Wer A sagt, muss auch B sagen.

 

Die Reaktion vieler Tierhalter auf die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Wirtschaftsdüngergesetzgebung lässt sich wahrscheinlich am besten mit einem Wort beschreiben: Ratlosigkeit. Mit der bevorstehenden Novellierung der Düngeverordnung rollt (erneut) ein dicker Brocken auf sie zu. Lange wurde darüber diskutiert und verhandelt. Zum Ende des Jahres wird es jetzt ernst, denn die EU-Kommission sitzt der Bundesregierung mit einem Vertragsverletzungsverfahren im Nacken.

Dabei könnte in der Theorie doch alles so einfach sein. Denn für die (zu Recht) kritisierten hohen  Nährstoffüberschüsse in den Veredlungshochburgen gibt es durchaus pragmatische Lösungsansätze.

•  Viele Ackerbaubetriebe (vor allem im Osten Deutschlands) würden die Gülle der Veredlungsbetriebe sehr gern auf ihren Flächen unterbringen. So mancher hat daher z. B. schon über den Bau eines eigenen Güllelagers nachgedacht. Das kann durchaus wirtschaftlich sein. Doch leider gibt es bei dieser Lösung wie so oft Hürden, die man auf den ersten Blick nicht sieht. So wollen viele Gemeinden einen »Gülletourismus« vermeiden, weshalb die Genehmigungsbehörden derartige Bauvorhaben ausbremsen.

•  Ein weiterer Ansatz ist z. B. eine Betriebskooperation von Veredlern und Ackerbauern. Letztere könnten  wachstumswilligen Tierhaltern die Fläche für den Bau eines Stalles zur Verfügung stellen und im Gegenzug Futterliefer- und/oder Gülleabnahmeverträge mit ihnen abschließen. Allerdings kommt solch einem Konstrukt inzwischen das Baugesetzbuch in die Quere, das im vergangenen Jahr novelliert wurde. Darin ist vorgeschrieben, dass der Tierhalter je nach Anzahl an Mastplätzen bzw. GV-Einheiten über einen bestimmten Anteil eigener Futterflächen verfügen muss. Somit muss er selbst auf dem Pachtmarkt aktiv werden. Aber welcher Ackerbauer will das schon?

Darüber hinaus sollen auch die Anforderungen an JGS-Anlagen (Jauche, Gülle, Silagesickersaft) verschärft werden. Güllebehälter müssen künftig mit einem Leckageerkennungssystem ausgestattet sein. Das kostet natürlich Geld, was die schwierige Situation der Tierhalter weiter zuspitzt. All diese Punkte heizen den  Strukturwandel durch die steigenden Kosten, die auf die Landwirte zukommen, weiter an. Fragt sich nur, wie vor allem der Wunsch nach mehr »bäuerlichen Familienbetrieben«, der von vielen Politikern gern als Leitbild für die agrarstrukturelle Entwicklung geäußert wird, in dieses Bild passt. Gerade für sie wird es extrem schwer, diese Herausforderungen zu stemmen. Mehr Umweltschutz ohne Strukturwandel? Das funktioniert nicht, zumindest nicht ohne staatliche Unterstützung.