Superlative und Verhinderungspolitik

 

Tierproduktion. Die EuroTier wird wieder eine Messe der Superlative sein. Rekordzahlen bei Ausstellern und der Fläche klingen vielversprechend. Und das trotz einer Investitionsbereitschaft der Branche, die auf einem Tiefstand angekommen ist. Das zeigt zumindest das neueste Konjunkturbarometer der DLG. Natürlich werden die Landwirte sich trotzdem über Messeneuheiten informieren, über die eine oder andere größere oder kleinere Investition nachdenken. Aber angesichts der immer neuen Steine, die Politik und Gesellschaft ihnen in den Weg legen, werden sie es sich zweimal überlegen, ob und wie sie künftig investieren.
Die Probleme werden immer grundsätzlicher. Ein Beispiel dafür ist die jüngste Forderung von Umweltministerin Barbara Hendricks nach einer Änderung des Baurechts hinsichtlich der landwirtschaftlichen Privilegierung, also des Stallbaues im Außenbereich. Bisher ist es nur eine Forderung, und noch vor einigen Jahren hätte sie kaum jemand ernst genommen. Aber die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es fahrlässig wäre, diese und andere Vorschläge von Politikern vorschnell unter  Wahlkampfgetöse abzutun. Schon einige auf den ersten Blick unrealistische Forderungen wurden später, wenn auch manchmal in abgeschwächter Form, irgendwann zum Gesetz. Die Verbote der Käfighaltung und der Ferkelkastration sind nur zwei Beispiele dafür. Die Hürden für Landwirte, wenigstens für die wachstumswilligen unter ihnen, werden immer höher und in immer kürzeren Abständen aufgerichtet.
Landwirte müssen sich darauf einstellen, dass sie künftig in keinem Bereich des Betriebes ohne Nachfragen arbeiten können, bis hin zum Infragestellen dessen, was sie tun. Keine schönen Aussichten. Aber wie wird es dann mit der Tierproduktion weitergehen? Wie weit gehen die politischen Eingriffe, bevor diese nicht mehr wettbewerbsfähig sind? Wie viele neue Hürden halten die Landwirte aus? Wie lange wird es dauern, bis Standortvorteile wie Ausbildung und Knowhow, der leichte Zugang zu Kapital und die gute Infrastruktur den Nachteilen nicht mehr standhalten können? So weit darf es nicht kommen. Die Tierproduktion darf nicht aus Deutschland abwandern.
Das funktioniert aber nur unter zwei Voraussetzungen. Zum einen muss (was in der  Vergangenheit nicht schlecht geklappt hat) der technische Fortschritt mit den neuen Anforderungen mithalten können. Dazu ist Zeit erforderlich. Und zum Zweiten darf nicht – wie es Medienberichte mit Skandalbildern aus Ställen erscheinen lassen – der Faktor Mensch zur größten Schwachstelle werden. Auch hier werden Investitionen nötig sein.

 

Foto: Bianca Fuchs