Es grünt so grün

 

Eigentlich präsentieren die Landwirte ja den größten Teil des Jahres über grüne Felder. Wer stört sich an der gelben Farbe des blühenden Rapses, am Blau der Phacelia oder am Beige des reifen Getreides? So gesehen ist der Begriff des "Greening" erst einmal Unsinn. Klar, "Greening" ist im übertragenen Sinne gemeint. Doch auch dann fällt es schwer, ihm große Begeisterung entgegenzubringen: Die Umsetzungsregeln tragen alle Zeichen eines mühsam errungenen Kompromisses. Um die ackerbauliche oder auch naturschutzfachliche Praxis geht es erst in zweiter Linie. Ehrlicherweise muss man sagen: So funktioniert Politik. Ich bau' mir die Welt, wie sie mir gefällt. Nach diesem Motto von Pippi Langstrumpf werden immer häufiger Entscheidungen getroffen. Hauptsache, politisch korrekt und öffentlich einigermaßen zu verkaufen. Was bringt das Greening dem Natur- und Umweltschutz? Werden die ökologischen Vorrangflächen wirklichin dessen Interesse genutzt, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium jetzt vollmundig verkündet? Dahinter stand ja mal die Idee der EU, von den Landwirten mehr Biodiversität als Gegenleistung für die Erhaltung der Flächenprämien zu verlangen. Das ist gründlich schiefgegangen. Denn Biodiversität macht nicht an derGrenze des Einzelbetriebes halt. Es fehlte von Anfang an die Möglichkeit, jenseits der blanken Prozentzahlen zu einer sinnvollen Erfassung und Vernetzung von Landschaftselementen zu kommen. Verschärfend wirkte sich aus, dass parallel zur Greeningdiskussion die Flächen immer knapper und teurer wurden. Man kann halt nicht alles gleichzeitig haben, Nahrungsmittel, Biogas und Biodiversität. Aus Sicht der Landwirte dagegen gibt es prinzipiell nicht viel zu meckern. Die meisten Betriebe werden mit dem Greening klarkommen und können erleichtert sein, dass es nicht schlimmer gekommen ist. Es sind eher konkrete Details, die irritieren. Die Leguminosen bekommen einen Heiligenschein, den sie gar nicht verdienen, nur weil man mit ihnen vielleicht ein paar Tonnen Importsoja ersetzen kann. Doch für sie und vor allem für die Zwischenfrüchte entsteht immerhin ein größeres Interesse.Da wirkt sich der Zwang zum Greening wirklich positiv aus, weil er zum Nachdenken über neue ackerbauliche Möglichkeiten anregt. Stößt doch die reine Orientierung an der Betriebswirtschaft immer sichtbarer an Grenzen. Um aber Zwischenfrüchte wirklichsinnvoll nutzen zu können und nicht nur als "Prämienfrüchte", brauchen sie eine Andüngung, sofern kein Stroh abgefahren wird. Auch das ist Ergebnis einer politischen "Logik": Wenn schon die Leguminosen gespritzt werden dürfen (weil wir ja für die "Eiweißstrategie" sind), müssen wenigstens die Zwischenfrüchte unbehandelt bleiben. Noch sind die letzten Details nicht geklärt. Aber denken Sie langsam schon mal darüber nach, was Sie 2015 in Ihren Prämienantrag schreiben können und wollen.

 

Thomas Preuße