Regenerativer Ackerbau. Die neue Messlatte und ihre Umsetzung
Die Bestandteile eines zukunftsorientierten Ackerbausystems finden sich im Baukasten der regenerativen Landwirtschaft wieder. Kurt Möller, Maendy Fritz und Carola Pekrun stellen deren Kernelemente zusammen, die sich als wirksam erwiesen haben.
Das Anbausystem »regenerative Landwirtschaft« ist nicht klar definiert und wird sehr unterschiedlich ausgelegt. Häufig werden dabei Methoden propagiert, die in Feldversuchen keine Wirkung gezeigt haben bzw. für die ein Wirksamkeitsnachweis fehlt. Die Praxis braucht somit Hinweise, um eine wissensbasierte regenerative Landwirtschaft umsetzen zu können.
Unter Berücksichtigung verschiedener Zielkonflikte werden dabei die Aspekte Bodenschutz, Ressourceneffizienz, Klimaschutz und Biodiversität sehr stark gewichtet. Ziel ist die Reduktion von Bodenerosion, N-Verlusten, Klimagasemissionen und Pflanzenschutzmitteleinsatz um jeweils 50 % bei gleichzeitiger Förderung der Biodiversität sowie Erhalt des Produktionsniveaus von 90 bis 95 %. Aufgrund der Einsparung von Betriebsmitteln sollen diese Ziele zu einem ebenso guten wirtschaftlichen Ergebnis führen wie bei guter fachlicher Praxis.
Bodenbearbeitung
Vor allem im Bereich der Grundbodenbearbeitung existieren viele Zielkonflikte. In der regenerativen Landwirtschaft wird ein risikoabhängiger Mittelweg mit minimaler Bodenbearbeitung, aber zumindest sporadischer Durchmischung der Oberkrume praktiziert. Stets werden die spezifischen Standortbedingungen (Hangneigung, Bodentextur), die geplante Kulturart und das damit einhergehende Erosionsrisiko berücksichtigt. Insbesondere erosionsanfällige Kulturen (Mais, Zuckerrüben) benötigen ein Mindestmaß von 30 % Bodenbedeckung durch Pflanzenreste oder sonstigen Mulch. Wo möglich, werden nur Teilflächen bearbeitet, z. B. mittels Streifensaat (Strip-Till).
Eine sporadische Tiefenlockerung ist möglich. Sie bricht Verdichtungshorizonte im Unterboden auf, erhöht das Wasserinfiltrationsvermögen (»Regenverdaulichkeit«) und trägt zur schnelleren Erschließung des Unterbodens durch die Wurzeln bei – kombiniert mit dem unmittelbar anschließenden Anbau einer tiefwurzelnden Kultur zur biologischen Stabilisierung.