Mehr Realismus, bitte!

 

Umweltpläne. »Wir machen weiter«: Unter diesem Motto stellen derzeit Landwirte ihre Arbeit ins Licht der Öffentlichkeit. Sie können dies mit gutem Gewissen tun, sie liefern.

Aber auch andere machen weiter. Zum Beispiel die EU-Kommission mit ihrem (wenn auch verschobenen) »green deal«. Mit ihm verbunden ist zum Beispiel das Ziel, den chemischen Pflanzenschutz herunterzufahren. Immer wieder ist dabei die Rede von 50 %. Auch die Pläne einzelner Bundesländer gehen in diese Richtung.

Wie soll die Landwirtschaft dann noch liefern? Bei 50 % müsste, das zeigen zum Beispiel Überlegungen in Frankreich, beginnend mit den Fruchtfolgen der gesamte Ackerbau grundlegend verändert werden. Ein solches System »knapp vor Ökolandbau« ist natürlich möglich. Wenn keine höheren Produktpreise oder neue Subventionen in Aussicht sind, wird es aber nur unter Zwang umgesetzt und dann schnell zur ökonomischen Existenzfrage. Die in der Politik so beliebten »Rezepte« Digitalisierung oder Biologicals sind kein Ausweg. Zumindest für den Ackerbau zeigen die bisherigen Versuche, dass bis zur Praxisreife noch viel Forschung notwendig ist.

Ein mittelfristiges Reduktionsziel im Bereich von 30 % erscheint deshalb realistischer. Auf diesem Wege sind viele Landwirte mit mechanischer Unkrautbekämpfung oder Sortenresistenzen ja bereits. Ein solcher »Integrierter Pflanzenschutz« ist ebenfalls eine Herausforderung, doch hier ist in der Praxis noch viel Luft nach oben.

Umweltpläne sind durch Corona nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Die »Zwangspause« sollte eine Gelegenheit für mehr Realismus sein. Die Erfolgsaussichten wären größer.

 

Thomas Preuße