Agrarpreise. Ein Feuerwerk wie zuletzt 2008

An den internationalen Agrarmärkten lässt sich derzeit ein Kursfeuerwerk sondergleichen verfolgen. Beispiele gefällig?

  • Die Rapsnotierungen in Paris und Winnipeg liegen auf Allzeithoch,
  • Weizen und Mais erlösen in Paris und Chicago so viel wie zuletzt 2013, 
  • das Gleiche gilt für Sojabohnen in den USA, das Palmöl in Malaysia ist so teuer wie noch nie.

Getreide und Ölsaaten notieren nicht erst seit  Jahresbeginn fester, und fallende Preise waren ohnehin nicht absehbar. Doch der Mitte April erfolgte »Tritt aufs Gaspedal« an den Börsen kam für alle Marktbeobachter (und damit auch die DLG-Mitteilungen) wie aus dem Nichts. Wie lassen sich im Rückblick die nochmaligen, bereits von hohen Niveaus aus erfolgten Preissprünge erklären? Und was könnte die Preise einbrechen lassen? 

Das »große ABC« bestimmt den Getreide- und Ölsaatenmarkt. Gemeint sind die Entwicklungen in Amerika, Brasilien und China. In Amerika (womit Nordamerika gemeint ist), gibt es zwei Entwicklungen, die nicht miteinander verknüpft sind. 
Da wäre einerseits der Rapsmarkt in Kanada. Das Land ist der weltgrößte Rapsanbieter. Obwohl die Erntemenge 2020/21 zum dritten Mal in Folge schrumpfte, wachsen die Exporte weiter – vor allem wegen der Nachfrage aus der EU. Das war nur möglich, weil Kanada seit 2018/19 von überdurchschnittlich hohen Vorräten zehrte. Doch die gibt es nicht mehr – und die EU fragt stetig weiter Raps nach. Nur über steigende Inlandspreise kann Kanada die eigene Versorgung bis zum Beginn der neuen Ernte im Herbst sichern. Bei Redaktionsschluss lag die Notierung bei umgerechnet 593 €/t.

Soja gegen Mais. Andererseits ist in den USA »der Kampf um die Fläche« zwischen der Sojabohne und dem Mais in vollem Gange. Ende März legte das Preisverhältnis beider Kulturen nahe, dass die Sojabohne die wirtschaftlich attraktivere Frucht ist. Seitdem hat sich die Lage deutlich zugunsten von Mais verschoben, und das bei weiter steigenden Kursen für beide Kulturen. 
Die Unterstützung für den Mais kommt vor allem aus Brasilien. Fortgesetzt trockene Witterung lässt Fragen über den Umfang der zweiten Maisernte aufkommen – und damit über das Exportpotential des südamerikanischen Landes. Als »Nebeneffekt«  ziehen steigende Maispreise auch die Notierungen für den Weizen mit nach oben: Weniger Mais bedeutet, dass mehr Weizen in die Fütterung fließt. 
Und damit wären wir bei »C« wie China. Überspitzt gesagt saugt China auf, was »Amerika« und Brasilien exportieren. Chinas steigender Import­bebedarf an Getreide- und Ölsaaten zehrt an den Beständen in Nord- und Südamerika. Zu all dem kommen noch preistreibende Sorgen über die Palmölproduktion 2021 in Malaysia. 

Für die kommenden Monate gilt: Futter bleibt 
mindestens teuer, Getreide allenfalls hochpreisig. 

Wann kommt der Kater? Bei Getreide- und Ölsaaten hat sich eine riesige Preiswelle aufgebaut, die sich langsam vorwärts bewegt. Richtung der neuen Ernten verliert sie etwas an Höhe, von einbrechenden oder »schlechten« Preisen kann aber keine Rede sein. 
Bei Mais und Weizen hat das Wetter entscheidend zur jüngsten Preisrallye beigetragen. Und gute Witterung mit ausreichend Niederschlägen in Nord- und (vor allem) Südamerika kann den Aufwärtstrend beenden. Die Folge wäre eine Preiskorrektur, aber kein Einbruch. Aber gutes Wetter (sprich Regen) ist nicht in Sicht, und je länger die Situation anhält, desto irreparabler werden die Schäden. Das »schlechteste« Szenario für Ackerbauern aus heutiger Sicht ist eine Rekordmaisernte in den USA und eine gute russische Weizenernte. Das könnte die Preise tatsächlich korrigieren, aber sie werden auch dann nicht einbrechen. Damit ist für Tierhalter auch schon das beste Szenario beschrieben. Und wenn nicht? Dann zündet im Herbst ein neues Feuerwerk. Egal wie es ausgeht: Futter bleibt mindestens teuer, Getreide allenfalls hochpreisig. 
Beim Rapsmarkt wiederum kann auch das Wetter kaum etwas bewegen. Der Weltrapsmarkt steuert 2021/22 auf das dritte Angebotsdefizit in Folge zu. Allerdings gibt es diesmal keine Vorräte in Kanada, die über diesen Umstand hinwegtäuschen können.  

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