Praxis. Guter Ackerbau ist eine Kunst
Teure Betriebsmittel, strenge Umweltauflagen und der Klimawandel engen die Handlungsspielräume im Ackerbau zunehmend ein. Die Basis für wirtschaftlich erfolgreiche und resiliente Anbausysteme ist und bleibt der Fruchtwechsel. Doch wie kann dieser gelingen? Ulrich Lehrke zeigt, wo Sie ansetzen können.
Immer extremere Witterungsbedingungen, die Forderung nach weiterer Pflanzenschutzmittelreduktion, verschärfte Düngeregelungen sowie enorme Kostensteigerungen und niedrige Produktpreise – das sind nur einige von vielen Aspekten, die die aktuelle Situation im Ackerbau prägen und dazu beitragen, dass die Gewinne in diesem Sektor wieder schrumpfen. Viele Betriebe sind daher auf der Suche und herausgefordert, stabile, zukunftsfähige und ertragsstarke Anbausysteme zu schaffen, die eine bessere Wirtschaftlichkeit versprechen und gleichzeitig den verschiedenen Herausforderungen gewachsen sind. Wo können Sie ansetzen?
Die Standortbedingungen lassen sich meist nur in engen Grenzen verbessern. Dazu zählt vor dem Hintergrund der Klimaveränderung vor allem der Ausbau von Beregnungsmöglichkeiten. Dem steigenden Wasserbedarf der Landwirtschaft stehen aber regional oft begrenzte Grundwasserreserven gegenüber. Daher lässt sich der Bedarf nicht überall vollständig decken. Außerdem ist Beregnung teuer und ein Ausbau (sofern überhaupt möglich) mit vielen behördlichen Restriktionen verbunden.
Gesunde, ertragsstarke Sorten haben einen hohen Stellenwert in der Praxis
Der Einsatz neuer Züchtungstechniken wird vermutlich dabei helfen, auch bei schwerwiegenden Problemen wie SBR und Stolbur Abhilfe zu schaffen. Die Nutzung des biologischen Fortschrittes war in den letzten Jahren immer von Vorteil.
Die Intensität der Bodenbearbeitung gehört fortlaufend auf den Prüfstand. Ansätze von Minimalbodenbearbeitung bis hin zur Direktsaat können einen Beitrag zur Kostenreduktion liefern, bergen umgekehrt aber das Risiko größerer Abhängigkeit vom Pflanzenschutz und sind in Teilen auch sehr instabil im Hinblick auf ihre Ertragsfähigkeit.
Anbausysteme mit intensiver Lockerung leisten dagegen wertvolle Beiträge zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln. Außerdem tragen sie dazu bei, den Düngeraufwand zu mindern, indem sie die Nährstoffmobilisierung fördern. Dabei darf jedoch die ausreichende Humusbildung nicht aus dem Blick geraten. Hier spielen vor allem der Zwischenfruchtanbau sowie die organische Düngung eine wichtige Rolle.
Besonders trockene Jahre zeigen auf, wie wichtig eine gute Nährstoffversorgung der Böden ist. Das gilt nicht nur für Stickstoff, sondern auch für Phosphor und Kali. Auch die Technik wie beispielsweise die Unterfußdüngung kann helfen, insbesondere bei Sommerungen die Effizienz der Düngung zu verbessern.
Fruchtfolge - der Schlüssel zum Erfolg
Der Schlüssel zum Erfolg ist und bleibt aber vor allem die Fruchtfolge. Die Anbaustatistik im Ackerbau zeigt sich in den letzten Jahren vergleichsweise stabil. Vor allem wirtschaftliche Aspekt führen dazu, dass der Weizen mit knapp 3 Mio. ha mit geringen witterungsbedingten Schwankungen die dominierende Frucht ist. Regional steht Winterweizen auf vielen Betrieben auf mehr als 50 % der Ackerfläche. Häufig wird er von Raps und durch andere Wintergetreidearten – vornehmlich Wintergerste – flankiert. Die Anbaufläche von Wintergerste wurde zur Aussaat 2025 wieder um etwa 5 % auf etwa 1,3 Mio. ha ausgeweitet – vor allem aufgrund der guten Erträge zur Ernte 2025.
Besonders auf den schweren Standorten, auf denen die Zuckerrüben keine Bedeutung haben, werden vielfach ausschließlich Winterungen angebaut. Diese Dominanz der Winterungen in Verbindung mit pflugloser Bewirtschaftung hat dazu geführt, dass Schadgräser, vor allem Ackerfuchsschwanz und zunehmend auch Weidelgras, häufig zu einem großen Problem geworden sind. Das verursacht hohe Kosten für Herbizide. Durch den Wegfall von Flufenacet, dem aktuell wichtigsten Bodenherbizid (auch in Hinblick auf ein Resistenzmanagement), verschärft sich dieses Problem aktuell noch weiter. Späte Saat sowie der Striegeleinsatz können hier nur begrenzt Abhilfe schaffen. Gleichzeitig ist dieses winterungslastige Anbausystem auch mit Blick auf die Düngung sehr anspruchsvoll. Besonders in den roten Gebieten sind damit aufgrund der Stickstoffbegrenzung hohe Ertragsverluste vorprogrammiert.
Etwas entspannter ist die Situation in den Bördelagen, in denen der Zuckerrübenanbau Bedeutung hat. Allerdings ist der Hype um die Flächenausdehnung bereits schon wieder vorbei, und die Transportkosten haben ohnehin dazu geführt, dass der Anbau nur rund um die Werke ausgedehnt wurde. Ein großer Nachteil, denn die Fruchtfolge wurde dort vielfach wieder auf den dreijährigen Anbau eingeengt, sodass wieder Stoppelweizen angebaut werden muss.
Noch immer halten zu viele Betriebe auch an der Trennung von Raps- und Zuckerrübenfruchtfolgen fest. Die Kombination von Raps und Rüben bringt jedoch sehr viele Vorteile, da der Pflanzenschutz- und Düngeraufwand zurückgeht und zugleich die Erträge aller Früchte steigen. Dies zeigt sich auch im Deckungsbeitrag. Hier liegt die Kombination aus Zuckerrüben und Raps ganz weit vorne. Der Wegfall von Debut als Basisherbizid zur Rapsbekämpfung kann in Zukunft durch den Einsatz herbizidtoleranter Rübensorten kompensiert werden. Besonders auf Standorten mit Grasproblemen bietet das »Conviso-System« zusätzliche Vorteile in der Effektivität der Gräserbekämpfung.
Die Aussaatfläche von Raps ist 2026 wieder leicht auf 1,1 Mio. ha angestiegen. Die hohen Preise im Vergleich zu Getreide stützen die Wirtschaftlichkeit, und nach wie vor fehlt es an Alternativen. Der Vorteil von Raps ist, dass er fast auf allen Standorten angebaut werden kann. Darüber hinaus ist seine Vorfruchtwirkung nahezu unschlagbar.
Der Mais dominiert mit etwa 2 Mio. ha Fläche vornehmlich den Anbau in den Futterbauregionen. Durch die Nutzung als Biogassubstrat hat er sich jedoch in den letzten 15 Jahren auch in vielen Ackerbauregionen etabliert. Ähnlich wie die Zuckerrüben zählt der Mais zu den Früchten, die unter den sich wandelnden Klimabedingungen hohe Ertragszuwächse verzeichnen. Sein Vorteil im Anbau besteht zudem darin, dass er als weitere Sommerung erheblich zur Minderung der Gräserproblematik beiträgt. Darüber hinaus hat Mais einen sehr geringen Anspruch an den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Zudem kann er fast ausschließlich mit organischen Düngern versorgt werden, wobei eine Reduktion der Düngung ähnlich wie bei Rüben kaum ins Gewicht fällt. Nicht zuletzt ist der züchterische Fortschritt vergleichsweise hoch.
Der Anbauumfang von Silomais steht jedoch in den nächsten Jahren in Frage, denn erste Biogasanlagen laufen aus, und in den bestehenden Anlagen wird der Umfang begrenzt. Auch die neuen Fruchtwechselregelungen im Rahmen der GAP, nach denen der Mischanbau von Mais mit Bohnen oder Hirse nicht mehr anerkannt wird, werden unter Umständen dazu führen, dass der Mais »an Boden« verliert. Da der Mais aber besonders in den Ackerbauregionen als zusätzliche Sommerung in vielerlei Hinsicht eine wichtige Rolle spielt, muss besonders beim Wegfall von Biogasanlagen der Anbau von Körnermais geprüft werden.
Neues wagen
Der Anbauumfang von Körnermais in Deutschland schwankte in den vergangenen Jahren um 450 000 ha. 2025 lag die Anbaufläche aber bereits bei rund 489 000 ha. Dieser Trend wird sich vermutlich weiter fortsetzen, denn Körnermais hat in den letzten Jahren viele Praktiker positiv überrascht. Häufig wurden Erträge von mehr als 12 t/ha trockene Ware gedroschen. Gleichzeitig konnte der Körnermais – mit Ausnahme des sehr nassen Jahres 2023 – meist bereits Mitte Oktober mit ansprechenden Feuchtegehalten von etwa 25 % geerntet werden, sodass ein Nachbau von Winterweizen meist problemlos möglich war. Dazu beigetragen hat, dass neue Sorten immer früher abreifen. So lassen sich die Kosten für die Trocknung in Grenzen halten. Dennoch bleiben die Kosten für die Trocknung das größte Hemmnis bei der Entscheidung, Körnermais in die Fruchtfolge aufzunehmen. In einigen Regionen kann jedoch auch die Vermarktung als Feuchtmais wirtschaftlich interessant und weniger aufwendig sein. Der Vorteil dabei: Die Ernte kann noch früher stattfinden, und es können zudem ertragsreichere Sorten angebaut werden.
Körnerleguminosen
Nur wenige Früchte wurden in den vergangenen Jahren politisch so stark gefördert wie die Körnerleguminosen. Mit etwa 139 000 ha Erbsen, gut 70 000 ha Ackerbohnen sowie etwa 40 000 ha Sojabohnen liegen die Körnerleguminosen trotz leichter Anbauausweitung aber immer noch am unteren Ende der Anbauflächenstatistik. Obwohl sie einen wertvollen Beitrag in der Fruchtfolge leisten könnten, entscheiden sich bislang nur wenige Betriebe für den konsequenten Einstieg in den Anbau. Impulse kommen derzeit von mehreren Zuckerunternehmen, die Verträge mit deutlich höheren Preisen anbieten, sodass der Anbau von Leguminosen ein steigendes Interesse findet. Der Rückzug der Nordzucker deutet jedoch die Instabilität der Märkte an. Der Anbau ist nur durch hohe Preiszuschläge attraktiv, denn in den letzten Jahren waren immer wieder sehr hohe Ertragsschwankungen zu beobachten – vielfach sank das Ertragsniveau auf nur noch 3 t/ha ab.
Ein weiteres großes Problem im Körnerleguminosenanbau ist die geringe Verfügbarkeit zugelassener Pflanzenschutzmittel. Lücken ergeben sich unter anderem bei den Blattherbiziden sowie bei den Insektiziden. Schäden durch Insekten wie z. B. den Ackerbohnenkäfer sowie durch Blattläuse können hohe Ertragsverluste nach sich ziehen oder die Vermarktung im Lebensmittelbereich gänzlich infrage stellen. Auch durch Blattläuse übertragene Virosen führen insbesondere bei Bohnen zu hohen Verlusten, die aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln häufig nicht ausreichend kontrolliert werden können. Infolge der geringen Ertragserwartung sind daher derzeit Preise von mehr als 50 €/dt nötig, um den Anbau wirtschaftlich zu gestalten. Dort, wo diese Preise angeboten werden, sind Körnerleguminosen optimal in der Lage, blattfruchtarme Anbausysteme aufzulockern. Allerdings sind zur Vorbeugung einer Leguminosenmüdigkeit entsprechende Anbaupausen einzuhalten. Bei Erbsen sind es sieben bis acht Jahre. Auch Ackerbohnen sind in weiteren fünf- bis sechsjährigen Fruchtfolgen im Ertrag stabiler. Nur Sojabohnen lassen sich im drei- bis vierjährigen Turnus anbauen.
Sommergetreide besser nach Blattfrüchten
In einigen Regionen hat auch der Anteil von Sommergetreide zugelegt. Das Ziel ist auch hier, die Fruchtfolge mit Sommerungen aufzulockern. Durch eine steigende Nachfrage bei Hafer und Braugerste konnten ansprechende Deckungsbeiträge erwirtschaftet werden. Problematisch ist jedoch, dass im Sommergetreide keine potenten Gräserherbizide verfügbar sind. Zudem zeigt sich, dass hohe Erträge eher nach Blattfrüchten als nach Wintergetreide erzielt werden.
Sonnenblumen: zu geringe Wirtschaftlichkeit. In den letzten Jahren wurden vielerorts auch mit Sonnenblumen als weitere Blattfrucht gute Erfahrungen gesammelt. Da Sonnenblumen jedoch anfällig für Sklerotinia sind, müssen entsprechende Anbaupausen zum Raps eingehalten werden. Im Anbau zeigen sich die Sonnenblumen besonders bei der Düngung sehr anspruchslos, sodass sie auch in den roten Gebieten interessant wären. Leider lässt die Vermarktungssituation derzeit kaum eine Anbauausweitung zu.
Fruchtartenwahl und Fruchtfolgegestaltung entscheiden über die notwendige Intensität der Bodenbearbeitung. Sofern es in den Betrieben gelingt, den Fruchtwechsel durch den ausreichenden Anbau von Blattfrüchten zu etablieren, geht der Anspruch an die Bodenlockerung auf fast allen Standorten deutlich zurück. Der Pflugeinsatz kann dann auf Ausnahmen wie Ernteschäden infolge starker Nässe oder für eine Sanierung von mit Gräsern verunreinigten Flächen beschränkt werden. Grundsätzlich kann es auch sinnvoll sein, die Flächen in gewissen Intervallen zu pflügen, um einer Nährstoffverarmung der Unterböden entgegenzuwirken.
Bei der Bestellung von Wintergetreide nach Blattfrüchten lässt sich die Bodenbearbeitung bis hin zur Direktsaat einschränken, sofern eine entsprechende Technik zur Verfügung steht. Zur Minderung der Verungrasung wurden in den letzten Jahren auch gute Erfahrungen mit der Direktsaat von Zwischenfrüchten gesammelt. Vereinzelt auch bei der Aussaat von Raps. Hier steigt jedoch die Gefahr von Pflanzenverlusten infolge von Schneckenbefall. Häufig ist auch eine deutliche Zunahme der Mäusebestände zu beobachten.
Bei der Direktsaat von Sommerungen wie Mais und Zuckerrüben werden jedoch schnell Grenzen erreicht, da die Jugendentwicklung deutlich langsamer verläuft und der Düngebedarf aufgrund der geringen Mineralisation stark ansteigt. Besonders zu Sommerungen sollte die Bodenbearbeitungsintensität also tendenziell erhöht werden. Versuche zeigen zudem, dass vor allem auf Lehm- und Tonböden ein vorzeitiger Umbruch der Zwischenfrüchte im November große Vorteile hat, da in den meisten Jahren deutlich mehr Stickstoff im Frühjahr verfügbar ist und auch die Erträge steigen.
Ein Anbausystem, das auf einen konsequenten Fruchtwechsel aufbaut, hat auch geringere Ansprüche an den Dünger- und Pflanzenschutzaufwand. Versuche zeigen, dass das Düngeoptimum eines Rapsweizens bei nur 160 bis 180 kg N/ha liegt. Stoppelweizen benötigt dagegen etwa 200 bis 220 kg N/ha. Beim Pflanzenschutz lassen sich vor allem die hohen Herbizidkosten senken.