Iran-Krieg. Ernährungssicherheit in Gefahr? Ein Blick auf die Fakten
Diese Meldungen prägen aktuell jede Nachrichtensendung: Tanker stauen sich vor der Straße von Hormus, Ölpreise schießen nach oben, an den Zapfsäulen wird es spürbar teurer. Die Folge ist absehbar – steigender Inflationsdruck. Und schnell ist die nächste Schlagzeile da: "Dünger-Dilemma in Deutschland" titelte gestern etwa "Wirtschaft vor acht" in der ARD. Droht jetzt also tatsächlich eine Düngemittelkrise – und am Ende sogar eine Gefährdung der Ernährungssicherheit?
Die kurze Antwort: Nein – zumindest noch nicht. Denn anders als derzeit vielfach suggeriert, ist Dünger in Europa aktuell nicht knapp. Im Gegenteil: Die Lager sind gut gefüllt. Hintergrund ist ausgerechnet die neue CO₂-Grenzabgabe (CBAM). Viele Importeure haben Ende 2025 ihre Lager bewusst aufgefüllt, um höheren Abgaben zuvorzukommen. Gleichzeitig haben viele Betriebe ihre erste und zweite Gabe frühzeitig gesichert. Was sich allerdings deutlich verändert hat, ist der Preis – und zwar aus drei Gründen:
- Erstens: Energie. Flüssiggas ist der zentrale Rohstoff der Stickstoffproduktion. Fällt Katar als wichtiger Exporteur teilweise aus und steigt die globale Nachfrage, zieht das die Gaspreise – und damit die Düngerkosten – nach oben.
- Zweitens: Produktion. Wenn Gas fehlt oder zu teuer wird, stehen Anlagen still – etwa in Ägypten, aber auch in Europa. So hat SKW Piesteritz, einer der letzten verbliebenen Düngemittelhersteller hierzulande, seine Produktion drastisch zurückgefahren. Das schlägt direkt auf Harnstoff, Ammoniak und in der Folge auch auf Phosphatdünger durch.
- Drittens: Logistik. Die Straße von Hormus ist das eigentliche Nadelöhr des globalen Düngermarktes. Fast die Hälfte des weltweit gehandelten Harnstoffs und Schwefels passiert diese Route. Wird sie blockiert, verteuert sich nicht nur Energie – sondern die gesamte Versorgungskette.
Und dennoch gilt aktuell: Wir sehen vor allem ein Preisproblem, kein Mengenproblem. Das heißt aber nicht, dass Entwarnung angesagt ist. Denn die Lage ist hochgradig zeitabhängig. Bleibt die Passage durch die Straße von Hormus länger eingeschränkt, droht aus dem heutigen Preisschock tatsächlich eine Versorgungskrise zu werden. Genau hier liegt der entscheidende Punkt für die Einordnung: Die Debatte um "Ernährungssicherheit" ist derzeit vor allem eine Projektion möglicher Entwicklungen – keine Beschreibung der aktuellen Realität. Entscheidend ist, wie lange der geopolitische Ausnahmezustand anhält. Oder zugespitzt formuliert: Nicht der Dünger ist knapp – sondern es mangelt an verlässlichen Rahmenbedingungen.
Diese Meldung stammt aus unserem Newsletter “Spotlight” vom 19.03.2026. Hier können Sie sich zum kostenlosen Newsletter anmelden.