Qualität statt Quantität!

 

Biodiversität. Ausnahmsweise mal nicht der Mensch hat das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Mio. Jahren verursacht. Aber in der Zwischenzeit hat er sich doch mächtig auf der Erde ausgebreitet. Wenn wir so weitermachen wie in den letzten 100 Jahren, zerstören wir unsere eigenen Lebensgrundlagen nicht nur durch den Klimawandel, sondern auch durch einen rapiden Verlust an biologischer Vielfalt. Wofür vor allem die intensive Landwirtschaft verantwortlich ist. So lautet jedenfalls die Botschaft des Weltbiodiversitätsrates IPBES. Dieser hat ungefähr die gleiche Aufgabe wie der Weltklimarat: analysieren, Alternativen aufzeigen, aufrütteln.

Doch die aufgerüttelte Politik wählt gern Wege, die eine  öffentlichkeitswirksame Generallösung versprechen, in der Sache aber zuweilen zweifelhaft sind. Beim Klimaschutz wäre es doch wichtiger, nicht dauernd über Elektromobilität zu reden, sondern über die immer größeren Autos. Und bei der Biodiversität ist weder die Biene das Problem noch möglichst viel Ökolandbau die Lösung.

Abgesehen davon, dass dies weder die Märkte noch die öffentlichen Finanzen hergeben, darf man hinter dessen immerzu behaupteten generellen Systemvorteil ruhig mal ein Fragezeichen setzen. Sicherlich schneiden die Ökobetriebe in Teilbereichen der Biodiversität deutlich besser ab als die »konventionellen«. So bei der »Ackerbegleitflora« – aber nur dann, wenn die Unkrautbekämpfung unvollkommen funktioniert. Bei den Vögeln ist der Vorteil schon weniger groß. Denn diese sind (soweit keine Bodenbrüter) auf Strukturen um die Felder herum angewiesen. Gleiches gilt für die Insekten. Vögel und Insekten aber sind die »kritischen« Gruppen in den Agrarlandschaften.

Ein flächendeckender Ökolandbau würde die wesentlichen Ziele somit gar nicht automatisch erreichen. Besser, weil effektiver als eine solche »Gießkanne« wäre, sich konkret um (noch) mehr Hecken, Feldraine, Brachflächen und vor allem deren Vernetzung zu kümmern. Dort liegt der große Hebel zugunsten der Artenvielfalt – mit und ohne Ökolandbau.

Über eine solche Effizienz wird im Zusammenhang mit der Biodiversität leider kaum gesprochen. Sie erfordert Planung und Schwerpunktsetzung statt des heute üblichen Streits über den Anteil irgendwelcher ökologischer Vorrangflächen. Das heißt auch, Biodiversität nicht nur dort zu betreiben, wo sie für den Landwirt am bequemsten ist, sondern sie als öffentliche Hand dort nachzufragen und zu honorieren, wo am meisten Wirkung erzielt wird. Dafür muss gegenüber den Landwirten viel Vertrauen aufgebaut werden und auch Geld fließen bzw. umgeschichtet werden. Anders lässt sich die Herausforderung nicht lösen. Die Utopie von gestern ist die Realität von morgen.

 

 

Thomas Preuße