Anbausysteme. Pragmatismus statt Philosophie
Neue Anbausysteme können deutlich komplexer und unsicherer sein als die traditionellen. Zudem rechtfertigt der Aufwand nicht immer das Ergebnis. Um dies aber im Einzelfall beurteilen zu können, braucht es deutlich mehr Experimente in der Praxis.
Wir brauchen neue Anbausysteme! Eine solche Forderung ist leicht zu begründen. Denn ein produktiver Ackerbau fällt angesichts hoher Düngerpreise, immer weniger verfügbarer Pflanzenschutzmittel oder der mit dem Klimawandel sinkenden Ertragsstabilität nicht vom Himmel. »Produktivitätsgewinne entstehen weniger durch steigenden Inputeinsatz, sondern über Technik, Management und Standort-angepasste Systeme«, heißt es folglich im Ausblick der EU-Kommission bis 2035. Allein die anhaltenden Probleme mit Schadgräsern zeigen, dass vielerorts das System überreizt ist. Und wenn auch der Green Deal in der Versenkung verschwunden ist, so sind doch gesellschaftlich-politische Anforderungen zum Schutz von Klima und Biodiversität nicht aus der Welt.
Brauchen wir wirklich neue Ackerbausysteme? Auch diese Frage ist berechtigt. Die Auswahl passender Kulturarten ist im Zweifel eher kleiner als größer. Zwischenfrüchte kosten wenn nicht immer Wasser, so doch Geld. Dieses aber ist seit ein, zwei Jahren wieder ein kritischer Faktor: Berater gehen davon aus, dass in vielen Ackerbaubetrieben aktuell keine Vollkostendeckung möglich ist. Die Motivation, sich neue Unsicherheiten hereinzuholen, dürfte somit nicht allzu ausgeprägt sein. Gegen die Gräser erwarten wir neue Pflanzenschutzmittel. Klima und Biodiversität sind aus einzelbetrieblich-ökonomischer Sicht oft Randthemen, sofern sich keine Geschäftsmodelle dafür bieten.