Besser, aber keine Lösung

 

Schwanzbeißen. Jetzt gilt´s: Ab dem 1. Juli greift der »Aktionsplan Kupierverzicht«. Und das ist erst mal gut. Denn es geht darum, ein Umdenken anzustoßen. Die EU-Kommission erhöht den Druck auf die Mitgliedstaaten, von der flächendeckenden Anwendung einer Ausnahmeregelung wegzukommen. Denn nichs anderes ist die Erlaubnis, 1/3 des Schwanzes von Ferkeln kürzen zu dürfen. Ab sofort muss sich jeder Schweinehalter intensiv mit dem Thema beschäftigen, ausprobieren und bei zunehmendem Erfolg Gruppen unkupierter Tiere halten.

Klar ist aber auch, dass dies nicht ein Prozess ist, an dessen Ende 100 % unkupierte Schweine im Stall stehen. Zwar werden sich Verbesserungen in der Haltung von Schweinen sicher in einem Rückgang des Schwanzbeißens bemerkbar machen. Eine grundlegende Lösung des Problems bedarf aber ganz anderer Wege. Auf dem Kongress der European Pig Producers (EPP) Anfang Juni in Landshut berichtete eine Landwirtin aus Finnland, wo schon seit Jahren »Langschwänze gehalten« werden. Sie ist überzeugt davon, dass es in den heute gängigen Haltungssystemen nicht möglich sei, die wesentlichen Stressfaktoren auszuschalten. Dies ist aber die Voraussetzung, um dauerhaft erfolgreich unkupierte Schweine halten zu können. Dass bei uns der Wechsel zu einem anderen Haltungssystem nicht so einfach ist wie in Finnland, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt. Denn dort kommt viel weniger Druck aus dem internationalen Wettbewerb.

Es ist trotzdem notwendig, die Haltung stetig zu verbessern. Aber dass der »Aktionsplan Kupierverzicht« der Anfang vom Ende der EU-Ausnahmeregelung ist, ist leider nicht zu erwarten.

 

 

Christin Benecke