Hilfestellungen. Welches Angebot zu Ihrem Problem passt
Coaching oder Beratung – was hilft Ihnen wann weiter? Wir zeigen, was beides voneinander unterscheidet und nennen Beispiele.
Jeder Landwirt hat sich schon einmal beraten lassen: Von Steuerberatung über betriebswirtschaftliche Beratung bis hin zu Fütterungsberatung ist es gängige Praxis, für bestimmte Fragestellungen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aber haben Sie schon mal etwas von Coaching gehört? Auf dem Markt gibt es verschiedenste Varianten. Doch zu welchem Thema oder Problem passt welches Angebot? Wie genau definiert sich Coaching und wo grenzt sich Beratung ab?
Was ist Beratung?
Beratung in Pflanzenbau, Tierhaltung oder Betriebswirtschaft ist gängige Praxis in der Landwirtschaft und seit Jahrzehnten etabliert. Ziel einer Beratung ist es stets, eine Verbesserung zu erzielen. Wo liegen Schwachpunkte und wie können sie angepackt werden?
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Hilfestellungen: Welches Angebot zu Ihrem Problem passt
Die inhaltliche Verantwortung während einer Beratung liegt sowohl bei dem Berater als auch bei dem Mandanten. Beide Parteien bringen Ideen ein. Ein Problem wird identifiziert und in einen Kontext eingeordnet, um eine Entscheidung zu treffen bzw. eine Lösung zu erarbeiten. Entscheiden, wie es dann final gemacht wird, tut der Landwirt. Beratung ist problem- und zielorientiert und konzentriert sich zum Beispiel auf Wachstum, Kostenersparnis oder Effizienz.
In der Analyse der Ist-Situation werden Strukturen, Prozesse, Probleme und Daten des Mandanten unter die Lupe genommen. Nachdem klar ist, wo es hingehen soll, werden Handlungsoptionen erarbeitet, deren Umsetzung dann in der Hand des Mandanten liegen. Unternehmensberatung ist fachbezogen.
Merkmal einer Beratung ist ebenfalls, dass der Berater Informationen aus anderen Fällen seiner Tätigkeit – je nach Thema passend – anwendet und damit durch eine Weitergabe von Wissen zur Problembehebung beiträgt. Auch der Vergleich zwischen beispielsweise betriebswirtschaftlichen Kennzahlen einzelner Klienten kann der Zielerreichung des Einzelnen dienen und ein Teil der Beratungsleistung sein. An diesem Punkt unterscheidet sich Beratung maßgeblich von Coaching, ein Vergleich zwischen Mandanten findet nicht statt.
Was ist Coaching?
»Systemisches Businesscoaching« ist vielfältig und kann in Gruppen, im Team oder als Einzelcoaching stattfinden. Die Verantwortung für den Prozessablauf liegt stets beim Coach, während der Inhalt und das Ergebnis ausschließlich vom Klienten gesteuert wird. An dieser Stelle besteht ein deutlicher Unterschied zur Beratung. Ein Berater steuert auch Ideen und Vorschläge bei, während in einem Coaching die Inhalte nur von der gecoachten Person kommen.
In ein Coaching kommt der Mandant mit einem Thema, das ihn beschäftigt, in das er allein aber bisher keine geordnete Struktur bringen konnte. Dieses Thema kann im systemischen Businesscoaching relativ weit gefasst sein und von einem Veränderungswunsch über Generationenkonflikte bis hin zu dem Umgang mit einem problematischen Mitarbeiter gehen. Nach einer Visualisierung des Themas folgt eine Analyse der Situation, wie sie aktuell ist. Dabei legt der Mandant alle Zusammenhänge in Bezug mit seinem Thema dar. Dazu gehört das direkte private und berufliche Umfeld, alle Personen, die mit diesem Thema zu tun haben sowie Werte, Motive oder Ressourcen des Mandanten.
Aus der Ist-Darstellung ergibt sich eine Zielformulierung. Was möchte der Klient mit diesem Coaching in Bezug auf sein Thema erreichen? Dabei wird darauf geachtet, dass ein Ziel stets »SMARTE« ist. Das heißt, es muss spezifisch sein, messbar, akzeptiert, realistisch, zu einem bestimmten Termin erreichbar und eigenverantwortlich umsetzbar. Das bedeutet, dass das Ziel eines Coachings stets in den Händen des Klienten liegt.
Es folgt das Erarbeiten von Ressourcen durch verschiedene Fragetechniken des Coaches und Anwendung von zum Ziel passenden Modellen. Anschließend führt der Coachingprozess in das Ableiten von konkreten Handlungs- und Verhaltensoptionen, die der Zielerreichung dienen. Auch diese werden terminiert und mit der »SMARTE«- Regel abgeglichen. Am Ende eines Coachings hat der Mandant in der Regel konkrete Handlungsmöglichkeiten, mit denen er seinem Ziel näher kommt und die inhaltlich, wenn auch durch den Coach gesteuert, von ihm selbst kommen.
Anwendungsbeispiele
Ein typischer Beratungsfall in der Landwirtschaft ist der Vergleich betriebswirtschaftlicher Kennzahlen wie zum Beispiel eines extrem hohen Pflanzenschutzmittelaufwandes oder ein sehr schlechter Gesundheitsstatus im Sauenbestand. Die Beratungsleistung tritt in dem Moment ein, in dem der Vergleich von beispielsweise Reinertrag oder Grundrente mit stärkeren oder schwächeren Betrieben in Handlungsoptionen mündet. An welcher Stelle kann der zu beratende Betrieb mehr Erlös herausholen, wie gelingt an anderer Stelle eine Einsparung von Kosten? Werden beispielsweise zwei Milchviehbetriebe verglichen mit gleicher Anzahl melkender Kühe, aber sehr unterschiedlichen Aufzuchtkosten, kann der Berater im Vergleich klar machen, woran das liegt. Teil einer Beratung kann beispielsweise die Erstellung eines Liquiditätsplanes sein, bei der der Berater auch einen Wissenstransfer aus anderen Betrieben einbringt und inhaltlich konkrete Vorschläge zur Verbesserung macht.
Ein typisches Coaching-Thema in der landwirtschaftlichen Branche kann relativ weit gefasst sein: Ein Landwirt arbeitet übermäßig viel, findet aber in dieser Lebenssituation zu wenig Zufriedenheit und wünscht sich Zeiträume, die er frei gestalten kann. Bei einer Analyse der Ist-Situation werden alle Personen und Umstände berücksichtigt, die mit seinem Thema zu tun haben. Dies können beispielsweise sein: Mitarbeiter und das Team, die Familie, die täglichen Aufgaben und äußere Umstände wie Wetter oder Preise.
Aus der Analyse der aktuellen Situation kann sich folgendes Ziel ergeben: »Bis zum 1. Mai möchte ich fünf Stunden in der Woche Zeit haben, um einem Sport nachzugehen.« Das Ziel ist spezifisch, messbar (fünf Stunden), anspruchsvoll, realistisch, terminiert (bis zum 1. Mai) und eigenverantwortlich durch den Klienten zu erreichen. Dafür werden im nächsten Schritt Ressourcen identifiziert, die dem Mandanten bei der Zielerreichung helfen können. Diese können je nach Lebenssituation verschieden aussehen: eine Person, die in der entsprechenden Zeit Aufgaben des Klienten übernimmt oder aber eine Umstrukturierung von Betriebsabläufen. Im Anschluss werden konkrete Handlungen notiert, die der Mandant zur Erreichung seines Ziels umsetzen kann. Dies kann beispielsweise ein Gespräch mit einer Person sein, Einführung von neuen Betriebsabläufen und die Abgabe von Verantwortung an Dritte.
Coaching kann auch bei der Vorbereitung von Gesprächen im geschäftlichen Kontext unterstützen. Es kann ein strukturierter Gesprächsleitfaden erstellt oder durch Anleitung des Coaches die Rolle des Gesprächspartners beleuchtet werden. Ein weiteres Beispiel für einen Coachingfall kann die Entscheidungsfindung eines landwirtschaftlichen Betriebsleiters sein, ob er in seinem aktuellen Angestelltenverhältnis bleiben möchte oder eine berufliche Veränderung anstrebt. Die Zielformulierung könnte lauten: »Ich habe mich bis zum 1. Mai entschieden, ob ich meinen Job kündige.« Der Coachingprozess unterstützt in diesem Fall dabei, die Entscheidung von allen Seiten zu beleuchten und kann auch zu Erkenntnissen führen, die der Klient so vorher nicht sehen konnte: Eventuell ist es nicht die Arbeit selbst, die zu einem Veränderungsgedanken geführt hat, sondern nur einzelne Aufgaben, die dem Klienten nicht liegen.
Der eigentliche Aufgabenbereich könnte durch eine Umstrukturierung wieder attraktiv werden.