Portrait. Die »Landtechnik-Macher«
Individualität und Spezialisierung – das haben sich Mats Blöcker und Ferdinand Hayessen aus Schleswig-Holstein auf die Fahnen geschrieben. Sie bauen Bodenbearbeitungsgeräte, die es nicht von der Stange gibt.
Im Nachhinein war 2020 nicht das einfachste Jahr, um etwas Neues zu beginnen. Mats Blöcker und Ferdinand Hayessen übernahmen zum 1. Januar nach kurzen Verhandlungen im Vorjahr die Baarck Landmaschinen GmbH & Co. KG im ostholsteinischen Söhren und hätten sich ihren Start etwas unkomplizierter gewünscht. Die Unwägbarkeiten im Weltgeschehen – Corona, Ukrainekrieg – führten zu schwer kalkulierbaren Preisen und Unsicherheiten auf allen Ebenen. Die beiden jungen Geschäftsführer – zu dem Zeitpunkt noch keine 30 Jahre alt – brauchten Mut und Durchhaltevermögen, um in der für sie neuen Branche zu bestehen.
Ein Sprung ins kalte Wasser. Mats Blöcker hat Landwirtschaft studiert, Ferdinand Hayessen ist technischer Betriebswirt. Schon zu Studienzeiten kam unter den Freunden die Idee auf, sich gemeinsam selbstständig zu machen. »Das Visier war offen, wir haben uns auch für andere Branchen interessiert«, berichtet Hayessen. Dass die beiden Landwirtskinder dann doch in der Agrarbranche landeten, ergab sich über eine Ausschreibung der IHK-Nachfolgebörse »nexxt-change«. Dort inserierte der damalige Eigentümer der Baarck Landmaschinen und suchte für seinen Betrieb einen neuen Eigentümer. Individualisierter Maschinenbau war schon bei der Gründung des Unternehmens vor nahezu 60 Jahren ein Fokus und letztlich der ausschlaggebende Punkt für die beiden Männer, das Unternehmen zu kaufen und weiterzuführen.
Individuell und nah am Kunden. »Wir sahen den großen Mehrwert darin, dass die Beziehung weit über einen gängigen Kundenkontakt hinaus geht, und genauso leben wir es«, sagt Mats Blöcker. Nachdem in den Anfangsjahren die äußeren Umstände und die Anpassung der Firmenstrukturen und des Führungsstils für eine Neuordnung sorgten, nahm die Produktion in den letzten beiden Jahren Fahrt auf. Ungefähr 50 neue Bodenbearbeitungsgeräte pro Jahr baut Baarck Landmaschinen mit 14 Mitarbeitern. Das Team um Hayessen und Blöcker ist mit einem Altersdurchschnitt von Anfang 30 überdurchschnittlich jung und hält eine hohe Leistungsbereitschaft vor.
Das Repertoire beschränkt sich derzeit auf sämtliche Maschinen und Geräte rund um die Bodenbearbeitung. Dabei nimmt der Sonderbau die zentrale Rolle ein. Landwirte treten mit mehr oder weniger konkreten Wünschen an Blöcker und Hayessen heran. Bei der Entwicklung einer neuen Maschine gibt es kontinuierlich einen intensiven Austausch mit dem Landwirt. Nach einem ersten – meist persönlichen – Treffen der beiden Geschäftsführer und ihres Konstrukteurs mit den Kunden wird das Produkt besprochen und eine Preiskalkulation durchgeführt. Nach offizieller Auftragserteilung durch den Kunden wird das Gerät gezeichnet und so lange angepasst, bis eine Endversion gefunden ist. Im Anschluss startet die Beschaffung der Rohmaterialien und die Fertigung beginnt. Dabei werden alle Konstruktionsschritte in Söhren selbst getätigt. 2021 haben Blöcker und Hayessen den Standort um weitere 600 m2 Produktionsfläche erweitert und eine eigene Lackierungsanlage integriert.
Ein besonderer Vorteil der Geschäftspartner sind ihre verschiedenen Talente. So haben sich im Laufe der Zusammenarbeit unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte ergeben: Während Blöcker vermehrt für das Backoffice, das Marketing, die Internetpräsenz des Unternehmens und Projekte außerhalb des täglichen Geschehens wie den Hallenneubau zuständig ist, konzentriert Hayessen sich auf den technischen Part, die Kalkulationen und den Verkaufsvorgang.
»Wir lernen mit jedem neuen Kunden und jeder neuen Maschine dazu«, erzählt Mats Blöcker. Die individuellen Gegebenheiten auf den unterschiedlichen Standorten haben verschiedene Anforderungen an die Bodenbearbeitung. Oft ist die Entwicklung einer Maschine deshalb auch nur in einem Dialog zwischen den Erbauern und den Anwendern möglich. Die gesammelten Erfahrungen aus den vergangenen Jahren ermöglichen Blöcker und Hayessen eine immer bessere Beratung ihrer Kunden. »Das Machen steht bei uns im Vordergrund«, sagt Hayessen. »Deshalb nennen wir uns auch die Landtechnik-Macher.« In Arbeitsspitzen packen beide Geschäftsführer in der Werkstatt selbst mit an und kennen ihre Maschinen in- und auswendig. Gern würden sie weitere Mitarbeiter einstellen. Das gestaltet sich wie in allen Branchen aktuell aber schwierig. Mit derzeit drei Auszubildenden zur Fachkraft Metalltechnik sorgen sie deshalb selbst für ihren Nachwuchs.
In den kommenden Jahren sollen die Produktion weiter ausgebaut und die Prozesse optimiert werden. 2024 kommt außerdem ein weiterer Geschäftszweig dazu. »Wir haben festgestellt, dass viele unserer Kunden spezialisierte Geräte nur für eine kurze Zeit oder nur für eine kleine Fläche benötigen«, so Blöcker. Deshalb bietet das Duo ab diesem Jahr einige Maschinen zur Miete an. Den Landwirten verschafft das eine höhere Flexibilität.
Nach vier Jahren zieht das Unternehmergespann ein positives Resümee. Vor allem die fruchtbare Zusammenarbeit untereinander führe dazu, dass sie mutigere und fundiertere Entscheidungen treffen und die Beratung der Landwirte sehr individuell und ausführlich stattfinden kann.
Entstehung einer spezialisierten Messerwalze
Für die anstehende Frühjahrsbodenbearbeitung setzte Baarck Landmaschinen die Anforderungen des Direktsaatbetriebes von Christian Beste, Agrargenossenschaft Buckau eG aus Brandenburg um. Der Kunde wünschte ein verlässliches Zerschneiden sämtlicher Bestände (z. B. nach Mais oder Zwischenfrüchten), bei der die Lagerung durch Vibrationsdämpfer geschont werden sollte und die Walzenelemente optional mit Wasser befüllt werden können. Dadurch soll die Walze schwerer sein als herkömmliche Produkte und die Vibration auf Lager und Rahmen minimieren. Außerdem war eine v-förmige Anordnung der Messer gewünscht, um bei doppelter Überfahrt in beiden Richtungen einen X-Schnitt zu erzeugen. Die Arbeitsbreite sollte 6 m betragen. Andere Hersteller bauen auch große Messerwalzen, allerdings sind diese häufig nicht schwer genug und nur mit geraden Messern ausgestattet, die eher hacken als schneiden.
In einem ersten Schritt schauten Blöcker und Hayessen, was sie von anderen Maschinen adaptieren können. In dem Fall passte der Grundaufbau bzw. das Klappprinzip der Baarck Standard-Ackerwalze. Es folgten Gespräche mit Lieferanten zu Möglichkeiten in der Herstellung von Messerklingen, insbesondere zu Spindelung und Größe.
Nach Auftragserteilung wurden spezielle Messer entworfen und produziert. Die Konstruktion wurde dem Kunden mittels Bilddokumentation und Detailangaben vorgestellt. Als der Kunde diese bestätigte, begann der Produktionsprozess. Nach Lieferung aller fertigungsrelevanten Materialien wurde die Maschine gefertigt, lackiert und montiert. Nach Erhalt der Betriebserlaubnis und Straßenzulassung wurde das Gerät zum Kunden transportiert und im Ersteinsatz von Mats Blöcker und Ferdinand Hayessen begleitet.