Weizenpreise. Wenn Meerengen Märkte bewegen
An so manchen bisher eher unbekannten Straßennamen haben wir uns gewöhnt, etwa die Straße von Hormus. Die Straße von Gibraltar kennen wir schon lange und auch von der Malakkastraße haben wir in der Schule gehört.
Nicht auf dem Lehrplan stand die Straße von Bab al-Mandab, die den Ausgang des Roten Meeres bildet. Und die Straße von Kertsch kennen die meisten von uns auch erst seit ein paar Tagen. Die aber hat es in sich, denn sie ist ebenso wie die Hormusstraße derzeit gesperrt. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist von einem Luft- und Landkrieg zu einem Seekrieg ausgeweitet. Die Russen bombardieren die Häfen und zwingen Silobetreiber, den Betrieb einzustellen. Die Ukrainer versenken erfolgreich Schiffe vor russischen Häfen. Beides sorgt dafür, dass weniger Weizen aus den beiden Ländern fließt – und noch mehr sorgt das für Angst an den Börsen. Am Mittwoch vergangener Woche brachen alle Dämme und Weizen schoss durch die Decke. Der Grund lag vor allem in den Kriegsereignissen, weniger in einer Missernte. Denn trotz aller schlechter Ernten in Thüringen, Sachsen, Tschechien und Ungarn (vielleicht auch Polen) gibt es völlig ausreichend Weizen.
Anders sieht das beim Mais aus, der in Frankreich und Ungarn auf der Strecke bleibt. Die französische Ernte könnte sich sogar halbieren schätzen lokale Analysten. Wie auch immer, das alles ist nichts gegen den Raps: In Polen sollen bis zu 800.000 t fehlen, bei uns melden die bisherigen Druschregionen ein buntes Gemisch von Top-Erträgen bis hin zu Einbußen von 20%. Und das Rohöl steigt im Preis, diesmal wieder wegen der bis vor Kurzem fast schon wieder in Vergessenheit geratenen Hormusstraße.
Was heißt das für den Markt? Politische Preise (und Kriege sind in höchstem Maße politisch) haben in der Regel kein langes Leben. Daher steht zu vermuten, dass das Hoch beim Weizen nur kurzzeitig ist – und das spricht dafür, zu verkaufen. Beim Raps kommt zur Politik eine echte Knappheit, daher hat dessen Vermarktung nach hinten noch mehr Luft. Noch reichen die Preisanstiege nicht aus, um die Einbußen beim Getreideertrag aufzufangen. Aber ein Anfang ist gemacht – verschlafen Sie ihn nicht.
Der Beitrag stammt aus unserem Newsletter “Spotlight” vom 16.07.26. Hier können Sie sich zum kostenlosen Newsletter anmelden.