Milchpreise: Talsohle voraussichtlich im Februar erreicht
Nach den zweithöchsten durchschnittlichen Milchpreisen, die je gezahlt wurden, folgt derzeit die Ernüchterung für die Milchlieferanten. Doch wie sind die Prognosen? Welche Bedeutung hat Mercosur? Darum ging es auch einer Pressekonferenz des Milchindustrieverbandes (MIV) im Rahmen des Milchpolitischen Frühschoppens anlässlich der Grünen Woche.
Als Gründe für das Kippen des Milchmarktes in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 nach der zuvor längeren Hochpreisphase nannte Detlef Latka, Vorsitzender des MIV und Geschäftsführer der Molkereigenossenschaft Hochwald, das gestiegene Milchaufkommen aufgrund verschobener Abkalbungen als Nachwehen der Blauzungenkrankheit, die gute Grundfuttersituation in Europa und weltweit und die relativ niedrigen Preise für Zukauffutter. „Wir in Deutschland hatten 7 bis 8 Prozent höheres Milchaufkommen im Laufe des vergangenen Jahres und das hat zu dem Problem geführt, in ausreichend Nachfrage für diese Milchmenge und die Verarbeitungskapazität zu finden“, so Latka Letztendlich habe dann das Im Weihnachtsgeschäft haben sich dann die Lebensmittelketten mit immer weiter sinkenden Preisen gegenseitig unterboten. Das alles sei der Grund dafür gewesen, dass die Preisabschlüsse im deutschen Handel auf deutlich niedrigerem Niveau erfolgten und auch international die Preise einbrachen.
Anhaltender Preisdruck 2026
Detlef Latka erwartet für 2026 einen anhaltenden Preisdruck, die Ursache dabei sei aber ein weiterhin bestehendes Milchüberangebot, nicht ein Nachfragerückgang.
Wann eine Erholung kommen werde, sei schwer vorherzusagen. Der MIV geht davon aus, dass der Preisboden im Februar oder März erreicht wird. Danach könnten sich die Preise für eine Weile in der waagerechten bewegen. Ab Mitte des Jahres erwartet der Verband einen Rückgang der Milchmenge als Folge von marktwirtschaftliche Anpassungsprozessen. Hierzu zählen neben wettbewerbsfähigeren Exportpreisen, leider auch ein Bestandsabbau und der fortschreitende Strukturwandel.
Mercosur
Zum Handelsabkommen Mercosur sagte Detlef Latka: „Es ist aus Sicht der Milchindustrie weniger ein Risiko als vielmehr eine Chance zur Erschließung neuer Märkte. Beispielsweise ist Südamerika ein großer Absatzmarkt für Käse und hochveredelte Produkte.“
„Angesichts der zollpolitischen Risiken durch die USA und auch China ist ein durch Mercosur geöffneter Markt wichtig“, pflichtete ihm Hans Holtorf, stellvertretender MIV-Vorsitzender und Geschäftsführer bei der Molkerei frischli bei.
„Beispielsweise ist Brasilien aus europäischer Sicht ein starker Absatzmarkt, z.B. für Käse, Kondensmilch und Kindernahrung“, sagte MIV Geschäftsführer Dr. Björn Börgermann. „Das Mercosur-Abkommen sieht vor, dass die EU 30000 t Käse pro Jahr zollvergünstigt in Mercosur-Länder exportieren darf.“