23.03.2018

Nässe. Das können Sie jetzt tun

Foto: Rutt

Auf vielen nassen Äckern weiß man gar nicht, womit man anfangen soll – oberflächennahe Bodenbearbeitung, Verdichtungen tief aufreißen oder düngen? Egal, was Sie machen, erst muss der Boden trocken sein, sagt Ute Kropf.

Schnell gelesen:

  • Ende März und den Ackerbauern juckt es in den Fingern, endlich auf den Acker zu kommen. Aber das gab es bisher noch kaum: Übernasse Böden fast überall in Deutschland.
  • Für die Pflanzen bedeutet das ein schlecht ausgebildetes Wurzelsystem.
  • Bessere Voraussetzungen für die Bodenerwärmung, eine angepasste Düngung und einen guten Wurzelraum für Sommerkulturen zu schaffen, sind Maßnahmen die Sie jetzt im Frühjahr angehen sollten.

Ende März und den Ackerbauern juckt es in den Fingern, endlich auf den Acker zu kommen. Aber fast im ganzen Land sind die Böden übernass. Einzige Ausnahme, was die Durchnässung angeht, sind begnadete Standorte auf den ostdeutschen Lössböden und in der Rheinebene. Eine vergleichbare Wetterkonstellation sucht in diesem Ausmaß ihresgleichen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Vor allem in Norddeutschland haben schon seit 2011 überwiegend niederschlagreiche Sommer und fünf mild-nasse Winter ihre Spuren hinterlassen. Tiefreichende Verdichtungen und Erntespuren lassen das Wasser auf den Flächen nicht mehr ablaufen. Daran haben auch defekte Drainagen und ungepflegte Vorfluter ihren Anteil. Ohne Winterfröste, die die Schadverdichtungen aufbrechen, und ohne trockene Sommergare, die eine tiefe Bodenbearbeitung als Reparaturmaßnahme ermöglicht, waren die Strukturschäden bislang nicht zu beseitigen.

Während der Raps Ende August noch einigermaßen trocken gesät werden konnte, litt die Aussaat des Wintergetreides in Norddeutschland meist unter faulen Kompromissen. Viele Wintergetreideflächen konnten gar nicht mehr bestellt werden. Die aufgelaufenen Bestände wurzeln seither in einer mehr oder weniger nassen Krume. Gerade in den ersten Wochen nach der Keimung steckt die Pflanze mehr Energie in den schnellen Wurzeltiefgang und die gute Verzweigung als in die oberirdische Entwicklung. Wurzeln brauchen aber Sauerstoff zur Atmung, und der ist in wassergesättigtem Boden Mangelware. Die Wurzeln bleiben kurz und schlecht verzweigt. Eine entgangene Wurzelentwicklung kann die Pflanze im Langtag im Frühjahr nicht mehr nachholen. Hieraus ergeben sich in diesem Jahr drei wesentliche Probleme:

  • Die Nährstoffaufnahme muss von einem schlecht ausgebildeten Wurzelsystem mit wenig Tiefgang geleistet werden.
  • Erwärmung und Nährstoffdynamik sind in den nasskalten und nach der Abtrocknung verkrusteten Böden stark eingeschränkt.
  • Schlecht bewurzelte Bestände leiden früher unter Trockenheit.

Bislang durften wir »Wurzelmangel« und kalte Böden durch eine erhöhte Andüngung ausgleichen. Auch die Gesamt-N-Menge konnten Ackerbauern erhöhen, wenn die wenigen und vor allem viel zu kurzen Wurzeln die tiefer liegenden Nährstoffe gar nicht erreichen. Im Zuge der novellierten Düngeverordnung ist das nicht mehr möglich. Im Gegenteil: In Anbetracht der geringeren Ertragserwartungen müssen Sie die N-Mengen sogar noch reduzieren!

Maßnahme 1: Voraussetzungen für die Erwärmung des Bodens verbessern. Eine Möglichkeit, Abtrocknung und Erwärmung des Bodens unter Wintergetreide zu verbessern, ist der Einsatz des Striegels. Gerade Böden mit einem hohen Schluff- und Feinerdeanteil sind aufgeschwemmt und bilden eine oberflächige Kruste. Diese lässt sich z.B. mit einer Cambridgewalze oder einem Striegel aufbrechen. Voraussetzung ist jedoch, dass sich das Getreide noch in der Bestockung befindet und der Vegetationskegel geschützt unter der Erdoberfläche liegt. Im Raps hat man durch die exponierte Lage des Vegetationskegels keine Möglichkeit, den Boden zu bearbeiten.
Durch die zügigere Erwärmung kommt die mikrobielle Aktivität schneller in Gang. Bakterien, die für die Stickstoff- und Schwefelmobilisation verantwortlich sind, brauchen – wie die Wurzeln – einen ausgewogenen Wasser- und Sauerstoffhaushalt im Boden. Zusammen mit der Wärme kommt somit die Nachlieferung aus der organischen Reserve des Bodens früher an den Wurzeln an.
Auch wenn keine Bodenkruste aufzubrechen ist, kann Striegeln oder Walzen des Getreides von Vorteil sein, weil das Brechen der apikalen Dominanz einen Hormonschub in der Pflanze auslöst. Es kommt zur vermehrten Bildung von Cytokininen in der Wurzel: Die regen Wachstum und Verzweigung der Wurzel an und damit auch das oberirdische Wachstum. Da sie gleichzeitig die Auxinsynthese vermindern, begünstigt das Walzen vor allem die Entwicklung der Nebentriebe, während Striegeln zusätzlich die Bestockung in den dünnen Beständen anregt.

Maßnahme 2: Düngung anpassen. Solange der Boden noch keinen Stickstoff und Schwefel nachliefert, muss die Pflanze durch Düngung ernährt werden. Sind  die Blätter noch intakt, können Sie den Bestand eventuell über eine Blattdüngung in Gang bringen.
Wichtig: Flüssigdünger sollten neben Stickstoff auch Schwefel enthalten. Raps benötigt 1 kg Schwefel je ha, um 5 kg Stickstoff je ha umsetzen zu können. Von Vegetations- bis Blühbeginn nimmt ein Bestand bis zu 140 kg N/ha auf, was einem Schwefelbedarf von 30 kg/ha entspricht. Auch Getreide benötigt ein Siebtel der Stickstoffmenge an Schwefel. Diesen sollten Sie in voller Höhe mit der Startgabe ausbringen.
Bleiben die Böden nass und kalt, wird eine frühe Befahrbarkeit nicht möglich sein. In diesem Fall muss wenigstens ein Drittel bis zur Hälfte der Startgabe als Nitrat fallen. Die Startgabe kann in diesem Jahr auch um 20 bis 30 kg N/ha höher ausfallen, um die N-Verdünnung durch Bodenwasser und die schlechte Wurzelentwicklung zu kompensieren. Damit die N-Bilanz wieder stimmt, müssen Sie die späteren Gaben entsprechend reduzieren.
Ist der pH-Wert zu niedrig, sollten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Calcium achten. Der Ca-Bedarf kann durch schnell wirksame Kalke (z.B. Granukal) gedeckt werden. Auch nitrathaltige Stickstoffdünger haben eine geringere kalkzehrende Wirkung. Um die nässegeschädigten Bestände anzuschieben und mit  frischem Phosphor und Kalium sowie anderen erforderlichen Begleitnährstoffen (S, Mg oder B) früh zu versorgen, eignen sich nitrathaltige Volldünger.

Maßnahme 3: Einen guten Wurzelraum für die Sommerkulturen schaffen. Insbesondere schwere Böden werden nur sehr langsam abtrocknen. Kann das Wasser nicht nach unten abziehen, muss der Boden von oben her abtrocknen. Die Verdunstung lag im Januar unter 0,5 mm pro Tag. Das sind nur 15 mm im Monat. Im März werden im Schnitt 1 mm pro Tag, also rund 30 mm Verdunstung erreicht. Regnet es weiter, trocknen die Böden nur langsam ab.
Für die Bodenbearbeitung zur Sommerung sollten Sie leichte Böden wenigstens eine Woche, schwere Böden eher zwei Wochen in der Krume auf 70% der nutzbaren Feldkapazität (nFK) abtrocknen lassen. Nassen Boden zu bearbeiten oder gar zu bestellen, wirkt sich auf Sommerkulturen stärker ertragsmindernd aus als auf Winterfrüchte. Im Frühjahr zu warten hätte den Vorteil, dass die Tage wärmer werden. Aber: Bei späterer Aussaat bestocken sich die Getreidepflanzen im Langtag nicht so stark, was Sie wiederum durch eine höhere Saatstärke ausgleichen können.
Da auf einigen Flächen zwischen den tiefen Spuren noch Maisstoppeln stehen, sind viele Kollegen geneigt, mit dem Pflug »reinen Tisch« zu machen. Die dann meist nur halb umgedrehten Ernterückstände behindern die Wurzelentwicklung der -Folgekultur. An den oben liegenden-, kranken Stoppeln bilden sich trotzdem verstärkt Sporen, die das folgende Sommergetreide oder den Mais infizieren. Neben den typischen Maiskrankheiten (z.B. Kabatiella) können sich Fusarien somit massiv ausbreiten. Zur Beseitigung der Erntespuren ist eine tiefe Furche notwendig. Ist die Krume nicht durchgetrocknet, schmiert der Pflug im feuchten Boden. Außerdem wird der im Herbst verdichtete Boden nur nach unten gedreht. Ist der Boden nass und nicht schüttfähig, sollte eine Pflugfurche unbedingt unterbleiben.

Sommerkulturen haben den höchsten Anspruch an eine gut durchwurzelbare Krume und an einen störungsfreien Zugang zum Unterboden, da der Langtag das Längenwachstum begünstigt und weniger die Bestockung. Wichtig ist eine intakte Porenkontinuität, damit die Wurzeln schnell in die Tiefe vordringen können. Trocknet der Boden ab, wachsen sie dem abziehenden Bodenwasser hinterher. Bleibt es trocken, versorgen sich die Pflanzen durch kapillaren Aufstieg mit Wasser und Nährstoffen. Hohlräume dürfen aber auch nicht vorhanden sein. Wurzeln benötigen den Bodenkontakt und nach unten offene Poren. Um eine vertikale Durchporung zu erhalten, ist es erforderlich, den Boden in mehreren Schritten von Störhorizonten zu befreien und zu mischen. Abschließend sollten Sie die Kontinuität der Poren durch Rückverfestigung wiederherstellen. Zur Planung des Arbeitsablaufes bis zur Aussaat empfiehlt es sich, folgende Punkte zu klären:

Sind noch Ernterückstände auf der Fläche? Ernterückstände müssen zerkleinert werden, um sie mit den nächsten Bodenbearbeitungsgängen in die Krume einmischen zu können. Pflügen Sie Zwischenfruchtmatten oder Maisstoppeln keinesfalls direkt um, sondern mulchen Sie die zuerst. Die Stoppeln belüften den Boden und dienen als Regenwurmfutter. Schnell zersetzbare Zwischenfrüchte liefern der Folgekultur zusätzlich Nährstoffe.

Müssen Sie organische Dünger ausbringen, sollten Sie dies nach dem Mulchen vor der Bodenbearbeitung tun. Bedenken Sie die Einarbeitungspflicht innerhalb von vier Stunden auf unbestelltem Land. Um unnötiges Befahren zu vermeiden, ist es ratsam, Ausbringung und Einarbeitung zu kombinieren (z.B. Güllegrubber), sofern die technischen Möglichkeiten vorhanden sind oder gemietet werden können.

Generell gilt: Arbeiten nur im trockenen Boden. Eingriffe in nasse Horizonte, vor allem mit stumpfen Scharen, führen zu Schmierschichten, die die Wurzeln nicht durchdringen können. Da der Boden von oben abtrocknen wird, muss man stufenweise arbeiten, um die Abtrocknung zu beschleunigen. Jeder Arbeitsgang sollte tiefer sein als der vorherige. Vorher zerkleinerte Ernterückstände werden dabei immer weiter eingemischt. Gleichzeitig wird die durch  Regen verlagerte Feinerde wieder in der gesamten Krume verteilt. Auf krümelfähigen Böden können Sie beim ersten Arbeitsgang auch ohne Nachläufer arbeiten, damit der gelockerte Boden und die darunterliegende Schicht schneller ablüften.

Welche Geräteausstattung kommt in Betracht? Für flache und mischende Arbeitsgänge eignen sich neben breiteren Grubberscharen (notfalls Flügelschare) auch Scheibeneggen, solange die Scheiben nicht verschlissen sind. Je tiefer man arbeitet und je schwerer der Boden ist, desto eher sind schmalere Schare angebracht. Bevor Sie mit der Bodenbearbeitung beginnen, kann der Spaten Aufschluss über die Tiefe der Verdichtungen geben. Ist nur die Pflugsohle aufzubrechen, können Sie diese bei entsprechender Abtrocknung unterfahren. Sitzen die Verdichtungen tiefer, sollten Sie tiefwurzelnde Früchte in eine mehrjährige Sanierung unter trockenen Bedingungen einbeziehen.
Es ist ratsam, bei jedem Arbeitsgang zu prüfen, ob durch den Kontakt zwischen Boden und Werkzeug Schmierschichten entstehen. Häufigste Ursachen dafür sind tiefes Arbeiten im nassen Boden und stumpfe Werkzeuge. Abhilfe bringt ein flacheres Arbeiten bzw. das Wechseln der Schare. Auf tonigen Böden ist es schwieriger, ohne Schmieren auszukommen. Langfristig können Sie dort versuchen, ob sich die Krümelfähigkeit z.B. durch eine Anhebung des pH-Wertes bzw. durch freien Kalk verbessern lässt.
Nach einer zwangsläufigen Überlockerung des Bodens ist es wichtig, die Porenkontinuität durch den Nachläufer wiederherzustellen. Das ist die Aufgabe des letzten tiefen Arbeitsganges. Ein schmaler und tief einschneidender vorderer Nachläufer muss zunächst die tiefen Hohlräume beseitigen. Diese Aufgabe wird bislang von der bestehenden Technik unzureichend gelöst. Auf leichten bis mittleren Böden eignet sich eine STS-Walze, aber auf schweren Böden laufen die zu leichten Nachläufer über die Schollen hinweg. Der hintere Teil der Nachläufereinheit kann schneidend oder krümelnd sein, um das Saatbett vorzubereiten.
Verlangt die Sommerkultur ein perfektes Saatbett, kann der letzte tiefe Grubbergang auch durch eine Pflugfurche ersetzt werden. In diesem Fall sorgt ein Ringpacker für die tiefe Rückverfestigung.

Fazit. Ohne die natürlichen Reparaturmechanismen der Winter- und Sommergare muss der Wurzelraum durch situationsgerechte Bodenbearbeitung sichergestellt werden. Ernterückstände, Tätigkeit der Regenwürmer und überwiegend vertikal arbeitende Werkzeuge stellen eine Porenkontinuität her. Durchgehende Porenkanäle sichern die Dränfähigkeit, den kapillaren Aufstieg und die Durchwurzelung des Bodens. Damit verbessert und stabilisiert sich nicht nur die Ertragsleistung, sondern auch die Tragfähigkeit der Krume bei Nässe steigt deutlich an.

Dr. Ute Kropf, Fachbereich Agrarwirtschaft, Fachhochschule Kiel

Aus DLG-Mitteilungen 3/2018. Den vollständigen Beitrag finden Sie hier.

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