Gegenseitige Abhängigkeiten

 

Rübenpreise. Ja, die Preise für Zuckerrüben sind schlecht, da gibt es nichts schönzureden. Wenn die Südzucker im Schnitt für Zucker 260 €/t erlöst hat, dann ist das kaum mehr, als die Mühlen im vergangenen Jahr in der Spitze für Weizen gezahlt haben.

Schlechte Preise für Rüben sind neu, in allen anderen Bereichen der Landwirtschaft kennen wir sie zur Genüge. Die diversen Milchkrisen lassen ebenso grüßen wie der Ferkel- und Schweinepreisverfall, die Entsorgung von Kartoffeln oder ruinöse Preise für Getreide und Raps. Insoweit reiht sich die Rübe jetzt nur in die normale Preisbildung für Agrargüter ein. Doch eines ist anders, geradezu auffällig: Trotz aller schlechten Aussichten kämpfen die Fabriken darum, ihre Anbauer bei der Stange zu halten. Ob Jahressonderzahlungen, hohe Rohstoffsicherungsprämien oder Abschlussprämie für Neuverträge: Die Zuckerunternehmen wollen keinen Hektar verlieren. Das ist bei den Mälzern völlig anders. Auch die Molkereien nehmen keine Rücksicht oder greifen gar Reserven an, um Milchviehbetriebe zu halten.

Der Grund liegt auf der Hand: Während Milchviehhalter ebenso wenig einfach aufhören können wie Ferkelerzeuger, haben Ackerbauern die Wahl: Rechnet sich die Rübe gar nicht mehr, dann schränken sie die Fläche ein oder hören ganz auf. Und ohne Rüben, die man eben nicht aus dem Ausland importieren kann (bei Braugerste, Ferkeln und in Grenzen auch bei der Milch geht das), stehen für die Zuckerunternehmen Millioneninvestitionen in Form von Fabriken auf dem Spiel. Die Abhängigkeit ist gegenseitig. Das garantiert keine auskömmlichen Preise – aber es erleichtert, sich trotzdem für die Rübe zu entscheiden.

 

Dr. Christian Bickert