Getreide. Die Risikoprämie ist raus
Im März gab es kriegsbedingt ein kurzes Zeitfenster für höhere Preise. Das ist jetzt geschlossen, denn die Unsicherheit ist verflogen und die hohen Transportkosten sind geblieben. Für Qualitätsweizen ist jetzt die beste Vermarktungsstrategie das Überlagern.
Es gibt Muster im Markt, die sind in jeder Krise gleich: Zuerst kommt Panik auf und die Preise steigen. Je größer die Krise, desto steiler. Nach einigen Tagen oder Wochen stabilisiert sich die Lage, die Preise nehmen die Übertreibung raus und stabilisieren sich. Je länger die Krise andauert, desto mehr passt sich der Markt den neuen Umständen an und die Preise kehren wieder auf ein Niveau zurück, das Angebot und Nachfrage widerspiegelt.
Das war der Fall, als der Ukrainekrieg begann. Das war im vergangenen Jahr der Fall, als zwischen dem Iran und Israel die Raketen und Bomben für einige Tage flogen. Und das ist jetzt mit dem Irankrieg nicht anders. Im Persischen Golf geht es vor allem um Energie und davon abgeleitete Rohstoffe. Weil diese schwieriger zu substituieren sind als Weizen, und weil die Bedeutung des Persischen Golfes ungleich größer ist als die der Ukraine, halten die Verwerfungen vermutlich länger an als 2022.
Aber weil dieser Krieg nicht direkt die Versorgung mit Getreide oder anderen Nahrungsmitteln betrifft (indirekt über teuren Diesel, hohe Frachten und teure Dünger schon), kehrt der Markt beim Getreide schnell wieder in seine Ausgangslage zurück. Mit einem Wort: Die Risikoprämie ist raus. Damit wird der Blick frei für die unverändert wichtigen Treiber des Marktes: Angebot, Nachfrage und Kapital.