Digitalisierung. Die Lehre wird endlich moderner
Die landwirtschaftliche Ausbildung steht vor einer Reform. Die Lehrpläne werden modernisiert und aktuelle Anforderungen wie Digitalkenntnisse eingepflegt. Die Fachschulausbildung muss nachziehen, fordern unsere Gesprächspartner.
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Die Landwirtschaft wird digitaler – und die Ausbildung muss Schritt halten. Endlich wird deshalb die Ausbildungsordnung für Landwirte erstmals seit 30 Jahren überarbeitet. Das Berufsbild hat sich grundlegend verändert: Landwirte brauchen heute nicht nur praktisches Know-how, sondern auch Kompetenzen in IT, Nachhaltigkeit und digitaler Technik. Entsprechend angepasst soll die reformierte Ausbildungsordnung ab 1. August 2027 gelten. Die genauen Inhalte sind noch nicht veröffentlicht, doch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat bereits zentrale Bereiche benannt. Die künftige Ausbildungsordnung integriert vier sogenannte »Standardberufsbildpositionen«:
- Organisation des Ausbildungsbetriebes,
- Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht,
- Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit,
- Umweltschutz und Nachhaltigkeit,
- digitalisierte Arbeitswelt.
Diskutiert wird außerdem, dass sich im neuen Lehrplan die Unterrichtsstruktur ändert. Dann würde z. B. nicht mehr nach Tierart unterteilt unterrichtet. Im Lehrblock Fütterung würden dann Rinder- und Schweinefütterung gemeinsam abgehandelt. Bisher sind alle Inhalte zum Bereich Rind in einem Unterrichtsblock zusammengefasst und alle zum Thema Schwein in einem weiteren.
Fairerweise muss man sagen, dass im Alltag – abhängig vom Lehrer und der Schule – vieles aus den angekündigten Standardberufsbildpositionen bereits »gelebt« wird, aber bislang ohne offizielle Vorgabe. »Ein Lehrplan ist wie ein Korsett. Er stützt und bietet Struktur, aber es muss auch manchmal geweitet werden«, sagt Jan Rehbehn vom Landwirtschaftsamt Waldshut
Was für die Berufsschulen gilt, gilt genauso für die landwirtschaftlichen Fachschulen, auch dort ist eine Anpassung des Rahmenlehrplans nötig. Allerdings steht hier noch kein Zeitpunkt für Reformen fest. »Künftig stehen noch weniger landwirtschaftliche Fachkräfte zur Verfügung. Die anfallenden Arbeiten müssen aber dennoch erledigt werden. Das geht nicht ohne digitale Technik im Stall und auf dem Acker. Ein Betriebsleiter, den wir in der Fachschule zum Meister oder Techniker ausbilden, muss sie bewerten können: Was kann sie, was nicht? Welchen Nutzen bringt sie für meinen Betrieb?«, sagt Jan Rebehn. Das ist nochmal eine andere Ebene als der private Gebrauch.
Smartphones, Tablets und KI-Anwendungen gehören für die Berufs- und Fachschüler längst zum Alltag. Sie sind schließlich die erste Generation, die vollständig im digitalen Zeitalter aufgewachsen ist. Für sie ist der Umgang mit Smartphones, Tablets und KI-Anwendungen selbstverständlich. Dadurch sind Berührungsängste mit sensorgestützten Systemen und digitalisierter Technik im Stall und auf dem Acker äußerst gering. Das kann Friedrich Gronauer-Weddige, Leiter der Höheren Landbauschule und Technikerschule in Triesdorf bestätigen: »Unsere Schüler sind unbekümmert und routiniert beim Nutzen moderner Technik.« Diese Unbekümmertheit kann gefährlich werden, z. B. wenn auf Social Media gelesene Beiträge oder Ergebnisse, die die Künstliche Intelligenz auswirft, nicht kritisch hinterfragt werden.
Routiniert im Umgang mit Smartphone- anwendungen und neuer Technik sind viele Lehrkräfte auch, »aber es ist wichtig, sie in die Lage zu versetzen, sowohl die Grundlagen digitaler Technologien als auch – in Einklang mit den Anforderungen der neuen Ausbildungsordnung – deren Einsatz in der Praxis zu vermitteln«, sagt Jan Rebehn. Manches Spezialwissen wird vielleicht auch nur in Kooperation vermittelt werden können. An der Fachschule Triesdorf gehen die Schüler z. B. ins ebenfalls auf dem Campus angesiedelte Landtechnikzentrum, um digitalisierte Maschinen und Anwendungen in den Unterricht einzubinden. »Wir sollten darüber nachdenken, ob wir Spezialwissen stärker gebündelt vermitteln, vielleicht im Blockunterricht und/oder dezentral«, sagt Gronauer-Weddige.