Nährstoffkreislauf. Den gesamten Betrieb optimieren

Die Umwelt- und Düngegesetzgebung setzt Schweinehalter verschärft unter Druck. Insbesondere die Vorgaben der Stoffstrombilanzverordnung haben weitreichende praktische Konsequenzen für die Betriebe. Wie gut die aktuellen Vorgaben in der Praxis tatsächlich eingehalten werden können und welche Stellschrauben es gibt, um die N- und P-Salden zu reduzieren, wurde in dem Projekt »demonstration farms« der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hinterfragt. Betrachtet wurden die Nährstoffflüsse typischer Schweinebetriebe in Bayern.

Die Auswertung der einzelnen Nährstoffpfade bei Zu- und Verkauf auf gesamtbetrieblicher Ebene zeigte jährlich wiederkehrende Schwerpunkte. In der Grafik sind sie beispielhaft dargestellt als Nährstofffrachten in Prozent der gesamten Sticksoff-In- bzw. Output-Mengen. Berücksichtigt wurden die Ergebnisse von zehn Schweinemästern und sechs Ferkelerzeugern mit flächengebundener Tierhaltung.

Für die Bewertung der Ergebnisse lohnt ein Blick auf den Tierbesatz bzw. die Intensität der Nährstoffkreisläufe der Betriebe: Ferkelerzeuger hatten im Schnitt einen Brutto-N-Anfall von 144 kg N (107 kg N nach Abzug von 20 % Stall-/Lagerverlusten sowie Gülleabgabe) und die Betriebe mit Schweinemast durchschnittlich 193 kg N (129 kg N nach Abzug von 20 % Stall-/Lagerverlusten sowie Gülleabgabe) pro ha LN. Der Tierbesatz je ha ist somit für bayerische Veredelungsbetriebe als moderat einzuschätzen.

Bei den am Projekt beteiligten Betrieben stellte der Futtermittelzukauf den größten Stickstoff-Input dar. In den drei erfassten Wirtschaftsjahren lag der Anteil bei durchschnittlich 56,5 %. Bei einzelnen Betrieben waren es sogar bis zu 74 % des Gesamt-Stickstoff-Inputs.

Auf der Output-Seite stellte der Tierverkauf, in dem auch die Tierverluste enthalten sind, die größte Einzelposition dar. Er lag im dreijährigen Schnitt bei 69,2 %. Die Abgabe organischer Wirtschaftsdünger spielte im Projektzeitraum bei den erfassten Betrieben eine untergeordnete Rolle, jedoch erhöhte er sich im Schnitt über alle Betriebe von 4,1 auf 9,4 % im Laufe des Projekts. Der Anteil verkaufter Ernteprodukte schwankt je nach Tierbesatz pro ha, Fruchtfolge und Ernteertrag. Er spielte bei den tierintensiven Projektbetrieben eine nachrangige Rolle.

Einzelbetriebliche Standortbedingungen sind maßgeblich. Die Projektergebnisse zeigen deutlich: Betriebe in Gunstlagen mit hohen Erträgen haben einen Vorteil gegenüber solchen auf ertragsschwächeren Standorten. Sie können bereits jetzt die geforderten Bilanzsalden leichter einhalten. Unterschiedlichste Standortbedingungen und der Klimawandel mit zunehmenden Extremwetterereignissen einschließlich häufig wiederkehrender Dürreperioden (einkalkuliertes, aber durch Trockenheit fehlendes Getreide muss durch Zukaufware ersetzt werden) machen daher standortangepasste Landnutzungssysteme im Pflanzenbau und eine darauf abgestimmte Tierhaltung notwendig. Betriebe müssen stärker als bisher durch eine differenzierte Strategie für ihren Standort das optimale Produktionsverfahren finden, um so ihre innerbetrieblichen Stoffkreisläufe stabil halten zu können. Hier ist beispielsweise in niederschlagsarmen Regionen der Anbau von Roggen oder auch Körnerhirse eine Möglichkeit, rohproteinärmeres Futter zu erzeugen, wenn die Niederschläge für den Weizen- oder Maisanbau begrenzend wirken.

Eva-Maria Brunlehner, Prof. Dr. Hubert Spiekers, Bayerische Landesanstalt fürLandwirtschaft, Grub und Prof. Dr. Stephan Schneider, HfWU Nürtingen-Geislingen

Aus DLG-Mitteilungen 6/2022. Den vollständigen Artikel als pdf finden Sie hier.

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