Zielkonflikte

 

Klimaschutz. Landwirtschaftlich genutzte Böden in Deutschland binden aktuell rund 2,5 Mrd. t organischen Kohlenstoff. Damit übertreffen sie im Durchschnitt sogar etwas die Corg-Vorräte unserer Waldböden. Dieses überraschende Ergebnis liefert der erste Bodenzustandsbericht der Bundesregierung, der pünktlich zum 16. Weltbodentag vorgestellt wurde. Die Daten belegen, dass Landwirte einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Was für eine erfreuliche Nachricht!

Allzu euphorisch sollte man allerdings nicht gleich werden. Je nach Standort und Zufuhr an organischer Substanz lassen Modellrechnungen nämlich für manche Ackerböden eine Abnahme des Humusgehaltes innerhalb der kommenden zehn Jahre befürchten. Und das ruft natürlich die Politik auf den Plan. Bereits bei der Vorstellung des Berichtes betonte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, es gebe keinen Grund »zum Zurücklehnen«. Im Gegenteil. Der Landwirtschaft komme eine große Verantwortung beim Klimaschutz zu. Dementsprechend will das BMEL den Bericht als eine wesentliche Grundlage für die weitere Bodenschutz und Klimapolitik nutzen. Mögliche Ansatzpunkte für den Erhalt und den Aufbau von Humus liefern die Wissenschaftler des Thünen-Instituts. Dazu gehören z. B. die organische Düngung oder der Verbleib von Ernteresten auf dem Feld. Dabei sind allerdings Zielkonflikte beispielsweise mit der Düngeverordnung programmiert. Letztere lässt den Landwirten recht wenig Spielraum für den Humusaufbau. Denn eine positive Humusbilanz führt meist unwillkürlich zu Problemen bei der Nährstoffbilanz. Gesucht ist also mal wieder die Quadratur des Kreises.

Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen bei neuen politischen Vorgaben dieses Dilemma im Blick haben.

 

Katrin Rutt