Nicht alles was glänzt, ist Gold

 

Ökolandbau. Alljährlich im Vorfeld von Grüner Woche und Biofach spielen Nichtregierungsorganisationen und Verbände ein Theaterstück. Sein Inhalt: Dem Volk verkünden, dass der Ökolandbau die Rettung gegen die alles verzehrende konventionelle Landwirtschaft ist. Da fragt man sich doch: Wie kommen die eigentlich dazu, eine Form der Bewirtschaftung gegen eine andere auszuspielen? Gerne fällt in diesem Zusammenhang der vom Nachhaltigkeitsrat geprägte Begriff vom Ökolandbau als »Gold-Standard der Nachhaltigkeit«. Aber wer definiert, was »Gold« ist?
Es sind die Ökoverbände selbst, die ihre eigenen Kriterien als »Gold-Standard« propagieren. Und das ist nicht das einzige Problem. Denn da ist noch die Vehemenz, mit der der eigene Weg Politik und Bevölkerung als einzig gangbarer aufgezeigt wird. Das spiegelt sich auch in den Reaktionen auf die geplante Revision der EU-Ökoverordnung. Brüssel will weg von der rein auf Prozessqualität basierenden Definition von Öko. Die Ökobefürworter hingegen sperren sich gegen das Streichen von Ausnahmeregelungen und die Aufnahme der Produktqualität in den Kriterienkatalog. Vor allem geht es um die Einführung biospezifischer Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel. Warum auch nicht: Dürfen Verbraucher, die Aufpreise für Ökoware zahlen, nicht entsprechende höhere Standards auch im Produkt erwarten?
Letztlich dient die Verunglimpferei der konventionellen Landwirtschaft ohnehin nur einem Zweck: die Politik dazu zu bewegen, mehr Geld in Richtung Ökolandwirtschaft umzuleiten. Das Ziel ist natürlich legitim, die eingesetzte Methode allerdings alles andere als »Gold-Standard«.

 

Markus Wolf