Niederlande. Tierproduktion muss umweltfreundlicher werden
Die Umweltbelastung durch die niederländische Landwirtschaft ist weiterhin zu hoch, die Aufkaufprogramme der Regierung aber zu einseitig. Das sagt der Rabobank-Direktor für Food & Agri Nederland Alex Datema im Interview mit dem Pressedienst Agra Europe (AgE).
Zwar seien mit Blick auf die politischen Nachhaltigkeitsziele 2040 und 2050 durch Innovationen und geänderte Bewirtschaftungsmethoden deutliche Fortschritte abzusehen, ausreichen wird dies aber wohl nicht. Schon jetzt zeigt sich, dass mit dem Auslaufen der EU-Ausnahmeregel (Derogation), die es den niederländischen Landwirten erlaubt hat, mehr Gülle auszubringen, die Gülleexporte deutlich gestiegen sind. Basierend auf den politischen Vorgaben rechnet Datema damit, dass es bis 2040 in den Niederlanden 20 bis 25 % weniger Nutztiere geben wird.
Anpassungsbedarf sieht der Rabobank-Direktor vor allem in der Milchviehhaltung, da sie die größten Umweltauswirkungen hat. Am Regierungsprogramm zur Bewältigung der Stickstoffüberschüsse kritisiert Datema, dass das Geld bislang nur in Ausstiegsprogramme fließt: »Mittel sollten stärker in aktive Betriebe fließen – für Innovation, Transformation und strukturelle Anpassung«. Außerdem sollten Landwirte für gesellschaftliche Leistungen wie Biodiversität oder Landschaftspflege bezahlt werden.
Als vielversprechende Ansätze, nachhaltiger und umweltfreundlicher zu wirtschaften, nennt Datema unter anderem die Aufbereitung von Gülle zu RENURE-Produkten oder die Vergärung in Biogasanlagen sowie emissionsmindernde Technologien, beispielsweise die direkte Trennung von Kot und Harn im Stall, und eine angepasste Fütterung.
Dass Betriebe Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, sei mittlerweile für die Banken essenziell, betont Datema. Nicht in erster Linie aus gesellschaftlichen Gründen, sondern weil der Klimawandel ein wachsendes Risiko für die Betriebe darstellt. Landwirte, die sich dessen nicht bewusst seien und kein Konzept für den Umgang damit hätten, seien ein Risiko für die Banken.