Portrait. Mit Außenklima flexibel bleiben
Die Sauen im Betrieb Kreißig bekommen viel frische Luft. Der Wartebereich ist schon seit vielen Jahren ein Offenstall. Im neu gebauten Deckzentrum verfolgt man dieses Konzept weiter – auch weil die Hallenbauweise alle Optionen für die Zukunft offen hält.
In die Sauenhaltung investieren oder nicht – diese Frage stellen sich gerade viele Betriebe. Anneke Kreißig hat sie bereits 2022 für ihren Betrieb positiv beantwortet und ein Deckzentrum nach den neuen Vorgaben als Außenklimastall und mit Stroharena gebaut. Bereits der Wartestall ist frei belüftet und mit Lochblechen ausgestattet – die Arbeit im Außenklimastall also nichts Neues. Wie hat sich das neue Deckzentrum knapp vier Jahre nach Einzug bewährt?
Der Betrieb Kreißig liegt im niedersächsischen Landkreis Nienburg. Am Ende der 90er Jahre ausgesiedelten Standort werden 280 Sauen gehalten. Anneke Kreißig selbst wohnt im etwa 70 km entfernten Diepholz, wo ihr Partner ebenfalls einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. Außerdem ist sie als Beraterin bei der Schweinespezialberatung Sulingen tätig.
»Wir arbeiten im 5-Wochen-Rhythmus. Das ist auch der Distanz und meinem Hauptberuf in der Beratung geschuldet«, so Kreißig. Im Betrieb wird sie unterstützt von ihrem Vater und zwei Mitarbeitern – alle in Teilzeit.
Warum diese Art Deckzentrum?
Den entscheidenden Impuls für den Bau des Deckzentrums gab 2020 ein Förderprogramm der BLE (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung) für Sauenbetriebe, die die Vorgaben der novellierten Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung frühzeitig umsetzen wollten. »Wir standen damals gerade vor der Entscheidung, wie es mit dem Betrieb weitergeht«, erinnert sich Kreißig. Die Förderung war eine gute Möglichkeit, den vorhandenen Investitionsstau aufzulösen. Hinzu kam, dass durch den Wechsel vom 2- zum 5-Wochen-Rhythmus Plätze für tragende Sauen fehlten. »Wir wollten aber, wie beim Wartestall, wieder ein umnutzungsfähiges Gebäude in Hallenbauweise. Da landet man schnell beim Thema Außenklima.« Auch war für Kreißig klar, dass die Aktionsfläche der Sauen zugunsten der Klauengesundheit eingestreut sein soll.
Das Deckzentrum wurde in Verlängerung des bisherigen Deck- und Abferkelstalls gebaut. Es bietet Platz für 69 Sauen. Der vorhandene Abferkelbereich mit 70 Plätzen wird weiter genutzt. Im alten Deckzentrum befindet sich heute der Wartebereich für Jungsauen, das Jungsauendeckzentrum (strohlos) und auch die Jungsaueneingliederung. Außerdem sind hier die erforderlichen zehn Krankenplätze (5 %) untergebracht.
Das Deckzentrum besteht aus zwei Buchten: ein Zweireiher mit 46 Plätzen (Aufmacherfoto) und ein Einreiher mit 23 Plätzen (Foto unten). Der Boden unter den Selbstfangbuchten sowie die 1,30 m breite Fläche ist planbefestigt mit 1 % Gefälle. Zu wenig, meint Kreißig: »Man hätte auf jeden Fall 3 bis 4 % einplanen müssen, so sind die Flächen oft nass.« Der sich anschließende Tiefstreubereich liegt 30 cm tiefer. Dessen Entmistung erfolgt über zwei große Tore im Giebel. Die Seitenwände sind etwa zur Hälfte offen und mit Curtains gegen Wind geschützt. »Mit dem System bin ich sehr zufrieden. Es gibt keine Zugluft und es ist trotzdem sehr hell.« Im Unterschied zum Wartestall mit seinen Lochblechen bleibt die Temperatur hier im Winter 8 bis 10 °C über der Außentemperatur, sodass die Tränken im Normalfall nicht einfrieren.
Die Sauen bleiben bis zur Trächtigkeitskontrolle an Tag 23 oder 24 im Deckzentrum. So lange haben sie die volle Fläche zur Verfügung. Danach erfolgt der Wechsel in den Wartestall.
Lahmheiten in den Griff bekommen. Nach anfänglich großen Problemen mit Beinschäden hat Kreißig verschiedene Gegenmaßnahmen ergriffen. So werden die Sauen im Deckzentrum mittlerweile in drei Altersgruppen getrennt: Der einreihige Bereich ist unterteilt in zwei Gruppen für Sauen nach dem ersten bzw. dem zweiten Wurf. In die große doppelreihige Bucht werden die älteren Sauen eingestallt. Die Gruppen möglichst konstant zu halten, hat die Rangkämpfe deutlich reduziert. Denn diese sind nach Kreißigs Erfahrung das größte Verletzungsrisiko. Aufspringen dagegen ist nach ihrer Erfahrung kein Problem für die Beingesundheit.
Außerdem wird vor der Einstallung einer neuen Absetzgruppe nicht mehr ausgemistet, damit eine Strohmatratze Rutschen verhindert: »In Sachen Hygiene ist das natürlich nicht so toll, aber die Trittsicherheit ist im Zeitraum der Rangkämpfe entscheidend.« Das gilt auch für die Laufgänge hinter den Buchten. In diese hat Kreißig zwei Jahre nach Einzug von einer Spezialfirma Rillen fräsen lassen. Danach sind die Verletzungen zurückgegangen.
Sauen nach dem ersten Wurf sind besonders anfällig. Von den schwerwiegendsten Lahmheiten, verursacht durch nervale Schädigungen im Rücken, sind in der Regel Sauen nach dem ersten Wurf betroffen. »Sowas kam früher gar nicht vor. Heute liegt deshalb der Anteil der Nottötungen bei einem Drittel aller Sauenabgänge«, berichtet die Betriebsleiterin. Insgesamt sind die Verluste dennoch nicht höher als früher. Denn auf der anderen Seite treten Lahmheiten im Wartestall so gut wie nicht mehr auf. »Die Sauen sind heute deutlich stärker auf den Füßen und auch insgesamt gesünder.« Lahme Tiere müssen aber sofort separiert werden, damit nicht noch mehr passiert, betont Kreißig.
Die Leistungen im neuen System sind unverändert geblieben. Wie vor dem Neubau liegt die Abferkelquote bei etwa 86 % und es gibt 4,5 % Umrauscher. Zwar ist die Anzahl lebend geborener Ferkel mit 15,7 pro Wurf heute um ein Ferkel höher, allerdings fand zwischendurch ein Genetikwechsel statt. »Negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hatte die Haltungsumstellung bei uns definitiv nicht«, ist Kreißig überzeugt.
Den zusätzlichen Arbeitsaufwand schätzt sie auf 0,6 Stunden pro Sau und Jahr. Darin enthalten sind Stroheinfuhr, Einstreuen, Misten und etwas zusätzlicher Zeitaufwand für die Tierkontrolle und das Abschieben des Laufgangs hinter den Ständen.
Tipps für die Planung
Das sollten Sie bei der Planung eines Deckzentrums mit Freilauf unbedingt beachten:
- gute Krankenbuchten anlegen,
- 5 m2/Sau einhalten – und zwar bis zum Ende der Besamung,
- der Untergrund muss unbedingt rutschfest sein,
- Gruppengrößen im DZ und Wartestall sollten zueinander passen (Gruppen nicht mischen),
- Konditionsgruppen anlegen (mindestens Jungsauen separat),
- einfache Fixierungsmöglichkeit (Arbeitsschutz, Futteraufnahme),
- Klauenpflege durchführen,
- Buchtenstruktur gut planen (Rückzugsmöglichkeiten),
- auf Versorgung mit Vitamin D, Calcium und Phosphor achten.
Diese Fehler sollten Sie auf jeden Fall vermeiden, rät Anneke Kreißig:
- verletzte und lahme Tiere in der Gruppe lassen,
- das DZ nicht nur an dem, was erlaubt ist ausrichten (2,5 m2/Sau ab Besamung), es muss auch praktisch nutzbar sein,
- niemals eine neue Gruppe im DZ einstallen ohne Mistmatratze,
- Feuchtigkeit im Bereich der festen Fläche vermeiden,
- Jungsauen und Erstwurfsauen gehören nicht in die Großgruppe, das Verletzungsrisiko durch Rangkämpfe ist zu hoch,
- nicht an den Selbstfangbuchten sparen, sie erleichtern den Arbeitsalltag enorm.
Der Strohbedarf liegt bei etwa 220 Rundballen pro Jahr, vorzugsweise Gerstenstroh. Eingestreut wird alle zehn Tage mit sechs bis acht Ballen. In der Zeit der Rangkämpfe (bis 48 Stunden nach der Einstallung ins Deckzentrum) dienen sie als Rückzugsmöglichkeit für rangniedrigere Tiere. Das Ausmisten erfolgt alle zehn Wochen (in jeder zweiten Gruppe nach dem Besamen) per Teleskoplader. Jährlich fallen 350 t Mist an (5 t/Platz).
Insgesamt lag die Investition für das neue Deckzentrum bei 367 000 €. Der Platz pro Sau beträgt 5,5 m2 (netto), so dass sich die Kosten auf 4 919 €/Platz belaufen. Der Stall wurde mit knapp 150 000 € durch das BLE-Programm (Pauschalsatz 40 %) gefördert. Selbst finanziert wurden 220 000 €, was zu einem extrem günstigen Zinssatz von 0,75 % über zehn Jahre gelang. Damit entspricht die Belastung pro Ferkel in etwa 2,50 €.
Zukunftsperspektive
Ging die Betriebsleiterin zum Zeitpunkt der Investition in das Deckzentrum noch davon aus, dass es der letzte Entwicklungsschritt für den Betrieb sein könnte, setzt sich Anneke Kreißig heute intensiv mit der Planung eines neuen Abferkelstalls auseinander: »Ich würde gerne investieren, denn unser alter Abferkelstall ist 28 Jahre alt. Darin können wir so oder so nicht weiter produzieren.« Dennoch soll es kein Schnellschuss werden. »Die BUT-Förderung ist für uns nicht mehr erreichbar. Wir werden im Laufe dieses Jahres einen konkreten Plan entwickeln, um startklar zu sein, falls ein attraktives Folge-Förderprogramm kommt.« Allerdings: Die AFP-Förderung in ihrer bisherigen Form habe zu viele Hürden, um eine Option zu sein.