Besamungsstall. Gruppenhaltung geschickt umsetzen
Bis spätestens 2029 ist eine Fixierung im Kastenstand auch im Deckzentrum nur noch kurzzeitig möglich. Wie Sie mit den Herausforderungen der Gruppenbildung rund um die Rausche umgehen und die höheren Platzanforderungen bis zur Besamung realisieren können, zeigt ein neues Merkblatt der DLG.
Jede Gruppenhaltung beginnt mit einer Gruppenbildung. Unterschieden wurden bislang in der Praxis der Zeitpunkt dafür, der Ort sowie die Gruppengröße und, ob der Betrieb mit einer Wechsel- oder einer stabilen Gruppe arbeitet. Nach der novellierten Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) muss die Gruppenbildung zukünftig vor der Besamung stattfinden. Was dabei zu beachten ist, beschreibt das neue DLG-Merkblatt zur Gruppenhaltung im Besamungsstall.
Tierschutzrecht
Die TierSchNutztV, neugefasst am 22. August 2006 und zuletzt geändert am 29. Januar 2021, definiert die tierschutzrechtlichen Vorgaben für die Schweinehaltung in Deutschland. Nach einer Übergangsfrist müssen spätestens ab dem 9. Februar 2029 alle Sauen direkt nach dem Absetzen bis sieben Tage vor dem Abferkeln in Gruppen gehalten werden. Das bedeutet, die Gruppenbildung findet zwangsläufig bereits im Besamungsstall oder alternativ in einer Outdoor- bzw. einer Indoor-Arena statt. Eine Fixierung in einem Kastenstand ist nur noch kurzzeitig für die Kontrolle der Rausche, die Besamung oder für tierärztliche Untersuchungen gestattet. Für den Zeitraum nach dem Absetzen bis zur Besamung ist den Sauen ein größeres Platzangebot von 5 m2 zu gewähren. Danach sind es wie bisher 2,25 m2 nutzbare Bodenfläche für Altsauen und 1,65 m2 für Jungsauen.
DLG-Merkblatt
Das Merkblatt 496 »Gruppenbildung und Gruppenhaltung von Sauen vor der Besamung« beschreibt die Grundlagen zum Sozialverhalten der Schweine und die tierschutzrechtlichen Vorgaben. Darüber hinaus zeigt es Lösungskonzepte für den praktischen Ferkelerzeuger- und Zuchtbetrieb auf. Es wurde federführend von Prof. Steffen Hoy, Justus-Liebig-Universität Gießen, Bernhard Feller, LWK NRW, Dr. Jörg Bauer, LLH, Dr. Anne Elkmann, Big Dutchman, Sven Häuser und Isabell Faroß, DLG sowie unter Mitwirkung des DLG-Ausschuss Schwein erarbeitet. Sie finden das Merkblatt hier.
Sozialverhalten und Brunstmanagement
Nach der Zusammenstallung von Sauen zu einer Gruppe kommt es zu Rangordnungskämpfen. Diese sind völlig normal und sollten auch nicht unterdrückt werden. Zweck der Kämpfe ist es, die soziale Beziehung zwischen den Tieren einer Gruppe zu klären und eine stabile soziale Hierarchie aufzubauen.
Es ist biologisch zweckmäßig, dass diese Rangordnung schnell etabliert wird. Jeder Kampf bedeutet Energieaufwand und Verletzungsrisiko für das Tier. Untersuchungen zur Gruppierung im Besamungsstall zeigten, dass eine hohe Anzahl an Kämpfen bei der Gruppenbildung am ersten Tag nach dem Absetzen auftritt. An den folgenden beiden Tagen geht die Zahl der Kämpfe dann zurück. Während der Brunst an den Tagen vier und fünf nach dem Absetzen stieg die Anzahl der Rangkämpfe erneut an (Grafik).
Unterschiedliche Besamungszeitpunkte. Es treten Unterschiede im Beginn der Brunst nach dem Absetzen, der Brunstdauer (früh-, normal- und spätrauschende Sauen), zwischen verschiedenen Rassen, zwischen Jung- und Altsauen, zwischen drei- und vierwöchiger Säugezeit und zwischen den Betrieben auf, die bei der Künstlichen Besamung (KB) zu beachten sind. Die Sauen einer Gruppe werden demzufolge zu verschiedenen Zeitpunkten für die KB fixiert. Das bedeutet, dass einige Tiere zur Besamung fixiert sind, andere sich aber frei bewegen, was die Arbeitsabläufe deutlich beeinträchtigt. Unter der Voraussetzung, dass die Sauen der Gruppe zum gleichen Zeitpunkt besamt werden (z. B. bei der terminorientierten Besamung), kann die gesamte Gruppe in den einzelnen Besamungsständen fixiert werden.
Auswirkungen auf die Leistung
Vor der Einführung der Gruppenhaltung wurde das Auftreten von Leistungsminderungen durch eine höhere Umrauscherrate und eine niedrigere Wurfgröße lebend geborener Ferkel sowie gesundheitlicher Schäden (z. B. Klauen- und Gliedmaßenschäden) befürchtet. Die praktischen Erfahrungen der zurückliegenden Jahre zeigen jedoch, dass die Wurfgröße im Mittel auch bei der geforderten Gruppenhaltung weiter angestiegen ist. Entscheidend ist das Management bei Gruppenbildung und Gruppenhaltung.
Die unvermeidlichen Kämpfe zwischen den Sauen bei der Gruppenbildung müssen bezüglich Ort, Zeit und Bedingungen auch weiterhin so stattfinden, dass sie keine Schäden an den Sauen bzw. bei den Embryonen hervorrufen können. In der ersten Zeit nach der Befruchtung sind die Keimlinge noch relativ gut geschützt. Rund um die Anheftung an die Uterusschleimhaut gibt es einen sehr störungsanfälligen Zeitraum. Durch Rangkämpfe in den ersten zwei bis vier Trächtigkeitswochen können über 20 bis 30 % der Embryonen absterben. Selbst der Verlust der Trächtigkeit mit anschließendem Umrauschen ist möglich. Genau das muss durch ein gutes Management verhindert werden.
Der günstigste Zeitpunkt der Gruppenbildung ist unmittelbar nach dem Absetzen der Ferkel – so wie es ohnehin durch die TierSchNutztV vorgeschrieben wird. Die Tiere sind nicht tragend und die Rangordnungskämpfe können somit keinen Schaden an der Trächtigkeit anrichten.
Das belegen Untersuchungen zur Gruppierung von Sauen unmittelbar nach dem Absetzen im Besamungsstall mit 5 m2/Sau und einer Fixierung lediglich zur Besamung. Im Ergebnis hatten diese Tiere mit 4,8 Tagen sogar ein tendenziell kürzeres Absetz-Beleg-Intervall als die Sauen in Einzelhaltung (5,1 Tage). In der Gruppenhaltung betrug die Wurfgröße gesamt geborener Ferkel durchschnittlich 18,5, die der lebend geborenen Ferkel 17. Die Sauen in Einzelhaltung hatten im Mittel eine Wurfgröße von 17,8 gesamt und 16,1 lebend geborenen Ferkeln. Die Differenzen konnten allerdings nicht statistisch abgesichert werden.
Umsetzung in der Praxis
Für die allermeisten Betriebe wird der Gruppenbildungsort der Besamungsstall sein. Dieser wird allein schon durch den hohen Platzbedarf pro Sau anders strukturiert sein müssen als bisher. Wichtig sind zudem die gesetzlich geforderten 1,3 m² Liegefläche sowie geeignete Rückzugsmöglichkeiten.
In vielen Betrieben kann versucht werden, eine Outdoor-Arena als Gruppenbildungsort an den Besamungsstall anzubauen, sodass eine relativ kostengünstige Haltung der Sauen vom Absetzen bis zur Besamung möglich ist. Eventuell können Nebengebäude (Scheunen, Lager, Maschinenhallen) alternativ zu einer Indoor-Arena umgebaut werden.
Die Gruppengröße wird dabei vor allem durch die baulich-technischen Gegebenheiten bestimmt. In großen Betrieben werden 50 bis 100 Sauen pro Woche und mehr gleichzeitig abgesetzt. Wenn möglich, sollten die Gruppen unterteilt werden. Zum einen, um Jungsauen/Sauen zum zweiten Wurf und Altsauen separat aufzustallen und zum anderen, um die Übersichtlichkeit beim Treiben in die Besamungsstände und bei der Besamung selbst zu gewährleisten. Die Nutzung von Selbstfang-Besamungsständen ist von Vorteil, da die Sauen sich bei der Fütterung selbst fixieren und ein aufwendiges Treiben in diese Stände entfällt. Bei großen Gruppen dauert es aber lange, bis die letzte Sau den letzten freien Stand gefunden hat. Dabei entsteht große Unruhe, wenn Sauen auf der Suche nach einem freien Platz zum Fressen mehrmals an der Standreihe entlang laufen müssen. Es empfiehlt sich eine Unterteilung in 8er bis maximal 16er Gruppen.
Nach der Besamung. Im Gegensatz zur bisherigen Praxis müssen die Sauen künftig auch unmittelbar nach der Besamung in Gruppen gehalten werden. Das erfordert im Regelfall ein zusätzliches Umstallen der Sauen, da die Flächenvorgaben nach der Besamung deutlich niedriger als davor sind. Für die Betriebe bedeutet das, dass nicht nur der Stall, in dem die Besamungen stattfinden, mit Blick auf die geforderten 5 m2 je Sau umgebaut werden muss. Auch die Stallabteile, in denen die Sauen bis zur Umstallung in den Wartestall gehalten werden, müssen baulich verändert werden. In vielen Betrieben wird nicht genügend Platz für eine Gruppenhaltung im Besamungsstall vorhanden sein. Dort muss zusätzliche Stallfläche durch einen Auslauf oder Anbau geschaffen werden. In jedem Fall wird diese Maßnahme zu erheblichen Mehrkosten führen.
Neubau: Besamungsbereich mit Arena
Praxisbeispiel. Um den notwendigen zusätzlichen Platz zu schaffen, hat ein Betrieb einen neuen Besamungsbereich gebaut. Dazu wurde eine Stahlhalle zwischen zwei schon vorhandenen Stallgebäuden errichtet. Neben einer Arena mit den Maßen 17 x 20 m und einem Bereich mit Besamungsständen zur Rauschekontrolle und Belegung wurden in dieser Halle noch Eber- und Genesungsbuchten untergebracht.
Der Betrieb arbeitet im Wochenrhythmus und besamt jede Woche 60 Altsauen. Die Arena kann für die gesamte Besamungsgruppe genutzt werden. Sie lässt sich aber auch unterteilen, sodass bei Bedarf zwei Konditionsgruppen gebildet werden können. Zur Fütterung stehen den Sauen Einzelfressplätze mit kurzen Fressplatzteilern bei einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1 zur Verfügung. Die Wasserversorgung wird über einen Aqualevel im Trog sowie zwei Kipptränken an der Betonzwischenwand zu den Besamungsständen sichergestellt.
Als Rückzugsmöglichkeit gibt es Liegekessel mit einer Tiefe von 2 m und einer Breite von etwa 3 m. Sie sind als Insel mittig in der Arena angeordnet. Die Trennwände können bei Reinigung der Arena an die Mittelwand geklappt werden. Wird die Gruppe nicht unterteilt, können die Sauen um diese Insel herumlaufen. Das hat den Vorteil, dass rangniedrige Sauen sich noch besser aus dem Sichtfeld bringen können.
Mittig in der Arena befindet sich ein durchgehender Spaltenbereich. Auf diesem sind die Abtrennungen für die Liegekessel installiert (Foto S. 64). Problemen mit einer Verkotung dieses Bereichs wird so vorgebeugt. Die restliche Arena ist planbefestigt und eingestreut. Alle anderen Stallbereiche sind unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben mit Spaltenboden ausgestattet.
Direkt an den Arenabereich schließt sich der Besamungsbereich an. Dieser wird über zwei Stufen nach oben erreicht, damit die Sauen nicht zu viel Stroh mit hineintragen. Grundsätzlich kann eine solche Arena auch strohlos betrieben werden. Wichtig ist dabei eine gute Bodenqualität.
Die Besamungsstände sind mit einem Frontaustrieb ausgestattet, sodass die Sauen den Stand nach vorne verlassen können, um in die Arena zurückzukehren bzw. um nach Abschluss der Besamung direkt in die Wartebuchten umgestallt zu werden. Das vereinfacht den Ablauf und das Nachtreiben der als Nächstes zur Besamung anstehenden Tiere.
Wichtig ist eine blickdichte Wand zwischen den Besamungsständen und den Eberbuchten sowie im Übergang zur Arena, damit die Sauen den Eber nicht zu früh sehen. Ansonsten bleiben sie schon in der Arena oder im Türbereich stehen und laufen nicht in die Besamungsstände.
Für die Jungsauen stehen eine separate Arena sowie auch separate Wartebuchten zur Verfügung. Der Ablauf der Rauschekontrolle und Besamung ist gleich. Ziel war ein durchgängiges Haltungskonzept, sodass bereits die Jungsauen das System kennenlernen.