Manchmal hilft Kompetenz

 

Klimabilanz. Wie peinlich: Das Umweltbundesamt (UBA) hat eine als »erste detaillierte Schätzung« angekündigte Prognose zur Treibhausgasbilanz 2018 direkt korrigieren müssen, da sie veraltete Tierbestandszahlen enthielt. Für die Landwirtschaft bedeutet das statt einer Steigerung der Emissionen von 0,7 % eine Reduktion um 4,1 %. Wie positiv!

Aber wie viel ist eigentlich eine Prognose wert, wenn sie die aktuellsten Daten nicht berücksichtigt? Man kann sich nur schwer vorstellen, dass sich kein Wissenschaftler im UBA diese Frage gestellt hat. Tierbestandszahlen sind selbst für den Laien ein ganz offensichtlicher Einflussfaktor auf klimarelevante Emissionen. Könnte es sein, dass das Bild der Landwirtschaft im UBA so festgefahren ist, dass automatisch Stereotype greifen und Verschlechterungen als zwangsläufiges Übel der konventionellen Landwirtschaft angesehen und nicht weiter hinterfragt werden? Oder wissen die UBA-Leute einfach zu wenig von der Landwirtschaft?

Erstaunlich ist der Fall auch deshalb, weil die Daten leicht zu ergänzen waren: Innerhalb von zwei Tagen lag eine Neuberechnung vor. Die Landwirtschafts-Fachleute vom Thünen-Institut konnten liefern. Diese Kompetenz zu nutzen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Denn staatliche Stellen wie das UBA haben eine Sorgfaltspflicht. Mit den veröffentlichten Zahlen werden auch Botschaften ausgesendet.

Die Zusammenarbeit mit dem Thünen- Institut für »Nahzeitschätzungen« soll beibehalten werden. Bleibt die Frage: Warum ist nicht bereits früher jemand darauf gekommen?

 

Christin Benecke