Das »Tierwohl« der Ackerbauern?

 

Biodiversität. Der Verlust von Artenvielfalt in den letzten 50 Jahren lässt sich durchaus auf eine Stufe mit dem Klimawandel und anderen beunruhigenden Entwicklungen stellen. Für das Weltwirtschaftsforum – bekannt durch seinen jährlichen Zirkus der Wirtschafts- und Politikgrößen in Davos – rangiert er aktuell unter den ersten zehn großen globalen Risiken, zusammen mit Wasser, Klima, Kriegen, Infektionskrankheiten oder drohenden Staatsbankrotten. Und es ist die Landwirtschaft, die durch großflächige Strukturen oder N-Überdüngung in vielen Regionen als größter Feind der Artenvielfalt gilt!
Entsteht daraus demnächst eine emotionale Diskussion, wie wir sie heute schon über das Tierwohl haben? Mit allen irrationalen Folgen? Hoffentlich nicht. Obwohl »Biodiversität « offenbar ein großes Thema ist, hört, liest und redet man außerhalb der fachlich und politisch daran interessierten Kreise vergleichsweise wenig davon. Denn der Begriff ist weder sexy, noch schürt er Ängste. Er ist die abstrakte Summe einer Vielzahl von Einflussfaktoren. Wie bei der Nachhaltigkeit lassen sich nur einzelne Indikatoren (zum Beispiel die Zahl bestimmter Vögel in der Feldflur) als Messgrößen heranziehen. Über deren Aussagekraft und Gewichtung kann man zudem unterschiedlicher Meinung sein. Sicherlich beruhen auch seriöse Aussagen zum Tierwohl auf solchen Indikatoren. Das Tier selbst antwortet auf die Frage nach seinem Wohlbefinden ebenso wenig wie das Gänseblümchen. Der fundamentale Unterschied allerdings ist das emotionale Verhältnis zum Tier, vielfach geprägt von Bildern und Vorstellungen, die sich am Menschen orientieren. Ein »Aber« gibt‘s aber doch. Auch  »Biodiversität« kann Bilder zeigen und Emotionen wecken, um Wirkung auf die öffentliche Meinung zu bekommen. Ziemlich grenzwertig ist jetzt zwar der Versuch des WWF, auf Plakaten ein spielendes Kind für das abstrakte Anliegen zu (be)nutzen, die Regenwälder zu schützen. Aber ziemlich erfolgreich sind die Bienenhalter: Eine weltweit nachlassende Bestäubungsleistung ist ebenfalls eine der Sorgen im Zusammenhang mit der Biodiversität. Das Nachsehen hat – bei uns und zu Unrecht – der Pflanzenschutz im Raps.
Auch wenn die Biodiversität kaum so intensive öffentliche Diskussionen hervorrufen dürfte wie heute das Tierwohl: Landwirte müssen den Forderungen der Ökologen etwas entgegensetzen. Hier bieten das Greening oder auch die jetzt vom Forum Moderne Landwirtschaft propagierten »Eh da-Flächen« Anlässe, Gutes zu tun und darüber zu reden.

 

Thomas Preuße