Kommunikation. Der Mensch macht den Unterschied
Erfolgreiche Betriebsführung lebt nicht allein von Zahlen, Technik und Fachwissen. Denn am Ende treffen immer Menschen die Entscheidungen. In unserem Podcast »Mensch.Betrieb.Zukunft« sprechen wir mit Kay Tönnsen über die Themen, die Betriebsleiter, Familien und Mitarbeiter im Alltag bewegen.
Was wollen wir als Mensch wirklich? Was wollen wir als Familie wirklich? Mit diesen beiden Fragen eröffnet Kay Tönnsen die erste Folge unseres Podcasts Mensch.Betrieb.Zukunft. Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht – denn sie fällt für jeden von uns anders aus.
Mentale und zwischenmenschliche Themen gewinnen auch in der Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Kay Tönnsen erlebt diese Entwicklung täglich in seiner Arbeit als Coach, Mediator und Trainer mit landwirtschaftlichen Familien.
Die Anforderungen an Betriebsleiter sind heute komplexer denn je. Neben fachlichen und unternehmerischen Entscheidungen gilt es, Erwartungen innerhalb der Familie, im Mitarbeiterteam und im persönlichen Umfeld gerecht zu werden. Entstehen dort Konflikte, wächst oft das Bedürfnis nach Klarheit und Orientierung. Genau hier setzt unser Podcast an. Er bietet einen niedrigschwelligen Einstieg in diese Themen – und macht deutlich: Mit diesen Herausforderungen stehen viele nicht allein.
Stress und Resilienz
Die Ernte steht vor der Tür oder läuft bereits – eine Phase, in der nicht immer alles nach Plan läuft und häufig in stressigen Situationen ein kühler Kopf bewahrt werden muss. Wie das gut gelingen kann und dass eine kleine Kaffeepause Wunder wirken kann, besprechen Kay Tönnsen und Katharina Skau.
Menschen und Bedürfnisse
In landwirtschaftlichen Familien arbeiten häufig drei Generationen Seite an Seite: die abgebende, die verantwortliche und die heranwachsende. Hinzu kommen Mitarbeiter, Eltern oder Nachbarn. Dieses enge Miteinander kann gerade in Phasen der Hofübergabe zur Herausforderung werden. »Wir können das nicht sachlich betrachten, wir sind Menschen mit Bedürfnissen und Gefühlen«, sagt Kay Tönnsen. Zwar nehmen sich viele Beteiligte vor, Konflikte möglichst sachlich zu lösen. Doch Familienunternehmen funktionieren nicht allein nach sachlichen Kriterien. Erwartungen, Erfahrungen und Emotionen prägen Entscheidungen ebenso wie betriebliche Fakten.
Gerade über diese Themen wird jedoch oft zu wenig gesprochen. Vieles bleibt unausgesprochen, weil eine offene Kommunikation nicht selbstverständlich ist. Umso wichtiger ist es, die Bedürfnisse aller Beteiligten ernst zu nehmen – nach Sicherheit, Wertschätzung und Anerkennung ebenso wie nach Transparenz und Information.
»Stell dich nicht so an, es wird schon gehen – das ist der schlimmste Satz, den man sagen kann«, sagt Kay Tönnsen. Der erste Schritt sei, anzuerkennen, dass jeder Mensch unterschiedlich empfindet und unterschiedliche Bedürfnisse hat. Alles beginnt damit, das Gegenüber ernst zu nehmen. Auch ein traditionelles Wertesystem habe selbstverständlich seine Berechtigung. Gleichzeitig prägt das eigene Erleben in der Vergangenheit die Erwartungen und Bedürfnisse der Gegenwart. Deshalb könne ein Perspektivwechsel helfen. Was wäre, wenn sich die eigenen Erwartungen nicht vollständig erfüllen, Sohn oder Tochter dafür aber auf einem anderen Weg deutlich glücklicher würde? Zu sagen: »Nun denk doch mal untraditionell« – das würde nichts bringen.
Stress und Resilienz
Warum sind manche Landwirte resilienter als andere? Für Kay Tönnsen gibt es darauf keine einfache Antwort. Viele Faktoren spielten zusammen. Entscheidend sei unter anderem die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang von Selbstwirksamkeit. Auch resiliente Menschen geraten unter Stress. Sie finden jedoch meist schneller wieder zurück in ihr Gleichgewicht. Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz: Dein Stress ist nicht mein Stress. Menschen reagieren auf dieselbe Situation ganz unterschiedlich. Jeder hat seine individuelle Belastungsgrenze. »Fatal ist es, zu sagen: Das ist doch Unsinn, nun nimm das nicht so schwer. Das kann doch keinen Stress bei dir auslösen«, gibt Kay Tönnsen zu bedenken.
Stress ist zunächst nichts Negatives. Physiologisch versetzt er den Körper in einen Zustand erhöhter Leistungsbereitschaft – etwa während der Ernte oder anderer arbeitsintensiver Phasen. Entscheidend ist jedoch, wie lange dieser Zustand anhält. Auf Anspannung muss Entspannung folgen. Das kann ein freies Wochenende sein oder im Alltag auch nur eine gemeinsame Kaffeepause mit dem Ehepartner. Gerade in belastenden Phasen fällt es vielen Menschen schwer, Hilfe anzunehmen. Umso wichtiger ist ein Umfeld, das aufmerksam bleibt und fragt: »Was brauchst du gerade? Wie kann ich dich unterstützen?« Oft sind es kleine Gesten – ein gekochter Kaffee oder eine vorbereitete Mahlzeit –, die mehr bewirken als gut gemeinte Ratschläge.
Kommunikation und Mitarbeiter
Ackerbaubetriebe stehen häufig vor einem Dilemma: In arbeitsintensiven Phasen fehlen Mitarbeiter, in ruhigeren Zeiten ist nicht immer genügend Arbeit für alle da. Viele Betriebsleiter versuchen, diese Spitzen selbst aufzufangen – oft zulasten der eigenen Belastung. Genauso wichtig ist aber auch die Bereitschaft, Mitarbeitern Freiräume zu geben, wenn weniger Arbeit anfällt. Künstlich Beschäftigung zu schaffen, hilft am Ende niemandem – weder dem Betrieb noch den Mitarbeitern. Mitarbeiter zu motivieren und produktiv zu führen gehört heute zu den wichtigsten Aufgaben eines Betriebsleiters. Gelernt haben das jedoch die wenigsten. »Landwirt wird man aus Interesse am Pflanzenbau oder der Tierhaltung – und nicht, weil man Lust auf zehn Mitarbeiter hat«, sagt Kay Tönnsen. Umso wichtiger sei es, sich auch im Bereich Führung und Kommunikation weiterzuentwickeln.
Besonders anschaulich beschreibt Tönnsen dies mit der Kommunikationstreppe: Gedacht ist noch nicht gesagt, gesagt ist noch nicht gehört, gehört ist noch nicht verstanden, verstanden ist noch nicht einverstanden und einverstanden ist noch nicht umgesetzt. Menschen handeln immer auf Grundlage ihrer eigenen Erwartungen und Erfahrungen. Kommt es zu Missverständnissen, lohnt sich deshalb zunächst der Blick auf den eigenen Anteil. »Was ist eigentlich mein Anteil daran, dass das jetzt schiefgelaufen ist?«, regt Kay Tönnsen an.
Kommunikation braucht vor allem Zeit.
Zeit, um Aufgaben in Ruhe zu erklären, zwischendurch nachzufragen und gemeinsam zu prüfen, ob alles verstanden wurde. Gerade in arbeitsreichen Phasen fällt das schwer. Trotzdem zahlt sich diese Investition aus. Wer auch unter Zeitdruck klar kommuniziert, vermeidet Missverständnisse, reduziert Fehler und nimmt seine Mitarbeiter mit.
Fazit
Erfolgreiche Betriebsführung beginnt nicht erst bei Strategien, Investitionen oder Maschinen. Sie beginnt bei den Menschen, die Entscheidungen treffen, Verantwortung tragen und gemeinsam einen Betrieb gestalten. Genau darüber sprechen wir in unserem Podcast Mensch.Betrieb.Zukunft. – über Führung, Kommunikation und die Frage, wie sich unternehmerischer Erfolg und die Bedürfnisse der Menschen auf dem Betrieb miteinander verbinden lassen.