Reden wir mehr über den Unternehmer

 

Preismisere. Die Situation auf dem Milch- und Schweinemarkt ist alles andere als erfreulich. Aktuell steht der eine oder andere Betrieb sogar vor der Frage: Weitermachen oder nicht? Solch existenzielle Situationen verführen zur Vereinfachung und vermeiden unbequeme Wahrheiten. Dazu drei Thesen.

These 1: Der Ruf nach der Politik macht unglaubwürdig.

Die Preissituation ist zum Teil eine Folge von Überproduktion. Seit Jahren ist eine deutliche Zunahme des Angebotes von Schweinen zu verzeichnen, seit einiger Zeit auch von Milch. Jahrelang wurde für den Wegfall der Milchquote gekämpft und damit für den Wegfall politischer Steuerungsinstrumente. Kaum aber ist die Quote weg, wenden sich Teile des Berufsstandes wieder an die Politik. Sicherlich sind solche Appelle im Wettbewerb der Verbände um die Vertretung der Landwirte mindestens ebenso nach innen gerichtet wie nach außen. Aber es macht sich gegenüber der Gesellschaft nicht gut und dient nicht der Glaubwürdigkeit, erst neue Produktionskapazitäten zu schaffen und dann die Politik in der Verantwortung dafür zu sehen.

These 2: Viele Betriebe wursteln sich mit der Hoffnung durch, es werde ja wieder besser.

Viele Beispiele zeigen, dass mit vernünftigen Entscheidungen zu lange gewartet wird. Substanzverkäufe überbrücken das Problem nur und beheben nicht die Ursache für die schlechte Lage. Über Kooperationen unter Landwirten oder auch innerhalb der Wertschöpfungskette wird erst nachgedacht, wenn es fast zu spät ist. Das Prinzip Hoffnung allein reicht nicht. Oft liegen die Ursachen auch in einer extrem hohen  Kapitaldienstbelastung, die es selbst bei besten Produktionsleistungen unter den aktuellen Preisen nicht erlaubt, auf einen grünen Zweig zu kommen. Hier helfen keine kleinen Schritte, sondern nur der große Wurf – in welche Richtung auch immer.

These 3: Für die wirtschaftliche Situation ist am Ende das eigene Niveau von Kosten und Leistungen entscheidend.

Deutschlandweite Vergleiche zeigen Jahr für Jahr die großen Ergebnisunterschiede zwischen dem obersten und dem untersten Viertel vergleichbarer Betriebe: 10 Ct/kg Milch (900 €/Kuh), 10 €/Ferkel (300 €/ Sau) und 10 €/Mastschwein (30 €/ Platz). Im Ackerbau beträgt die Spanne rund 500 €/ha. Auf Kosten und Leistungen aber hat der Betriebsleiter den größten Einfluss, von ihm hängen bis zu 80 % des Erfolges (oder Misserfolges) ab. Das obere Viertel der Betriebsleiter bildet in guten Zeiten die Rücklagen, mit denen es die Tiefpreisphasen, die es immer geben wird, übersteht. Die Bewältigung von Krisen liegt somit zuerst bei den klassischen Tugenden des Unternehmers: Management, Organisation, Verhandlungsgeschick, Zahlenbewusstsein, Mitarbeitermotivation, überlegtes Wachstum und damit auch eine gewisse Langfristdenke. Und erst dann kommt die Politik.

 

Albrecht Macke