Ackerbau. »Ohne Pflanzenschutz« hat seinen Preis
Ohne chemischen Pflanzenschutz – aber mit Mineraldüngung: Ob sich unter diesen Bedingungen stabile Erträge erzielen lassen, untersuchen Versuchsansteller derzeit in mehreren europäischen Ländern.
In Deutschland (siehe Artikel: “Pragmatismus statt Philosophie”), aber länger bereits in Frankreich. Dort hat das Forschungsinstitut INRAE nun Ergebnisse aus zehn Jahren ausgewertet. Die Quintessenz: Pestizidfreier Ackerbau ist möglich – allerdings nur unter bestimmten pflanzenbaulichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen.
Fruchtfolgen als Schlüssel. Untersucht wurden neun Versuchssysteme an Standorten in unterschiedlichen Regionen Frankreichs. Die Fruchtfolgen waren mit fünf bis neun Jahren deutlich länger als in vielen Praxisbetrieben. Fünf Systeme waren reine Ackerbausysteme, vier integrierte Viehhaltung. Ein zentraler Ansatz war die Vorbeugung: etwa über das Management potenziell infizierter Ernterückstände, variierende Saattermine, Sortenmischungen oder den Einsatz von Zwischenfrüchten. Dennoch erreichten die Erträge nur in wenigen Fällen das Niveau regionaler konventioneller Systeme. Positiv fiel auf, dass der Krankheitsdruck über die zehnjährige Versuchsdauer nicht anstieg.
Als besonders anspruchsvoll erwies sich die Unkrautregulierung. Probleme bereitete unter anderem Ampfer in den Systemen mit mehrjährigem Grasland. Andere Unkräuter ließen sich nur mittels Pflügen beherrschen, das eigentlich gar nicht vorgesehen war.
Das Fazit überrascht wenig: Ein pestizidfreies Produktionssystem erfordert nicht nur angepasste Fruchtfolgen und ein intensives Management. Damit es ökonomisch tragfähig wird, sind auch geeignete Vermarktungswege oder Zuschüsse notwendig.