Schweinefütterung. Welche Alternativen gibt es zu Soja?
Körnerleguminosen, verarbeitetes tierisches Protein, Insekten – das alles sind interessante Eiweißträger, die Soja im Schweinefutter ersetzen könnten. Aber: Geringe Verfügbarkeit oder der Preis sprechen gegen einen breiten Einsatz. Andrea Meyer gibt einen Überblick.
Die Suche nach Alternativen zum Sojaprotein in der Schweinefütterung ist nicht neu – zum ursprünglichen Treiber »GVO-Freiheit« sind mittlerweile die Themen »Klimaschutz« und »Regionalität« hinzugekommen. Als etabliert kann Rapsextraktionsschrot angesehen werden. Weitere, aktuell diskutierte Alternativen zum Sojaschrot sind sowohl pflanzlicher (Körnerleguminosen, Algen, Sonnenblumenschrot u. a.) als auch tierischer Art (verarbeitete tierische Proteine, Insektenprotein).
Körnerleguminosen
Der Anbau von Körnerleguminosen (u. a. Lupinen, Ackerbohnen und Erbsen) ist in Deutschland in den letzten Jahren zwar gestiegen. Die verfügbaren Mengen für die Nutztierfütterung liegen aber nach wie vor weit hinter den Verwertungsmöglichkeiten (nur 1 % Anteil im Mischfutter 2022/23), weil der Anbau sich häufig nicht rechnet. Nicht zuletzt, da sich der Auszahlungspreis für die Anbauer nah am Getreidepreis orientiert. Dabei sind Körnerleguminosen als nachhaltig zu bewerten: Sie reduzieren den Stickstoffdüngeraufwand, lockern die Fruchtfolge auf und senken den Zukauf von Soja.
Mastversuche mit Körnerleguminosen zeigen, dass z. B. Erbsen im Futter einen deutlichen Mehrwert haben, weil sie nicht nur Soja teilweise ersetzen, sondern auch zu einer besseren Futterverwertung (2,63 gegenüber 2,73) führen. In der Kombination mit Rapsschrot kann auch das Defizit an schwefelhaltigen Aminosäuren verringert werden. Die Fütterung mit Ackerbohnen führte zu fast gleichen Futterkosten je kg Zuwachs wie die Verwendung von Sojaextraktionsschrot in der Kontrollgruppe, bei Lupinen waren die Kosten höher.
Körnerleguminosen enthalten zwar auch antinutritive Substanzen wie Tannine und Trypsininhibitoren (Ackerbohnen, Erbsen), die die Proteinverdaulichkeit und Futteraufnahme potentiell senken. Das spielt in der Schweinefütterung aber keine nennenswerte Rolle. Bei den Süßlupinen rückt aktuell die Weiße Lupine in den Fokus, da höhere Alkaloidgehalte analysiert wurden. Neue Versuche zeigen, dass ab einem Weißlupinenanteil von 10 % die Futteraufnahme von Mastschweinen zurückgeht. Ob die Einsatzempfehlungen für die Weiße Lupine angepasst werden müssen, bleibt abzuwarten. Weitere Studien hierzu sind notwendig.
Tierische Proteine
Mit der Wiederzulassung der verarbeiteten tierischen Proteine (VTP) in 2021 ist eine hochwertige Proteinquelle hinzugekommen. Hierunter fallen z. B. Schlachtnebenprodukte. Das Ausgangsmaterial entspricht der Risikokategorie 3 und hat somit Lebensmittelqualität, wird als solches aber nicht gebraucht. An Schweine darf Geflügel-VTP, aber nicht Schweine-VTP verfüttert werden. Der Einsatz von verarbeitetem tierischen Protein in der Ferkelaufzucht führte in Versuchen zu weniger Durchfallproblemen und einem ruhigeren Tierverhalten bei unkupierten Ferkeln. Durch hohe Auflagen bei der Mischfutterherstellung (nur artfremdes Material – Nulltoleranz in Futter für dieselbe Tierart) ist ein Einsatz von VTP nur begrenzt praktikabel.
Insektenprotein
Seit September 2021 darf Insektenprotein z. B. an Schweine oder Geflügel verfüttert werden. Wollen selbstmischende Landwirte Insektenprotein einsetzen, benötigen sie eine Registrierung oder Zulassung. Derzeit sind in der EU acht Insektenarten zugelassen. Die größte Bedeutung hinsichtlich der Proteinproduktion hat die Schwarze Soldatenfliege (Black Soldier Fly, BSF). Sie kann auch lebend als Beschäftigungsfutter für Saugferkel im Abferkelstall eingesetzt werden.
Warum Insektenprotein füttern? Im Sinne der Nachhaltigkeit erhofft man sich durch Insektenprotein, Sojaimporte aus Südamerika zu ersetzen. Durch die Fütterung der Insekten mit Nebenerzeugnissen aus der Lebensmittelherstellung soll zudem eine Flächenersparnis für den Futterpflanzenanbau erreicht werden. Derzeit ist der Haken an dieser Überlegung allerdings, dass Insekten zu den landwirtschaftlichen Nutztieren zählen. Deshalb werden an Futtermittel für Insekten die gleichen Anforderungen gestellt wie an Futtermittel für Nutztiere, die zur Produktion von Lebensmitteln eingesetzt werden. Das Füttern von Abfall ist daher nicht zulässig, obwohl Insekten von Natur aus dazu in der Lage sind, organische Abfälle und damit auch Exkremente zu verwerten. Wenn also ausschließlich sichere Futtermittel an Insekten verfüttert werden dürfen, besteht eine direkte Konkurrenz um z. B. Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie mit anderen Nutztieren. Würde man diese Futtermittel erst an Insekten verfüttern und anschließend das Insektenprotein bei Nutztieren einsetzen, entstehen doppelte Transformationsverluste – es gibt keinen Effizienzgewinn. Mit Blick auf die Schweinefütterung ist Insektenprotein durchaus positiv zu bewerten, da Schweine Allesfresser sind und tierisches Protein insbesondere in der Ferkelfütterung vorteilhaft ist.
Insektenprotein wird bisher überwiegend in der Heimtierfütterung eingesetzt. Im Nutztierbereich ist das Eiweißfutter bisher kaum von Bedeutung. Zwar nimmt die Herstellung von Insektenprotein zu und erste landwirtschaftliche Betriebe beabsichtigen, in die Larvenmast einzusteigen. Doch die insgesamt verfügbaren Mengen sind noch verschwindend klein.
Die Eiweißqualität ist abhängig von der Insektenart und der Futtergrundlage. Neben den Aminosäuregehalten sind auch Daten zu den verdaulichen Aminosäuren im Insektenprotein erforderlich für einen zielgerichteten Einsatz im Schweinefutter.
Fütterungsversuch: Hohe Leistungen, aber … Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat in einem Versuch Insektenprotein an Mastschweine verfüttert. Im Ergebnis war der Einsatz von 4 % Insektenprotein aus der Schwarzen Soldatenfliege ohne Leistungseinbußen möglich (Übersicht). Die Proteinqualität des eingesetzten Produktes war in etwa mit HP-Sojaschrot vergleichbar. Die Lysinkonzentration vom HP-Soja wird allerdings nicht ganz erreicht. Dafür ist der Fettgehalt (großer Anteil Laurinsäure) höher.
Es konnten 10 kg Sojaschrot/Tier eingespart werden. Allerdings stiegen die Futterkosten je 100 kg Zuwachs um 44 € (+ 54 %). Damit ist das Ziel, Sojaschrot einzusparen, beim derzeitigen Preisniveau von Insektenprotein bereits bei geringen Einsatzmengen völlig unwirtschaftlich. Mögliche Effekte auf Tiergesundheit und Verhalten bei Jungtieren, die insbesondere unter dem Gesichtspunkt Kupierverzicht interessant werden könnten, werden zurzeit an der FH Bingen untersucht.
Im Entwurf zum neuen Tierschutzgesetz ist an einigen Stellen das Wort »Wirbeltier« durch »Tier« ersetzt worden. Es bleibt abzuwarten, ob sich dadurch perspektivisch Konsequenzen für die sogenannte »Ernte« und Verarbeitung der Larven ergeben.
Lebende Larven in den Stall?
Insekten produzieren antimikrobielle Peptide (AMP), um Keime abzuwehren. Ein Einsatz im Futter könnte sich positiv auf die Darmgesundheit, Schwanzbeißen oder Ohrnekrosen auswirken. Derzeit wird daran geforscht, ob die Verfütterung lebender Larven in der Ferkelaufzucht das Erkundungsverhalten fördert, sich als Beschäftigungsmaterial oder auch als Übergangsfutter in der Absetzphase eignet. Erste Ergebnisse zeigen: Ferkel lieben Larven und bevorzugen sie gegenüber Prestarter. Da lebende Larven auch bis zum Verzehr lebend sein müssen, ergeben sich für die Lieferung und Lagerung noch Fragen. Und: Die Schwarze Soldatenfliege z. B. gilt als potentiell invasiv und darf nicht in die Umwelt gelangen.
Algen & Co.
In der Positivliste für Einzelfuttermittel werden insgesamt vier Algenarten geführt. Sie sind z. T. sehr fettreich und liefern hochwertige Proteine, die sich für die Human- und Tierernährung eignen. Jedoch sind Toxin- und Schwermetallgehalte zu beachten. Die Bedeutung von Algenprotein in der Schweinefütterung ist derzeit sehr überschaubar.
Das gilt auch für weitere Eiweißträger wie Sonnenblumenextraktionsschrot, Fischmehl oder Schlempefutter. Wegen des hohen Rohfasergehaltes ist SB-Extraktionsschrot allerdings eine durchaus übliche Komponente in Mischfutter für Sauen.
Fischmehl findet derzeit noch im Ferkelfutter eine gewisse Verwendung, die Bedeutung sinkt aber – nicht zuletzt aufgrund hoher Preise.
Schlempefutter ist als Nebenprodukt der Bioethanolproduktion im Wiederkäuerbereich etabliert. Gegen den Einsatz des flüssigen oder getrockneten Produktes bei Schweinen spricht oft die eher geringe Proteinqualität. Der Futterwert hängt stark vom Ausgangsprodukt (z. B. Weizen, Roggen) ab.