Zuckerrüben. Was steckt hinter den neuen Südzucker-Lieferrechten?
Schon immer zahlen die Rübenanbauer bei der Südzucker eine Zwangsabgabe an ihre Organisation, das sogenannte Restrübengeld und A+R-Mittel. Jetzt sollen die Anbauer ihr Guthaben in Lieferrechte umwandeln.
Bei Pfeifer & Langen können die Anbauer bis zu 15 % ihrer Lieferrechtsmenge kostenfrei zusätzlich an die Fabrik verkaufen. Bei der Nordzucker sind das ab diesem Jahr 10 %. Bei Südzucker hingegen gab es bisher die Verpflichtung, 25 % mehr zu erzeugen als das Lieferrecht vorsah, um eine Zulage von 3 €/t Rüben (bei 18 % Pol.) zu erhalten. Diese sogenannten Mehrrüben waren bislang kostenfrei. Wer sein Lieferrecht darüber hinaus auf bis zu 40 % ausdehnen wollte, konnte entweder Lieferrechte von Kollegen pachten oder für 1 €/t Lieferrechte aus dem »Südzucker-Pool« aufstocken. Auf Antrag konnten es auch mehr als 40 % sein. Alle über den Vertrag hinaus gelieferten Rüben wurden bislang für 85 % des Rübengrundpreises abgerechnet (zuzüglich Früh- und Spätlieferprämien sowie Mietenabdeckung).
Aus Sparguthaben wird Lieferrecht. Jetzt wollen Südzucker und die Süddeutsche Zuckerrüben-Verwertungsgenossenschaft (SZVG) diese Regelung neu gestalten. Auf den ersten Blick sieht es nach einem einfachen Tausch aus: Die Anbauer bekommen statt der verzinsten Guthaben (Restrübengeld und A+R-Mittel) Südzucker-Darlehen, die ebenfalls (meist etwas höher) verzinst werden. Zusätzlich gibt es je 50 € Guthaben 1 t Lieferrecht. Im Durchschnitt sollen die zusätzlichen Lieferrechte der bisherigen 25 % Lieferrechtsausdehnung entsprechen.
Südzucker erhält auf diese Weise einen Kapitalzufluss in geschätzter dreistelliger Millionenhöhe, der am Kapitalmarkt viel teurer gewesen wäre, die Anbauer ein verbrieftes Lieferrecht, das sie bei Bedarf auch verpachten können. Also ein Gewinn für beide Parteien?
Der Pferdefuß steckt wie immer im Detail, nämlich beim künftigen Anbauumfang. Bisher konnten die Anbauer schon bei der Kontrahierung Ende Mai entscheiden, wie viel Rüben sie anbauen wollten. Die garantierte Obergrenze waren 140 % des Lieferrechtes, auf Antrag ging auch mehr. Der Antrag wurde in wenigen Tagen entschieden und dann hatte der Anbauer Planungssicherheit. Jetzt kann der Anbauer ebenfalls Mehrrüben beantragen. Aber die Zusage (oder Absage) kommt später, möglicherweise erst im Herbst, wenn die Flächen bereits mit potentiellen Ersatzkulturen wie Raps bestellt sind. Südzucker will zuerst abschätzen, welche Rübenmengen benötigt werden und welche Region zusätzliche Mengen zugeteilt bekommt. Dahinter steckt augenscheinlich der Gedanke, zusätzliche Rüben möglichst nah an die Fabrik zu bekommen, um Frachtkosten (Südzucker zahlt 75 %) zu sparen. Das geht zulasten der Anbauer, die im Zweifel Schläge teilen müssen, um dann punktgenau ihre Lieferverträge erfüllen zu können.
Die Rübenbezahlung der Südzucker für die Kampagne 2023 war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Aus dem Anbauvertrag leitet sich ein Mindestpreis von 76 €/t (bei 18 % Pol.) ab. Darin enthalten sind sämtliche Zuschläge wie Mietenpflege, Früh- und Spätlieferprämien. In den vergangenen Jahren kam noch eine variable Rohstoffsicherungsprämie hinzu, um den Anbau attraktiv zu halten. Diese wird für die Kampagne 2023 aller Voraussicht nach entfallen – die Rübenpreise sind für sich genommen schon attraktiv genug.
Vom Rübenerlös wird noch knapp 1 €/t als Restrübengeld beziehungsweise A+R-Mittel abgeführt. Mit denen werden die oben beschriebene Ausdehnung der Lieferrechte oder Beteiligungen an der Südzucker finanziert. Aktuell halten die Anbauer über die SZVG etwa 62 % der Südzuckeraktien.
Späte Einigung bei Nordzucker
Ende April gab es bei der Nordzucker doch noch eine Einigung im Streit um die Bezahlung der Rüben. Ob der Aufsichtsrat eingegriffen hatte, wurde nicht bekannt. Aber mit dem jetzt erzielten Ergebnis von durchschnittlich 59,28 €/t (bei 16,4 % Pol. inkl. aller Nebenleistungen) für ein- wie auch dreijährige variable Verträge ist der Streit vom Tisch. Das sind 3,5 €/t Rüben zusätzlich. Für die Fixpreisverträge zahlt Nordzucker jetzt 43 €/t, ebenfalls 3,5 €/t mehr als im April einseitig verkündet. Damit liegt die Nordzucker zumindest bei den Flexpreisverträgen punktgenau auf dem Preisniveau der Rheinländer. Die Fixpreisverträge machen aber mit über 50 % den größten Anteil am Gesamtvolumen aus, sodass der Durchschnitt aller Verträge jetzt auf gut 50 €/t kommt (bei 16,4 % Pol. und kostenfreier Abholung). Relativ schlecht bezahlt bleiben die Überrüben mit frachtfrei 28,1 €/t.