Nutztierhaltung. »Tierfrei« ist ineffizient
Eine Abschaffung der Nutztierhaltung würde die Nahrungsproduktion ineffizienter machen, nicht nachhaltiger.
Diese These vertrat Prof. Stephan Schneider, Professor für Tierernährung an der Hochschule Nürtingen bei einer Veranstaltung in der Schweiz. Das Kernthema war die Verfügbarkeit pflanzlicher Biomasse. Schneider argumentierte, dass 1970 weltweit pro Person rund 3.800 m2 Ackerfläche zur Verfügung standen. Mittlerweile sind es nur noch 1.700 m2, mit weiter abnehmender Tendenz durch Versiegelung, Erosion und Klimawandel einerseits sowie das Bevölkerungswachstum andererseits. Bei der pflanzlichen Produktion entsteht aber auch immer ein Vielfaches an nicht essbarer Biomasse, z. B. Stroh bei der Weizenproduktion oder die Blätter bei den Zuckerrüben. Schneider zitierte eine Studie, laut der nur 20 % der jährlich produzierten Trockenmasse für die menschliche Ernährung genutzt werden können. In Regionen mit hohem Grünlandanteil sogar eher noch weniger.
»Es ist absolut sinnvoll, im Kreislauf zu denken und die Futtermittel darin komplett zu rezyklieren«, so Schneider. Denn pro kg pflanzlicher Nahrung fallen im Durchschnitt rund 4 kg nicht essbare Biomasse an. Nutztiere, vor allem Kühe, können diese in hochwertige Nahrungsmittel umwandeln.
Schneiders Fazit: Die Frage sei nicht »Tiere oder keine Tiere«, sondern: »Welche Tiere mit welchem Futter«. Eine vegane Landwirtschaft sei weniger effizient als eine Kreislaufwirtschaft, die nicht essbare Biomasse konsequent nutzt. Daher plädierte er für »Teller, Trog und dann erst Tank«.