Strukturwandel. Die Schließung von Schlachthöfen bereitet Sorgen
Die Schweinehaltung bei uns geht zurück – also gute Aussichten für die verbleibenden Betriebe? Ganz so einfach ist es nicht, da auch Schlachthaken abgebaut werden. Entscheidend ist, wie stark deutsche Herkunft gefragt ist.
In Deutschland haben sich die Schweinebestände zuletzt zwar stabilisiert. Dennoch: In den letzten zehn Jahren gab es einen Rückgang um 22 %. Diese Entwicklung ist nicht ohne Folgen für die Schlachtkapazitäten. Der Rückzug des niederländischen Konzerns Vion 2024 aus dem deutschen Markt ist dabei der größte Brocken. Standorte wie Emstek im Norden und nun auch Perleberg im Osten sind vollständig weggefallen. Aber auch andernorts wurden Kapazitäten abgebaut.
Vermarktungsmöglichkeiten regional teilweise stark eingeschränkt
Die Entfernungen zum nächstgelegenen Schlachthof vergrößern sich immer mehr. Das gilt ganz besonders in Ostdeutschland. Eine Spezialisierung in Richtung Ferkelerzeugung ist dort schon länger zu beobachten. Dieser Trend wird durch die aktuelle Entwicklung wohl weiter verstärkt werden.
Und auch in Süddeutschland verschlechtern sich die Rahmenbedingungen für die Erzeuger dramatisch. Aktuell auf der Kippe steht der Schlachthof Landshut, obwohl er in einer der schweinedichtesten Regionen Bayerns liegt, relativ modern und neben Vilshofen der größte Schweineschlachthof in Bayern ist. Doch offenbar schreibt er seit zehn Jahren rote Zahlen, zuletzt u. a. wegen der Nichtauslastung der Kapazitäten. Die EG Bayern, die den Standort 2024 von Vion übernommen hat, will ihr Engagement daher im ersten Halbjahr 2026 wieder beenden. Es bestehen allerdings gewisse Chancen auf einen Weiterbetrieb durch andere Interessenten.
Die Schließung des Schlachthofs Landshut würde einen Kapazitätswegfall von 21 000 Schweinen/Woche bedeuten und die Schweinehalter in Niederbayern spürbar treffen. Durch eine regionale Überkapazität von je 5 000 Schlachthaken/Woche in Landshut und Vilshofen ist ihre Vermarktungssituation derzeit sehr komfortabel, denn Schweine werden gesucht. Ohne Landshut fehlen regional rund 10 000 Schlachthaken/Woche. Für diese Tiere fallen dann höhere Transportkosten an und die regional gedrehte Nachfragesituation wird sich im Preis für alle niederbayerischen Schlachtschweine bemerkbar machen.
Bringt die Abstockung die Erzeugerpreise wieder ins Lot?
Die Bestandsabstockung ist letztlich Folge der veränderten Rahmenbedingungen für die Schweineproduktion. Steigende gesetzliche Standards machen die Produktion teuer, bei nur wenigen Betriebe decken die Marktpreise diese Mehrkosten nachhaltig. Die Hoffnung einiger, dass weniger Schweine für die übrig bleibenden Halter bessere Preise bedeuten, hat sich bisher nicht erfüllt. Die Strukturen im Schlachtsektor passen sich zwangsläufig an. Hinzu kommt: Ebenso wie das Angebot sinkt auch der Konsum – abzulesen am nach wie vor hohen Selbstversorgungsgrad für Schweinefleisch von 140 %. Nur wenn hierzulande bevorzugt Schweinefleisch mit deutscher Herkunft (5xD) nachgefragt wird, besteht die Chance, die hohen Kosten über den Markt wiederzubekommen. Ganz wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass der Handel zu seinem Bekenntnis zu deutschem Fleisch steht. In wirtschaftlich angespannten Zeiten wie aktuell nicht unbedingt eine »Bank«. Denn klar ist: Hat der Verbraucher die Wahl zwischen höherpreisiger deutscher Ware und günstigerem importierten Fleisch entscheidet meistens der Preis.
Die Aussichten könnten dennoch positiv sein
Der zuletzt auf 1,45 € abgestürzte VEZG-Preis ist maßgeblich auf eine saisonal schwache Nachfrage in Kombination mit den Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest in Spanien zurückzuführen. Doch für 2026 sind die Preisaussichten nach Einschätzung der ISN durchaus positiv: Das europäische Angebot ist leicht rückläufig und durch die vor Weihnachten abgesenkten Strafzölle Chinas auf europäisches Schweinefleisch haben sich die Aussichten für den Drittlandsexport verbessert.