Kreuzungskälber erhöhen. Foto: adobe_stock_karenalbers
Beef on Dairy. Gezielt anpaaren mit den neuen Zuchtwerten
Wer seine Milchkühe mit Fleischrindrassen kreuzt, musste das lange nach Gefühl tun. Die Beef-on-Dairy Zuchtwerte machen eine präzisere Auswahl der Bullen nach Verkaufsgewicht, Kälbererlösen und Abkalbeeigenschaften jetzt möglich.
Der Einsatz von gesextem Sperma bei den genetisch besten Tieren der Milchviehherde und das Besamen der genetisch schwächeren Kühe mit Fleischrassen (Beef on Dairy, BoD) ist ein weltweit steigender Trend. Das Ziel ist klar: Die Produktion von bester Nachzucht zur Remontierung sowie ein besserer Erlös beim Verkauf von Kälbern, die nicht zur Ergänzung der Herde benötigt werden. Das erhöht den Einsatz von Fleischrassesperma in Milchviehherden. Besonders gefragt sind reinerbig hornlose Vererber und das über alle Fleischrinderrassen hinweg.
Die Nachfrage nach Beef on Dairy steigt weiter
Der Einsatz von Fleischrindbesamungen in Milchviehbetrieben hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. 2024 lag der Anteil der BoD-Besamungen bei rund 25 % in Deutschland. Dass die Bullenauswahl mangels zuverlässiger Zuchtwerte lange pauschal nach Rasse erfolgen musste, vergrößerte das Risiko für schwere Abkalbungen und eine erhöhte Totgeburtenrate. Das wird sich nun ändern, denn mittlerweile ist die zweite Zuchtwertschätzung für BoD-Bullen erschienen. Sie enthält Zuchtwerte für Kälbergewicht und -erlös als Entscheidungshilfe für die Milchviehhalter.
Abkalbezuchtwerte
Die BoD-Abkalbezuchtwerte sind im Prinzip bekannte Zuchtwerte aus der Holsteinzucht. Mit KVd (Kalbeverlauf direkt), TGd (Totgeburten direkt) und RZKd (Abkalbeeigenschaften direkt = Index aus KVd und TGd) stehen auch bei BoD-Bullen nun endlich Abkalbezuchtwerte und nicht mehr nur phänotypische Werte/Abweichungen (Schwergeburten, Totgeburten, Trächtigkeitsdauer und Kälberfitness) zur Verfügung. Sie werden nun auf einer eigenen BoD-Basis geschätzt und nicht mehr auf Grundlage der Holsteinpopulation. Gerade bei den oft eingesetzten Weißblaue Belgiern auf der Vaterseite, kommt es immer wieder zu Schwergeburten. Der Abkalbezuchtwert auf Holstein-Basis war nicht präzise genug, denn durch die sehr leichtkalbigen Holsteins fällt der direkte Vergleich mit Fleischrinderbullen zu deren Ungunsten aus. Dadurch erscheinen selbst die besten Fleischrindbullen deutlich unterdurchschnittlich – was eine differenzierte Auswahl erschwert. Die Vergleichsbasis speziell für BoD-Bullen setzt sich nun aus den BoD-Kälbern zusammen, die in den letzten fünf Jahren geboren wurden. So lassen sich die besten Bullen innerhalb einer Rasse gezielt identifizieren. Außerdem sind so auch faire und sinnvolle Vergleiche zwischen verschiedenen Fleischrinderrassen möglich.
Zuchtwerte für Kälbererlös und -gewicht
Ausschlaggebend für den Einsatz von Fleischrinderbullen ist vor allem der Verkaufserlös der BoD-Kälber und der hängt maßgeblich vom Verkaufsgewicht ab. Beide neuen Zuchtwerte beruhen ebenfalls auf der BoD-Basis. Die Auswertungen basieren auf tatsächlich erfassten Kälbergewichten sowie auf realen Vermarktungspreisen von BoD-Kälbern im Alter von etwa vier bis sechs Wochen. Die Zuchtwerte sind auf einer Naturalskala in kg bzw. € angegeben. Hat ein Bulle z. B. einen Zuchtwert von + 5 kg im Kalbgewicht, sind seine Nachkommen durchschnittlich 5 kg schwerer als das Mittel der BoD-Kälber, die in den letzten fünf Jahren geboren wurden (Grafik 1).
Genauso wird der Zuchtwert für den Kalberlös dargestellt. Liegt der Zuchtwert eines Bullen für den Kalberlös bei +50 €, bedeutet dies, dass seine Nachkommen im Mittel 25 € mehr erlösen (denn der Bulle gibt nur die Hälfte seines Zuchtwertes weiter) im Vergleich zum Durchschnitt der BoD-Basiskälber (Grafik 2).
Dargestellt sind die Zuchtwerte der BoD-Bullen nach Rassen. Dabei zeigen sich sowohl markante Unterschiede zwischen als auch innerhalb der einzelnen Rassen. Da die meisten BoD-Basisbullen Kreuzungen mit Weißblaue Belgiern sind, schneiden andere Rassen im Vergleich oft schlechter ab. Wer beispielsweise einen Angus-Bullen für BoD einsetzen möchte, sollte dessen Zuchtwerte im Vergleich zum Durchschnitt der Rasse betrachten: Dieser liegt bei –153 €. Im Vergleich gibt es jedoch deutlich bessere Bullen der Rasse Angus als im Beispiel, die besonders interessant für den Einsatz sind.
Wie arbeite ich mit den neuen Zuchtwerten?
Ein Beispiel des VIT Verden zeigt, wie das Vorgehen des Betriebes bei der Anpaarung mit BoD-Bullen aussehen kann:
Schritt 1: Auswahl der Rasse
- Erlösorientierte Wahl, z. B.: »Ich möchte Kreuzungskälber mit guten Zunahmen und hohen Verkaufsgewichten«.
- Zuchtwert Kalbgewicht: Die Rasse Weißblaue Belgier bietet sich an.
- Aber die Rasse sollte in Relation zum eigenen Management gewählt werden. Das gilt besonders für die Abkalbemerkmale (Vermeiden von Schwer- und Totgeburten).
- Zuchtwert Kalbemerkmale: Die Rasse Angus bietet sich an.
Schritt 2: Auswahl des Bullen
- Bulle innerhalb der Rasse
- Mittelwert der Rasse betrachten, z. B. Angus: Mittelwert Kalbgewicht = – 7,7 kg,
- Verteilung der Bullen innerhalb der Rasse, z. B.: Welcher Bulle gehört zu den besten 10 %?
- Auswahl eines überdurchschnittlichen Bullen,
- Betrachtung der Grenzwerte, z. B. Angus: Grenzwert der 10 % besten Bullen = – 4 kg.
Zusammenhang zwischen Kalbgewicht, -erlös und Kalbemerkmalen
Die Abkalbeeigenschaften und das Vermarktungspotential verhalten sich eher gegenläufig. Es ist bekannt, dass hohe Geburtsgewichte häufiger zu Komplikationen bei der Geburt führen können. Mithilfe der neuen Zuchtwerte können Landwirte nun innerhalb der Rasse gezielt Bullen wählen, die ein gutes Wachstum mit einem geringeren Risiko für Geburtsprobleme verbinden.
Die geänderten Abkalbezuchtwerte sollen für
leichtere Geburten sorgen. Den sie werden nun
auf einer eigenen BoD-Basis geschätzt und nicht
mehr auf Grundlage der Holsteinpopulation.
Foto: wiermans
Fazit
Mit den Zuchtwerten für BoD-Bullen wird die Auswahl präziser und individueller. Die Betriebe können gezielt Vatertiere wählen, die ihren Vorstellung bezüglich der Eigenschaften Abkalbung, Wachstum und Erlöse entsprechen – und das sowohl zwischen als auch innerhalb der verschiedenen Fleischrassen.