an der Wiege«? Oder überlassen wir die prägende Ausrichtung der nachwachsenden Generation einer Berufsgruppe, die von Landwirtschaft keine Ahnung hat, dafür aber umso mehr davon zu wissen glaubt? Wer Kinder in Schulen hat, weiß, wovon ich spreche. Die langfristigen Konsequenzen wären fatal, was wir heute erleben erst der Anfang. Da gibt es nur eines: Auch wir müssen Hände an die Wiege bekommen, sprich Kindergärtner und Lehrer mit unserer Wirklichkeit vertraut machen. Sonst sind Landwirte auch in zwanzig Jahren noch die Buhmänner.