Krieg in der Ukraine und die Folgen für die Agrarmärkte

Die Eskalation des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine hat die Agrarmärkte geschockt. Ob Weizen, Mais oder Raps: An den Terminmärkten in Paris, Chicago oder Winnipeg sprangen die Notierungen am Donnerstag stark in die Höhe. Doch die im Tagesvergleich verzeichneten Zugewinne von einigen Prozentpunkten sind nur die eine Seite. Die andere ist die enorm hohe Schwankungsbreite vor allem beim Raps: In Paris bewegte sich der alterntige Maikontrakt für zwischen 762 und 832 €/t (der Schlusskurs lag 2 €/t über dem Tagestief).  Für den neuerntigen Augustkontrakt schlugen sogar Preisbewegungen zwischen 666 und 750 €/t zu Buche (Schlusskurs 1/€ über dem Tagestief).

Raps: Ukraine ist wichtiger Lieferant. In der noch höheren Schwankungsbreite für den Kontrakt der neuen Ernte spiegelt sich die Frage nach der Versorgungssicherheit der EU in der kommenden Saison 2022/23. Für die EU war die  Ukraine in der Vergangenheit eine der größten Herkünfte von Raps. Über den Daumen gepeilt zwischen einem Drittel und 45 % der EU-Importe stammten in den vergangenen Wirtschaftsjahren von dort. Dass die Ukraine den allergrößten Teil ihrer Rapssaatexporte von Juli bis Dezember tätigt, erklärt die (vergleichsweise) niedrigeren Schwankungen  für Ware aus der Ernte 2021.

Nicht nur bei Rapssaat ist die Ukraine für die EU ein wichtiger Lieferant. Während der vergangenen Jahre bezog die Staatengemeinschaft zwischen 45 und 65 % (entsprechend 8 beziehungsweise 16 Mio. t) ihrer EU-Maiseinfuhren aus der Ukraine. Beim Sonnenblumenöl beziehen die EU-Abnehmer fast 90 % ihrer Importe von zuletzt 1,5 Mio. bis 2,0 Mio. t aus der Ukraine. Die militärischen Aktionen Russlands in der Ukraine sorgen für Ungewissheit über die zukünftigen Exportmöglichkeiten des betroffenen Landes.

Die Ukraine ist aber nicht nur für die EU als Lieferant von Bedeutung. Auch international findet sich der Schwarzmeerstaat gleich bei einer ganzen Reihe pflanzlicher Erzeugnisse unter den größten Anbietern. Gemäß der Statistik des US-Agrarministeriums war die Ukraine in der Saison 2021/22:  

- weltgrößter Exporteur von Sonnenblumenschrot (Menge: 4,4 Mio. t, Marktanteil 54 %)

- größter Anbieter von Sonnenblumenöl (5,3 Mio. t, 47 %)

- drittgrößter Rapssaatexporteuer (2,4 Mio. t, 13 %)

- drittgrößter Maisexporteur (24 Mio. t,  14 %)

- viertgrößter Gerstenexporteur (4 Mio. t, 12 %)

- fünftgrößter Weizenexporteuer (17 Mio. t, 8%)

So groß die Bedeutung der Ukraine als Herkunft für die EU bei einzelnen Produkten auch sein mag: Insgesamt ist die Ukraine ein kleiner Handelspartner im Bereich Agrarerzeugnisse. In der Handelsstatistik der EU-Kommission für das Jahr 2020 findet sich die Ukraine unter den (wertmäßig) größten Importherkünften auf Platz 4 (entsprechend einem Anteil von 4,9 %) wieder, und als Abnehmer auf Position 14 (entsprechend 1,6 %). Der Wert der agrarwirtschaftlichen Importe überstieg mit 6 Mrd. € den der Importe um das doppelte. Rund 70 % des Importwertes entfällt auf Rapssaat, Sonnenblumenöl und Mais.

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