Preisfindung Schwein. »Alle wissen, so kann es nicht weitergehen«
Der Großteil der hierzulande erzeugten Mastschweine ist mittlerweile vertraglich gebunden. Das hat die bisherige Preisfindung ausgehebelt. Die Lieferverträge müssen auf eine neue Basis gestellt werden, um das Risiko in der Kette wieder fairer zu verteilen, sagt Torsten Staack.
Mitten in der Grillsaison und der Fußball-WM stürzt der Schweinepreis auf 1,40 €/kg Schlachtgewicht ab – und das, obwohl der Fleischabsatz auf dem Inlandsmarkt gut läuft. Im Zentrum der Kritik steht die Preisbildung. Ihre Dynamik hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert: Die Ausschläge sind deutlich größer geworden, die Frequenz der Preisänderung ist gesunken.
Herr Staack, das aktuelle Preisniveau gibt vielen Betrieben nach Jahren der Produktionskostensteigerung und Unsicherheit den Rest. Wie ernst ist die Lage?
Die Lage ist derzeit sogar dramatischer als während der Corona-Pandemie, weil vielen Betrieben die Liquidität ausgeht. Solche Marktverwerfungen nehmen vor dem Hintergrund globaler Warenströme und geopolitischer Unsicherheiten zu. Das damit verbundene Risiko wird für immer mehr Schweinehalter zum Ausstiegsgrund. Zwar ist der Großteil der erzeugten Schlachtschweine in irgendeiner Form an einen Schlachthof gebunden. Doch die Verträge bieten den Erzeugern meist keine Risikoabsicherung gegen die zunehmenden Preisschwankungen. Im Gegenteil: Das Marktrisiko liegt heute stärker denn je bei den Schweinehaltern.