Im Bann der Handelskonflikte

 

Unsicherheit. Ob in Australien, Argentinien, Russland, Ukraine oder natürlich der EU – überall auf der Welt steht die Landwirtschaft in diesem Jahr unter dem Eindruck von Dürren. Die Folgen waren vielerorts schrumpfende Erntemengen über alle wichtigen Kulturen hinweg.

Mit dem Ende von Hitze und Trockenheit kehrt aber noch lange nicht Normalität auf die Betriebe zurück. Dazu drei Beispiele: Milchviehhalter greifen schon im Herbst auf Wintervorräte zurück, die kleine Rapsernte geht mit sinkenden Preisen einher, und beim Weizen ziehen die erwarteten Nettoimporte die Preise auch nicht weiter hoch.

Woher kommt es, dass die kleinen Ernten nicht voll auf die Preise durchschlagen? Die Antwort lautet: die von den USA angezettelten Handelskonflikte – und die damit einhergehende Unsicherheit. Was das im Extremfall bedeutet, bekommt der Ölsaatensektor exemplarisch zu spüren. Chinas Gegenzölle auf die US-Strafzölle treffen die US-Sojaerzeuger, die damit ihren wichtigsten Markt verloren haben. Während die US-Sojapreise in den Keller gehen, deckt sich Peking in Brasilien ein. Dort gibt es nun aber keine Bohnen mehr. Was nun?

China könnte die USA weiter boykottieren und sich an anderer Stelle nach Soja und/oder Raps umsehen. Was bedeutete das für unsere Ölsaat? Nicht zwingend steigende Preise: In den USA will bald eine rekordhohe Sojamenge im Export untergebracht werden – und schon jetzt drängt US-Ware in die EU. Oder aber: China wahrt den Schein, lässt aber US-Soja über Transitländer ins Land. Damit wäre ein Ventil für die US-Exporte geschaffen, das den Soja- und auch den Rapspreisen Luft verschaffte.

Welche Richtung eingeschlagen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Eine Beilegung des Handelsstreits birgt zwar das größte Aufwärtspotential. Nach der jüngsten Eskalation Mitte September mag darauf aber wohl niemand bauen.

Zu allem Überfluss ist die Afrikanische Schweinepest in China und der EU auf dem Vormarsch. Die Tierseuche bringt zusätzlich Unsicherheit in den Markt: Die Auswirkungen auf die Schweinehaltung (samt Futterbedarf) und den Außenhandel sind unvorhersehbar – sowohl für die EU als auch für China.

Der einzelne Betrieb kann nur entscheiden, wie er mit der Unsicherheit umgeht. Die Läger besser jetzt schon räumen oder in der Hoffnung auf steigende Preise abwarten? Für die braucht es einen Impuls. Bis der kommt, hängt es davon ab, ob Sie auf Sicherheit oder Risiko spielen. Und das hängt nicht nur von der betrieblichen Situation, sondern auch von Ihrer Risikofreudigkeit ab.

 

Markus Wolf