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Sauenfruchtbarkeit. Bioproduktion hat viel Luft nach oben

Dass in Biobetrieben die Fruchtbarkeitsleistungen niedriger sind als in konventionellen, liegt nicht zuletzt an der durchgängigen Gruppenhaltung. Aber auch dabei gibt es Möglichkeiten, die Leistung zu verbessern, zeigt Steffen Hoy.

Die Säugezeit beträgt mindesten 40 Tage, das Absetzen findet montags statt. Wie beschrieben erfolgt ab Tag 3, bei einzelnen Sauen auch früher, eine einmal tägliche Brunstkontrolle. Dazu werden die Sauen vor einen Eber gestellt und bei Brunst sofort besamt. Genauso wird an den folgenden Tagen verfahren. Die mit Abstand höchste Abferkelrate von 82,7 % wurde bei der KB vier Tage nach Absetzen erreicht (Übersicht 1, S. 65). Die am Tag 3 belegten Sauen (Frührauscher) hatten im Vergleich zu den am Tag 4 erstmalig besamten Sauen eine um etwa 10 % niedrigere Abferkelrate und einen deutlich geringeren Ferkelindex (Abferkelrate x mittlere Wurfgröße). Frührauscher erreichen normalerweise gute Abferkelergebnisse. An den Tagen 0 bis 2 (AFR = 55,7 %) und vor allem an Tag 5 bis 8 (AFR = 48,5 %) nach dem Absetzen besamte Sauen fielen extrem ab. Dabei unterschieden sich die Wurfgrößen nicht wesentlich zwischen den Besamungstagen. Das spricht dafür, dass die Ursache in der Besamungsdurchführung liegt. 
Der Ablauf im Betrieb sieht bei der Besamung keine Differenzierung zwischen Früh-, Normal- und Spätrauschern vor. Optimal wäre es, Frührauscher 24 Stunden nach Duldung zu besamen. Technisch bedingt werden allerdings die für die KB empfohlenen Abstände zwischen Duldung und KB 1 sowie zwischen den weiteren KB nicht berücksichtigt. Denn der Aufwand für das Treiben jeweils aller Sauen der Gruppe ist sehr groß. Demzufolge ist die Besamung als reproduktionsphysiologisch nicht optimal zu bezeichnen. 
Die Auswertung des Sauenplaners hat aber einen weiteren Faktor ans Licht gebracht: Die zwei Personen, die Besamungen vornehmen, erzielen deutlich unterschiedliche Abferkelraten. Das war bisher nicht bekannt.
 

Übersicht Leistungsdaten bei Sauen mit unterschiedlichen Absetz-Beleg-Intervallen

Die Vorschläge zur Verbesserung des Besamungsmanagements wurden ab Oktober 2024 umgesetzt. In die Auswertung gingen insgesamt 123 Altsauen-Erstbelegungen (ohne Umrauscher-Besamungen) ein. Die Abferkelrate verbesserte sich durch das veränderte Management auf 78 % und somit um 5,4 % gegenüber dem davor liegenden einjährigen Vergleichszeitraum (Übersicht 2). Die Frührauscher (am Donnerstag besamte Sauen) erreichten mit 82,5 % unter den Bedingungen der Gruppenhaltung relativ gute Besamungsergebnisse. Gegenüber den Werten in Übersicht 1 verbesserten sich die Frührauscher in der Abferkelrate um 9 %.
Im Zeitraum nach der Umstellung wurden 25 Jungsauen besamt (ohne Umrauscher-Belegungen). Die Abferkelrate war um 1,1 % besser als im Zeitraum davor. Aufgrund der geringen Anzahl an Jungsauen ist aber keine statistisch abgesicherte Aussage möglich.
Auch die Anzahl lebend geborener Ferkel je Wurf bei den Altsauen verbesserte sich um 0,22 im Vergleich zum alten Management (Übersicht 2). Die Jungsauen warfen zwar etwas mehr gesamt geborener Ferkel. Aufgrund einer höheren Anzahl tot geborener Ferkel brachte die Umstellung jedoch keinen Vorteil bei den lebend geborenen Ferkeln.
 

Übersicht Leistungsdaten bei Altsauen