Zwei Branchen, ein Problem

 

Produktionskosten. Opel soll an Peugeot verkauft werden. 19 000 Arbeitsplätze in Deutschland sind betroffen, wenn auch wohl nur ein kleinerer Teil auf dem Spiel steht. Ebenso »betroffen« zeigen sich das Bundeskanzleramt und drei Bundesministerien, ganz zu schweigen von den Bundesländern und Kommunen mit Opel-Standorten. Großes Politik-Kino. Bei zunehmendem gesellschaftlichen Druck und steigenden Umweltauflagen werde es immer schwieriger, mit Massenautos Geld zu verdienen, schrieb ein Kollege dazu. Landwirte wissen: Bei zunehmendem gesellschaftlichen Druck und steigenden Umweltauflagen wird es auch immer schwieriger, mit landwirtschaftlichen Massenprodukten Geld zu verdienen. Die Zahl ist Zufall, aber zwischen 2010 und 2015 haben 19 000 landwirtschaftliche Betriebe das Handtuch geworfen. Wenige Politiker haben das bedauert.
Was dem Auto sein Diesel, ist dem Acker seine Gülle oder sein Pflanzenschutz. Sauber soll es sein. Das verteuert die Produktion, ohne vom Markt honoriert zu werden. Der Diesel gilt in Kleinwagen bereits als Auslaufmodell – die Abgastrickserei hat nur ein paar Jahre Luft gebracht. Auch die Düngeverordnung wird jetzt mit den entsprechenden Folgen »scharf gestellt«.
Weiter rationalisieren ist ein Rezept dagegen, aber nicht das einzige – zumindest in der Autoindustrie. Da bringt eher das Irrationale den Gewinn: Man schöpft zusätzlichen Wert aus einem prestigeträchtigen Markennamen. Man bläst die Autos zu »SUV« auf und stopft sie mit Sensoren voll.

Und künftig ist das Auto ohnehin Teil eines »integrierten elektrischen Mobilitätskonzeptes«. All dies muss teuer bezahlt werden und wird bezahlt. Hier die stolze Autoindustrie, dort das Schmuddelkind Landwirtschaft? Im Lichte der künftigen Herausforderungen betrachtet sind die Unterschiede gar nicht so groß. Nur: Wie mache ich aus einem Raps einen Range Rover? Hier enden die Parallelen. Landwirte fühlen sich gern als Lebensmittelproduzenten. In Wahrheit liefern sie meist Vorstufenprodukte. Die eigentliche Wertschöpfung entsteht und bleibt bei den Verarbeitern; erst dort entsteht ein Markenprodukt. Vor allem die Knappheit eines Produktes begründet einen höheren Preis, weniger seine (meist standardisierten) Eigenschaften.
Nischen dürfen deshalb nie zum Standard werden. Der Ökolandbau gäbe selbst mit 20 % Anteil – wie immer staatlich »verordnet« oder angetrieben – ein Wertschöpfungspotential auf, das heute schon erodiert. Das Geschäftsmodell bräche zusammen. Auf die »politisch korrekt« geäußerten Zahlungsbereitschaften der Verbraucher sollte niemand hoffen. Solange sich bei steigendem Kostendruck nichts an diesen Zahlungsbereitschaften ändert, ist für die breite Landwirtschaft nur ein Weg realistisch: Noch besser, noch effizienter werden. Das muss nicht »größer« heißen. Wird es aber häufig, wenn dann weitere 19 000 Landwirte aufgeben.

 

Thomas Preuße