Raps. Blütenbehandlung
Welche Behandlungen stehen derzeit im Raps an? Tipps und Empfehlungen im folgenden Artikel von der Hanse-Agro.
Im ersten Quartal 2024 waren die Temperaturen deutschlandweit außergewöhnlich hoch und wurden von den Sommertagen am Osterwochenende und zweitem Aprilwochenende noch übertroffen. Bevor nun wieder eine kühlere Phase angesagt ist, gingen die Rapsbestände bereits in die Blüte, sodass die Rapsblüte 10 bis 14 Tage früher begonnen hat. Lediglich spät startende Sorten wie beispielsweise Crocodile oder KWS Ernesto sowie vom Erdfloh stark geschädigte Bestände öffneten erst die ersten Knospen.
So findet man, auch durchaus innerhalb einer Region, Bestände noch in EC 59, andere bereits in der Vollblüte (EC 65; > 50 % der Blüten am Haupttrieb geöffnet, erste Blütenblätter fallen). Rapsbestände, die von starken Erdflohbefall und Cylindrosporium geplagt sind, werden lange und verzettelt blühen. Die befallenen Pflanzen setzen zur Kompensation bis fast zum Stängelgrund Seitentriebe an. Die unterständigen Triebe werden zeitversetzt ausgebildet und gelangen auch erst verzögert in die Blüte. Zum Teil sind die Blüten des Haupttriebes schon geöffnet und die letzten Nebentriebe werden gerade ausgebildet. Von den letzten Nebentrieben ist kein großer Ertragszuwachs zu erwarten. Ähnliches gilt für Bestände, die im Herbst aufgrund von Verschlämmungen verzettelt aufgelaufen sind.
Mit der Vollblüte (EC 65; > 50 % der Blüten am Haupttrieb geöffnet, erste Blütenblätter fallen) ist das Stadium für eine Blütenbehandlung erreicht. Hier steht überwiegend der Fungizideinsatz gegen Sklerotinia sclerotiorum (Weißstängeligkeit) und eine mögliche Insektizidmaßnahme gegen die Blütenschädlinge im Vordergrund (siehe Insektizide zur Rapsblüte). Das Risiko für eine Sklerotinia-Infektion ist insbesondere in engen Rapsfruchtfolgen, mit in den Vorjahren befallenen Flächen hoch, da die Sklerotien mehrere Jahre im Boden überdauern. Auch Unkräuter oder Zwischenfrüchte unterbrechen den Krankheitszyklus nicht, sondern dienen häufig auch als Wirtspflanzen für Sklerotina-Arten.
Die dargestellte Witterung, sorgte bereits ab Ostern für Keimbedingungen der Sklerotien, sodass von einen entsprechenden Ausgangsdruck ausgegangen werden muss. In Gegensatz zu den letzten Jahren in denen häufig regional die zur Keimung notwendige Feuchtigkeit fehlte. Die aus den gekeimten Sklerotien gebildeten Fruchtkörper (Apothezien) haben entsprechend die Sporen in die bestände geschleudert.
Die Apothezien schleudern die Sporen aus. Nach Niederschlägen mit folgender hoher Luftfeuchtigkeit mit einer Blattnässedauer von 16 bis 24 Stunden, sowie Temperaturen von ca. 18 bis 22 °C führen zu einer Sporenkeimung auf den Blättern bzw. in den Blattachseln.
In dichten Beständen sollte bedacht werden, dass die Luftfeuchte auch unter vermeintlich trockenen Bedingungen auf über 80 % ansteigen und dann eine Infektion auslösen kann, besonders, wenn der Oberboden feucht ist. Speziell auf Böden mit einem hohen Wasserhaltevermögen (Börde, humusreiche Senken, Flussauen) oder beregneten Standorten sollte die Fungizidmaßnahme nicht zu spät gefahren werden!
Wie sollte vorgegangen werden?
Es gilt zwei Situationen zu unterscheiden:
Situation 1: Raps mit einem normalen Blühverlauf, die Seitentriebe sind in der Entwicklung an den Haupttrieb angepasst:
Behandlung in der Vollblüte (ca. 10-15 Schoten am Haupttrieb ohne Blütenblätter) bei Infektionsbedingungen
Situation 2: Durch Cylindrosporium und/oder Rapserdfloh geschädigte Rapse (noch keine Vollblüte), bei denen mit einer verzettelten langen Blüte zu rechnen ist:
Zögern Sie die Behandlung bis max. 5 bis 7 Tage nach der Hauptblüte hinaus. Eine lange Blüte bietet auch ein langes Infektionsfenster für Sklerotinia. Je näher die Behandlung am Infektionszeitpunkt liegt, desto besser ist die Wirkung. Ob man etwas verspätet fahren kann, hängt auch an der verfügbaren Technik. Schließlich sollen die Pflanzen in der Fahrgasse sich wieder aufrichten können. Das hängt auch daran, dass der Bestand bei der Durchfahrt trocken und nicht (Tau- oder Regen-) naß ist.
Was gilt es zu beachten?
Eine hohe Wasseraufwandmenge (> 250 l/ha Wasser) ist für eine sichere Benetzung zwingend erforderlich. Nicht nur die Blütenblätter, sondern auch die Verzweigungen sollte benetzt werden. Eine Bestandesdurchdringung ist nur über grobe Tropfen mit Flachstrahldüsen oder auch mittleren Tropfengrößen bei Doppelflachstrahldüsen zu erzielen. Die richtige Düsenwahl ist daher entscheidend (siehe Journal 01/24). Der Raps sollte in der Blüte als Etagenpflanze betrachtet werden, die von allen Seiten zu benetzen ist.
Was noch?
Kein AHL tagsüber! AHL kann ansonsten zum Verkleben der Flügel von Bienen führen.
Behandlungen auch ohne Insektizid in die Abendstunden verlegen, um den Wirkstoffkontakt von Bienen zu vermeiden. Die Bestände sind dann zusätzlich elastischer (Turgordruck). Zudem gilt seit einigen Jahren, auch für B4-Insektizide, die Auflage NN410:
- Schädigend gegen Bestäuberinsekten
- In der Blüte Anwendung vermeiden
- Oder zum Schutz von Wildbienen in den Abendstunden applizieren
Fungizid-Empfehlung:
Die stärksten Präparate sind Cantus WG, Cantus Gold, Propulse, Pictor Active, Treso, Efilor und Prothioconazol-Produkte (auch Cylindrosporium). Etwas schwächer sind Custodia, Intuity, Zenby, reine Azoxystrobin-Produkte (wie Amistar Gold) und Tebuconazol-Produkte (geringere Dauerwirkung) einzuschätzen.
Nacht-/Tagvariante B4 (NN410):
- 1,0 l/ha Amistar Gold
- 0,4 l/ha Bolt (250er Prothioconazol) + 0,5 l/ha Torero/Azbany/Ortiva
- 0,35 kg/ha Treso + 0,5 l/ha Torero/Azbany/Ortiva
- 0,5 l/ha Propulse + 0,5 l/ha Torero/Azbany/Ortiva
- 0,65 l/ha Cantus Ultra
- 0,3 l/ha Cantus Ultra + 0,3 Bolt (250er Prothioconazol)
Besonderheit Splitting
Auf einigen Standorten kommt es vor, dass zu Blühbeginn deutlicher Zuflug von Kohlschotenrüssler (KSR) einsetzt, wie zurzeit in Südpolen oder Ungarn. Wenn so früh in der Entwicklung auf jeder zweiten Pflanze ein Kohlschotenrüssler sitzt, sollte dieser rausgenommen werden, da die Zeit bis zur Hauptblüte noch 7-10 Tage beträgt. Dann sind bereits etliche Löcher in junge Schoten gebohrt. Mehr dazu finden Sie hier.
Muss die gesamte Fläche behandelt werden, ist zu überlegen, ob 50% des geplanten Fungizides nicht bereits mit ausgebracht werden sollen. Dann wäre der Anschlusstermin nicht so stark am optimalen Fungizidtermin Hauptblüte (s.o.) zu orientieren, sondern könnte im Zweifel auch etwas später stattfinden, je nach weiterem Zuflug KSR.
Möglichkeit Splitting
Blühbeginn (flächig jede zweite Pflanze KSR):
- 50% Fungizid (z.B. 0,5 l/ha Azoxy 250) + Insektizid
Vollblüte bis max. 7 Tage später:
- 50 % Fungizid (z.B. 0,5 l/ha Propulse) + Insektizid
Eine Behandlung nach der Vollblüte ist nur möglich, wenn die Technik es zulässt.
Dieser Artikel ist zuerst erschienen von www.hanse-agro.de