Dänemark. Bodenschutz ist auch eine Aufgabe der Gesellschaft
Landwirte sind dafür verantwortlich, ihre Produktionsgrundlage zu sichern. Die EU hat dafür sogar ein Ziel ausgegeben: 75 % der Böden sollen bis 2030 »gesund« sein. Das heißt ganz allgemein, dass sie ihre chemischen, biologischen und physikalischen Funktionen erfüllen können: Standort-typischer pH-Wert, mikrobiologische Aktivität oder ausreichendes Porenvolumen.
Ob dieses Ziel erreicht wird, ist nicht allein eine Frage der guten fachlichen Praxis. Darauf weist jetzt eine Arbeit aus der Universität Aarhus hin. So banal ihre Kernaussage eigentlich ist, so wenig wird sie bei politischen Zielen bedacht: Landwirte entscheiden nie im luftleeren Raum, sondern entlang von Rahmenbedingungen. Fünf davon haben die dänischen Wissenschaftler in Bezug auf die Bodengesundheit identifiziert.
- Eigentum und Kapital. Wenn die Hälfte der landwirtschaftlich bewirtschafteten Fläche in Europa (teils kurzfristig) gepachtet ist und Investoren eine immer größere Rolle spielen, dann sinkt die Bereitschaft (oder die Fähigkeit) der Bewirtschafter, sich langfristig um den Boden zu kümmern.
- Große und spezialisierte Betriebe. Wenn zunehmend Aufgaben im Betrieb delegiert und Arbeiten nach außen vergeben werden, ist Effizienz der Maßstab, und das übergeordnete Ziel der Bodengesundheit rutscht in den Hintergrund.
- Bodengesundheit wird vom Markt nicht honoriert. Man bekommt als Landwirt zwar die Aufgabe gestellt, aber nicht die Mittel, sie zufriedenstellend zu lösen. In Zeiten permanenten Preisdrucks ist den Betriebsleitern das Hemd dann oft näher als der Rock.
- Digitalisierung und Präzisionslandwirtschaft sind Lösungsansätze. Sie sind aber teuer und verstärken die Abhängigkeit von den Technologie-Anbietern. Außerdem entwerten sie eigene Beobachtungen und Erfahrungen.
- Die Agrarpolitik belohnt kurzfristige Maßnahmen. Bodengesundheit braucht jedoch einen langen Atem.
Das Fazit der Forscher: Bodengesundheit liegt nicht in der alleinigen Verantwortung der Landwirte. Sie ist auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.