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Wendepunkt. Wenn man dieser Tage in Deutschland mit Landwirten spricht, erlebt man ganz unterschiedliche Reaktionen. Große Freude über doch noch ganz vernünftige Erträge im Süden und Westen, tiefe Sorgenfalten im Norden und blankes Entsetzen im Osten. Vor allem viele Milchviehbetriebe wissen nicht, wie es angesichts fehlenden Grundfutters weitergehen soll. Das ist ein Problem, das sich auch nicht mit Geld lösen lässt.

Aber an einem Punkt verlaufen alle Gespräche gleich: Die Pachten sind nicht zu halten, die Kaufpreise lassen sich nicht mehr bezahlen. Gehört hat man das schon länger, aber zunehmend wird es auch real. Wie etwa jener bayerische Landwirt, der mir Mitte Juli sagte, er werde bis zu 40 % seiner Flächen abgeben, weil die Pachten nicht mehr zu den Erträgen passen. Und kleine Schläge an Rad- und Spazierwegen wolle er nicht mal mehr für »geschenkt«. Ob in den Dürregebieten oder in den Regionen, wo auch dieses Jahr »fett« war: Allenthalben realisieren Landwirte, dass sie von der Pacht runter müssen, Verkäufer, dass die Landpreise möglicherweise den Zenit erreicht oder auch schon überschritten haben.

Es ist nicht dieses eine schlechte Jahr, in dem schwache Ernten (die beim Getreide teilweise, im Süden oft auch ganz, durch höhere Preise kompensiert werden) die Betriebe belasten. Es sind nicht die Umwälzungen beim Biodiesel (Wegfall der Importzölle) oder die immer noch neue Situation bei der Rübe, die vielen Ackerbauern ihre wichtigsten Einkommenssäulen wegbrechen lassen. Und es sind auch nicht allein die ackerbaulichen Probleme und administrativen Einschränkungen (von der Düngeverordnung bis zum Neonic-Verbot), die viele Betriebsleiter verzweifeln lassen. All dies ist schlimm genug, aber im Kern geht es um etwas anderes.

Landwirtschaft ist nicht mehr die strahlende Branche, Welternährung nicht mehr das beherrschende Thema. Wir kommen zurück in die Zeiten, da nicht mehr jeder »Landwirtschaft kann«. Sie bietet nach wie vor eine gute Zukunft und große Chancen für diejenigen, die ihr Handwerk (und dazu zählt nicht nur die Produktion auf dem Feld und im Stall) beherrschen, aber eben nicht für jedermann. Das haben die Jahre nach 2007 vorgegaukelt, und spätestens das Jahr 2018 entlarvt den trügerischen Schein.

Daraus abzuleiten, der Staat müsse einspringen, müsse Betriebe retten, die Wachstum zu jedem Preis betrieben haben, die mit extremen Pachtpreisen oder viel zu teuren Maschinen unvertretbare Risiken eingingen, wäre ein Fehler. Das hieße, all die vorsichtigen Kaufleute (und auch die gibt es unter den Landwirten zuhauf) abzustrafen, die das nicht mitgemacht haben.

 

Dr. Christian Bickert