Betriebsführung. Was treibt an, was schreckt ab?
Was motivierend oder demotivierend wirkt, ist individuell verschieden – es gibt nicht den einen Weg, der für alle passt. Was die einen anspornt, kann für andere ein echter Bremsklotz sein. Ronja Diestel beschreibt verschiedene Motivationstypen.
Was motiviert Ihre Mitarbeiter, montagmorgens wieder auf den Hof zu kommen? Haben Sie sich darüber schon einmal Gedanken gemacht? Was jemanden dazu bringt, Spaß an seiner Arbeit zu haben oder nicht, das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Unterschiedliche Faktoren haben verschiedene Wirkungen auf Mitarbeiter.
Motivation ist ein großes Thema. Sie vereinigt verschiedene Motivatoren, die wir uns bewusst machen sollten, um den individuellen Bedürfnissen unserer Mitarbeitenden nachzukommen. Umfragen haben ergeben, dass jeder 6. Mitarbeitende innerlich bereits gekündigt hat. Man kann sich vorstellen, wie wenig konstruktiv eine Zusammenarbeit mit dieser inneren Einstellung sein dürfte. Unzufriedenheit entsteht meist dann, wenn die Kollegen das Gefühl haben, dass die eigenen Bedürfnisse nicht gehört oder berücksichtigt werden oder sie nicht ihren eigenen Stärken gemäß eingesetzt werden.
Vier Mitarbeiter-Typen
Wie kann man also die Motivation der eigenen Mitarbeitenden auf dem Hof positiv beeinflussen? Es sind oft die kleinen Dinge, die in der Kommunikation und der Aufgabenstellung angepasst werden können, um den individuellen Typen besser gerecht zu werden. Für den richtigen Umgang mit den eigenen Mitarbeitenden hilft es, sich mit den verschiedenen Motivationstypen vertraut zu machen. Die Psychologie differenziert vier Typen: ergebnisorientierte, entwicklungsorientierte, wirkungsorientierte und/oder integrative Motivationstypen (siehe Grafik).
Für diese Einsortierung wurde unter anderem unterschieden, ob eine Person extrinsisch oder intrinsisch motiviert ist. Extrinsisch motivierte Menschen legen auf Belohnungen und Privilegien wert. Durch die Macht der Gewohnheit braucht man hier regelmäßig neue Reize, um die gefühlte Motivation aufrechtzuerhalten. Die intrinsische Motivation hingegen kommt von innen. Für einen Arbeitgeber ist es dementsprechend vorteilhaft, diejenigen Mitarbeitenden zu halten, die ausdauernde Antriebskraft für ihre Arbeit von innen aufbringen.
Außerdem unterscheidet die Theorie aufgaben- und kontextorientierte Mitarbeitende. Im Arbeitsalltag erlebt man Menschen, die klare Aufträge brauchen, um Motivation entwickeln zu können. Bei anderen sind es umgekehrt gerade die Herausforderung und Lösungsfindung, die zur Erfüllung der täglichen Arbeit motivieren. Diese Mitarbeitenden bezeichnet man als aufgabenorientiert.
Für kontextorientierte Menschen hingegen zählt die Wirkung der Aufgabe im sozialen Umfeld. Konkret spricht man hier von Mitarbeitenden, die es motiviert, wenn der Erfolg sichtbar ist, wenn das Miteinander in der Gruppe harmoniert und wenn die Arbeit auf einen guten Zweck einzahlt.
Während also zum Beispiel ein Mitarbeiter eine enge Bindung zum Chef benötigt und regelmäßige Kontrolle schätzt, die ihm Sicherheit gibt, ist ein anderer damit zufrieden, wenn er Aufgaben für sich selbst interpretieren kann und eine gewisse Freiheit bei ihrer Erledigung besteht.
Es lohnt sich, herauszufinden, welcher Motivationstyp man selbst ist – und mit welchen Typen man im Arbeitsalltag zu tun hat. Wenn Ihnen noch Informationen fehlen, um Ihre Mitarbeitenden anhand der Typologie besser einzuschätzen, kann ein offenes Gespräch hilfreich sein. Schon das ehrliche Interesse an ihren Bedürfnissen kann die Motivation spürbar steigern. Oft entstehen schon bei der Beschäftigung mit dem Thema Überlegungen dazu, wie sich Kommunikationswege oder Aufgabenverteilungen gezielt anpassen lassen – nicht selten verbunden mit Gedanken an konkrete Personen.
Führung und Motivation
Das Thema Mitarbeiterführung und -motivation findet in der landwirtschaftlichen Ausbildung kaum einen Raum. Häufig sehen sich Betriebsleiter relativ plötzlich mehreren Mitarbeitern gegenüber, ohne sich je Gedanken um deren Belange oder Stärken und Schwächen gemacht zu haben. An dieser Stelle sollte man verschiedene Angebote zur Unterstützung in Betracht ziehen. Das kann zum Beispiel ein auf einen oder mehrere Mitarbeiter direkt bezogenes Coaching sein oder Workshops, in denen sich mehrere Betriebsleiter mit ähnlichen Fragestellungen zusammenfinden.
Intensive Gespräche können motivierend wirken.
Die Arbeit mit Menschen braucht Wertschätzung – und manchmal etwas Mut.
Als Unternehmer ist es nicht immer leicht, auf Sorgen und Bedürfnisse einzugehen, besonders im hektischen Alltag und bei widrigen äußeren Umständen. Und doch: Ein aufrichtiges Gespräch, eine besondere Geste oder eine passende Weiterentwicklungsmöglichkeit können langfristig motivierend wirken.
In Zeiten des Fachkräftemangels entsteht mitunter der Eindruck, dass das »Treckerfahren« zu den wenigen noch attraktiven Einstiegsjobs in der Landwirtschaft gehört – umso wichtiger ist es, den Menschen mit seinen Bedürfnissen hinter der Arbeitskraft wahrzunehmen, ohne die eigenen Erwartungen aus dem Blick zu verlieren.