20.01.2017

Leserbrief. Zeit schinden hilft uns nicht weiter

Foto: DJ Plewka – fotolia.com

Wer die Probleme mit der Nitratbelastung des Grundwasserkörpers in vielen Teilen Deutschlands ernsthaft lösen will, benötigt eine saubere Bestandsaufnahme und eine sinnvolle Prioritätensetzung bei den infrage kommenden Gegenmaßnahmen. An beidem scheint es aber immer wieder zu mangeln. Diesen Eindruck muss man auch gewinnen, wenn man den Bericht in den DLG-Mitteilungen 1/2017 über das DLG Kolloquium vom 6. Dezember 2016 in Berlin liest.

Viele Analysen und Vorschläge sind nur darauf ausgerichtet, "Zeit zu kaufen“. Die Suche nach  technischen und organisatorischen Lösungen gehört auch dazu.
Unstrittig ist in vielen Regionen zu viel Stickstoff im System der Bodenproduktion. Der organische Stickstoff stammt aber nicht nur aus der Tierhaltung sondern in hohem Maße aus vielen Biogasanlagen, die aufgrund falsch gesetzter Rahmenbedingungen überwiegend auch noch in Regionen mit einer bereits starken Tierhaltung und relativer Flächenknappheit errichtet wurden. Die meisten Biogasanlagen und auch Tierhaltungsanlagen für Rind und Schwein weisen viel zu geringe Lagerkapazitäten auf. Der organische Stickstoff wird im Herbst entgegen gesetzlicher Vorgaben der Dünge-Verordnung vergeudet, so dass im Frühjahr oft sehr viel mineralischer Stickstoff zugekauft wird.

Der Export von organischem Stickstoff funktioniert nur dort befriedigend, wo die Transportwürdigkeit gegeben ist wie bei Geflügelmist (sofern er nicht am Entstehungsort verflüssigt wird) oder wenn bei der Strom- bzw. Fleischerzeugung genügend Geld verdient wird, um die Entsorgungskosten zu tragen. Letzteres ist bei Rinder-, Schweine- und Biogasgülle oft nicht der Fall, so das der besonders anspruchslose, sehr ertragreiche, aber standfeste Mais nicht selten für die Nährstoffentsorgung im Frühjahr „missbraucht“ wird.

Düngeverhalten der Landwirte ist stark gewohnheitsmäßiges Verhalten und sehr häufig auf Höchsterträge ausgerichtet, die aber aufgrund einer ungünstigen Niederschlagsverteilung längst nicht immer erreicht werden. Auch die Nährstoffnachlieferung der leichten Böden wird nach jahrzehntelanger organischer Düngung oft unterschätzt. Hier kann und muss auch in Zukunft Beratung ansetzen. Ausreichende Lagerkapazitäten sollten über große, wegen der staatlichen Versäumnisse auch öffentlich bezuschusste Investitionen geschaffen werden, während massiv rechtswidriges Verhalten nur über gezielte und risikoorientierte Kontrollen mit harten Sanktionen abgestellt werden kann.

A. Krämer, Meppen

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