einer der wenigen Großbetriebe in der Region Großpolen. Durchschnittlich werden dort 191 Schweine pro Betrieb gehalten. Foto: Ziron
Schweineproduktion. Integration als Weg aus der Krise?
Afrikanische Schweinepest, Marktverwerfungen, hohe Genehmigungshürden – die polnische Schweineproduktion wird an vielen Stellen ausgebremst. Ihre Reaktion: Eine deutliche Zunahme der Integration, da das Zusammenrücken in der Kette neue Spielräume schafft.
Die polnischen Schweineproduzenten haben Jahre der Krise hinter sich und hofften für 2026 auf eine Konsolidierung. Dass jetzt spanische Ware den EU-Markt flutet, macht ihnen einen Strich durch die Rechnung und gefährdet den heimischen Absatz. Auch weil der polnische Markt deutlich weniger wählerisch in Sachen Herkunft ist als etwa der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland. Wie beeinflusst die Dauerkrise den Schweinefleischsektor in Polen?
Bestandsabbau. Polens EU-Beitritt 2004 brachte einen massiven Anpassungsdruck für die heimische Schweineproduktion mit sich.
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Der Schweinebestand reduzierte sich von 17 Mio. Schweinen 2007 auf 9 Mio. 2025 (Grafik 1). Das entspricht einem Rückgang von 47 %. Gleichzeitig blieb die Anzahl der jährlich in Polen geschlachteten Tiere mehr oder weniger konstant. Ermöglicht haben das zum einen höhere biologische Leistungen und damit mehr Umtriebe in der Mast.
Aber auch die umfangreichen Ferkelimporte aus Dänemark (Kasten unten) haben dazu beigetragen. Sie sind aber auch ein Indikator für eine schwächelnde polnische Ferkelerzeugung. Der Sauenbestand umfasste 2025 noch 618.000 Tiere (-66 % seit 2005).
Unsicherheit bei Ferkelimporten
Polens Schweineproduktion ist abhängig von Ferkelimporten aus Dänemark. Sie sind seit 2013 stark gestiegen (+ 203 %) und liegen aktuell bei rund 7,8 Mio. Tieren im Jahr (Grafik). Das sind 40 % der in Polen gemästeten Schweine. Für die polnische Schweinebranche ist diese hohe strukturelle Abhängigkeit von einem einzigen Herkunftsland kritisch. Schon länger wird auf EU-Ebene über eine der Regeln beim Tiertransport diskutiert. Sollten sie verschärft werden, könnte dies die Verfügbarkeit oder die Kosten der Ferkelimporte beeinflussen. Auch deshalb fordern Branchenvertreter eine Stärkung der heimischen Ferkelerzeugung. Grundsätzlich erschwert die starke Nachfrage nach dänischen Ferkeln den Wiederaufbau der polnischen Ferkelproduktion. Gleichzeitig geht Wertschöpfung verloren, weil ein wichtiger Teil der Produktionskette ins Ausland verlagert wird.
Das Programm der neuen dänischen Regierung lässt zudem Zweifel daran aufkommen, wie verlässlich sie noch hinter der Schweineproduktion im eigenen Land steht. Erklärtes Ziel ist, die Ferkelexporte zu reduzieren. Das wäre nicht nur für polnische Erzeuger ein Problem. Ein Wegbrechen dieser Exportmärkte ohne die Möglichkeit, die Tiere im Inland kostendeckend zu mästen, würde für viele dänische Betriebe das Aus bedeuten. Zwar dürfte eine Exporteinschränkung für Ferkel rechtlich schwer durchsetzbar sein – in der polnischen Schweinebranche schrillen dennoch die Alarmglocken und die Unsicherheit wächst.
Auch in vielen deutschen Mastställen werden dänische Ferkel gemästet. 2025 wurden rund 7,3 Mio. Ferkel aus unserem nördlichen Nachbarland importiert. Damit waren die dortigen Sauenhalter mit einem Anteil von knapp 70 % der wichtigste Lieferant für den deutschen Markt. Allerdings liegt der Gesamtanteil der dänischen Tiere an den Ferkelherkünften in Deutschland nur bei 16 %. Von den bei uns gemästeten Schweinen werden 80 % auch hier geboren.
Strukturwandel
Dieser Bestandsabbau blieb für die betrieblichen Strukturen in der Schweinehaltung nicht ohne Folgen. Die Zahl der Erzeuger ist in den vergangenen 20 Jahren um 86 % gesunken. Das folgt zwar der Logik, die in vielen osteuropäischen Ländern zu beobachten war, allerdings hält dieser starke Strukturwandel in Polen bis heute an. Nach Einschätzung von Aleksander Dargiewicz, Präsident von POLPIG, der größten Interessenvertretung für Schweinehalter in Polen, ist das Ende noch nicht erreicht. Allein seit 2021 ging die Betriebszahl um 40 % zurück. Dennoch gibt es heute in Polen noch rund 40.000 Schweinehaltungen (Deutschland knapp 15.000) mit durchschnittlich rund 210 Schweinen (Deutschland 1.432). An diesen Zahlen lässt sich ablesen, dass der Anteil an Kleinsthaltungen nach wie vor groß ist. Die regionalen Unterschiede sind allerdings erheblich (Grafik 2). Die größeren Betriebe findet man vor allem in den westlichen und nördlichen Landesteilen.
Extrem klein strukturiert ist die Schlachtbranche in Polen. Aktuell gibt es 346 zugelassene Schlachthöfe. Das bringt zwar einen guten Wettbewerb, ist aber auch extrem ineffizient und damit teuer.
Probleme der Schweinehalter
Die Weiterentwicklung der professionellen Schweinebetriebe stockt aufgrund hoher Unsicherheiten und schlechter Wirtschaftlichkeit. »Zudem machen bürokratische und ineffiziente Genehmigungsverfahren Investitionen für Schweinehalter schwieriger und treiben die Kosten deutlich in die Höhe«, so Dargiewicz. Außerdem haben wachstumsorientierte Betriebe oft Schwierigkeiten, eine Finanzierung für Investitionen zu erhalten. Staatliche Unterstützung ist dabei nur begrenzt verfügbar. Die politische Ausrichtung sei klar erkennbar und ziele vor allem auf die Förderung kleinerer Betriebe ab, berichtete ein Praktiker aus der Nähe von Posen beim diesjährigen Kongress der European Pig Producers (EPP). Nach dem EU-Beitritt habe diese Haltung dazu geführt, dass verfügbare EU-Fördermittel nicht in die Modernisierung der Ferkelerzeugung flossen. Begründet wurde dies damals mit der Einschätzung, dass die vorhandenen Produktionskapazitäten bereits ausreichend seien. Aus heutiger Sicht ein Fehler.
Die Afrikanische Schweinepest schwebt über allem. Der drastische Rückgang der Schweinehaltung in Polen ist zu einem wesentlichen Teil durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) bedingt, die das Land spätestens seit 2016 fest im Griff hat. Seitdem kam es zu insgesamt 596 Ausbrüchen in Hausschweinebeständen mit einem Höchstwert von 124 Fällen 2021. Die Tendenz ist zwar fallend und 2025 waren es »nur« noch 18 Fälle bei Hausschweinen.
Im Wildschweinebestand zirkuliert das Virus jedoch unvermindert. 2025 wurden 2.850 Fälle registriert. Unter den betroffenen Hausschweinebeständen ist eine große Anzahl an Kleinsthaltungen, aber immer wieder trifft es auch große Haupterwerbsbetriebe. Vom letzten Ausbruch war im Mai diesen Jahres ein Betrieb mit gut 21.000 Schweinen im Nordwesten des Landes (Region Westpommern) betroffen. Derzeit liegt über die Hälfte der Landesfläche in ASP-Sperrzonen (Karte). Der Schweinebranche sind so in den vergangenen zehn Jahren Verluste von 1 Mrd. € entstanden, erklärt Dargiewicz. Betriebe, die in Sperrzonen aufgrund von ASP bei Wildschweinen liegen, müssen Preisabzüge von 26 ct/kg bei der Vermarktung ihrer Tiere in Kauf nehmen. Und das bei einem Basispreis von 1,44 €/kg SG (Ende Juni).
Der Sektor und insbesondere die Sauenhaltung konnte und kann sich aufgrund der mit der Seuche verbundenen Kosten und Risiken nicht gut weiterentwickeln und muss im Vergleich mit den führenden europäischen Schweineproduzenten den stärksten Bestandsabbau hinnehmen (Grafik 3).
Politik und Behörden sind bei der ASP-Bekämpfung inkonsequent. Die Dringlichkeit, den Wildschweinebestand zu reduzieren, um das Virus einzudämmen, wurde vonseiten der Branche vielfach deutlich gemacht. Die polnische Regierung folgt den Empfehlungen bisher nicht. Zuständig ist das Umweltministerium, welches Bedenken gegenüber groß angelegten Abschussaktionen hat. Auch ist die Verwaltung im praktischen Krisenmanagement nicht konsequent genug, bemängeln Branchenvertreter wie Dargiewicz.
Politik und Behörden sind bei der ASP-Bekämpfung inkonsequent. Die Dringlichkeit, den Wildschweinebestand zu reduzieren, um das Virus einzudämmen, wurde vonseiten der Branche vielfach deutlich gemacht. Die polnische Regierung folgt den Empfehlungen bisher nicht. Zuständig ist das Umweltministerium, welches Bedenken gegenüber groß angelegten Abschussaktionen hat. Auch ist die Verwaltung im praktischen Krisenmanagement nicht konsequent genug, bemängeln Branchenvertreter wie Dargiewicz.
Integration als Antwort der Branche auf die Krise
Die wirtschaftlichen Risiken, die sich durch die ASP für den einzelnen Schweinehalter ergeben, verhindern Investitionen. Besonders bemerkbar macht sich das am Abbau der Ferkelerzeugung, die wesentlich investitionsintensiver ist als die Mast. Betriebe, die trotzdem wachsen wollen, haben kaum eine Chance, einen Schweinestall finanziert zu bekommen. Den Banken ist das Risiko zu hoch. Als Reaktion folgte schon bald nach Beginn der ASP-Krise eine engere Zusammenarbeit innerhalb der Kette. Schätzungsweise bis zu 40 % der Produktion sind mittlerweile vertikal integriert. Die Sicherung des Rohstoffs Schwein ist wohl die Hauptmotivation der vornehmlich aus der Schlachtbranche stammenden Unternehmen, als Integrator aktiv zu werden. Zudem erhöht eine stärker kontrollierte und planbare Lieferkette die Effizienz und die Wertschöpfung.
Für viele Landwirte ist ein Integrationsvertrag attraktiv, da die Absatzsicherheit steigt, das Preisrisiko sinkt und damit die Finanzierung von Stallbauten leichter möglich wird. Außerdem stellt die Integration Produktions-Know-how und Tiergesundheitsmanagement bereit.
Der Grad der Integration ist zwischen den Anbietern sehr unterschiedlich. Größter Akteur ist das Unternehmen Animex, das zum international operierenden Konzern Smithfield und damit zur chinesischen WH-Group gehört. Es verfügt über mehrere große Schweineschlacht- und Verarbeitungsstandorte (u. a. Kutno, Morliny, Szczecin, Starachowice, Ełk). Als größtes Fleischunternehmen Polens benötigt es entsprechende Stückzahlen an Schweinen. Es organisiert die Beschaffung über eigene Strukturen sowie Lieferanten und Erzeugergemeinschaften. Animex arbeitet seit über 20 Jahren mit Vertragslandwirten, wobei die Integrationstiefe nicht besonders groß ist. Animex ähnelt damit eher den großen deutschen Fleischunternehmen wie Tönnies oder Westfleisch. Der Marktanteil wird meist auf etwa 15 bis 20 % des polnischen Schlachtschweinemarktes geschätzt.
Mit einem klassische Integrationsangebot nach spanischen Modell tritt Gobarto seit 2017 am Markt auf. Das Unternehmen arbeitet mit langfristig gebundenen Vertragsmästern, in deren Produktion es steuernd eingreift. Gobarto unterstützt seine Vertragslandwirte bei Finanzierung, Planung, Stallbau, Ferkel- und Futterversorgung sowie Vermarktung. Es kontrolliert damit weite Teile der Wertschöpfungskette und hat einen Marktanteil in der Größenordnung von etwa 7 bis 9 %.
Das Unternehmen Goodvalley ist ein Beispiel für einen vollständig integrierten Eigenproduzenten. Mit 20.000 Sauen und der gesamten Kette im Eigentum (bis hin zur Vermarktung von Eigenmarken), ist es kein klassischer »Kontraktgeber«. Das Unternehmen hat einen Marktanteil von etwa 3 bis 4 %.
Daneben bestehen horizontale Integrationen, also Zusammenschlüsse von Erzeugern, die gemeinsame Strukturen für Beschaffung, Beratung und Vermarktung entwickelt haben. Der Aufbau solcher Strukturen wurde sehr stark durch EU-Regionalfördermittel unterstützt. Ihr Anteil an der Schweinefleischproduktion wird auf 5 % geschätzt.
Fazit
Polens Schweinehalter sind seit Ausbruch der ASP vor gut zehn Jahren im Krisenmodus. Doch auch wenn die Lage aktuell etwas ruhiger scheint, bleibt das ASP-Risiko durch Wildschweine hoch und treibt den Strukturwandel weiter voran. Der Sektor müsste die Sauenherde ausweiten, um die Abhängigkeit von dänischen Ferkelimporten zu reduzieren. Doch eine Finanzierung für die notwendigen Investitionen ist für die meisten Betriebe nur noch im Rahmen vertikaler Integration möglich. Sie wird die Schweineproduktion in Polen künftig noch mehr prägen. Denn gute Marktchancen haben unabhängige Betriebe nur noch, wenn sie richtig groß sind.